Alles beginnt mit einem Blowjob. Im Knast. Von einem Mann durchgeführt. Aber wir sehen nur das Gesicht desjenigen, der ihn bekommt: Dom Hemingway, von Jude Law dargestellt. Deutlich mehr Gewicht als üblich, aber nicht fett, eher trainiert, zurückgehendes Haar, dafür einen gigantischen Bart – und eine Rede darüber, warum sein Schwanz eigentlich ein Kunstwerk ist und in den Louvre gehört.

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So fängt „Dom Hemingway“ an. Ein Film, der nicht unbedingt das liefert, was die Werbung verspricht. Denn einerseits ist dies kein Gangsterfilm, wie man ihn gemeinhin erwartet, andererseits ist er auch gänzlich anders als „Bronson“, der gerne zum Vergleich herangezogen wird.

Dom Hemingway - Ein Mann, vor dem man sich in Acht nehmen muss!

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Der Film startet bei uns am 17.04.2014 in den Kinos.
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Dom Hemingway wird nach zwölf Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Als erstes verprügelt er den neuen Ehemann seiner längst verstorbenen Frau, danach trifft er einen alten Kumpel wieder. Gemeinsam geht es schließlich nach Frankreich, denn Mr. Fontaine schuldet Dom noch Geld.

Dom hätte ihn damals ranhängen und seine eigene Haftzeit verkürzen können, hielt aber dicht und bezahlte dafür einen hohen persönlichen Preis. Nun will er seine Entschädigung, aber sich mit einem der gefährlichsten Männer Europas anzulegen, ist problematisch. Nur gut, dass Mr. Fontaine ein Mann mit Ehre ist, der weiß, dass er Dom etwas schuldig ist.

Das ist aber nur ein Teil der Gleichung bei dieser Geschichte. Die Irrungen und Wirrungen treiben Dom zurück nach London, wo er versucht, mit seiner längst erwachsenen Tochter eine Beziehung aufzubauen. Aber der Ärger reißt nie ab. Jemand will sich an Dom rächen. Ein Mann wie Dom Hemingway hat eben in seinem Leben viel falsch gemacht …

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Jude Law in der Rolle seines Lebens.
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Fast wie Theater

„Dom Hemingway“ ist die Art Film, die als Theaterstück vielleicht noch besser funktionieren würde. Es gibt nur wenige Handlungsorte und nur wenige Protagonisten. Über allem thront Jude Law, der sich hier die Seele aus dem Leib spielt. Sein Dom Hemingway ist ein eigentlich unsympathischer Kerl, der ständig cholerische Anfälle bekommt, den man irgendwie aber auch mag.

Das ist letztlich auch die Kunst bei dieser Art Geschichte, denn um ein Interesse, aber auch einen Bezug zu ihr zu haben, ist es vonnöten, die Figur zu mögen – wenn auch nicht ohne Wenn und Aber.

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Dom Hemingway.
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Aber Law lässt Dom Hemingway real werden, er spielt ihn als draufgängerischen Maulhelden, als Gauner mit poetischer Ader, als Mann, der durchaus auch seine verletzlichen Seiten hat. Kurz: als ein Mensch, der voll entwickelt ist. Es ist eine Rolle, wie Schauspieler sie lieben. Sie fordert viel, gibt aber auch viel. Wie sich Dom in Tiraden hineinsteigert, wie er schreit und tobt, wie er aber auch freundlich und nett sein kann, das ist ein Erlebnis, den Law spielt hier extrem intensiv.

Episodisch

Die narrative Struktur ist interessant gestaltet. Sie ist episodisch, was durch die Einblendung von Kapitelüberschriften, die auch als Motti gelten könnten, noch verstärkt wird. Es ist zwar eine durchgehende Geschichte, die von Punkt A über B zu C kommt, man könnte sie teilweise aber auch anders arrangieren.

Jude Law in seiner größten Rolle. Er spielt sich die Seele aus dem Leib.Fazit lesen

Mehr erscheint der Film wie eine Sammlung von Momentaufnahmen im neuen Leben des Dom Hemingway, der – frisch aus dem Knast – sein Leben neu ordnen und sich der neuen Welt auch anpassen muss.

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Regie bei "Dom Hemingway" führte Richard Shepard.
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Das kommt mit einigem Drama daher, auf Witz verzichtet der Film aber auch nicht. Dafür wirkt er etwas fahrig, da Dom immer im Mittelpunkt steht. Das verhindert allerdings auch, dass einige der durchaus auch interessanten Geschichten gar nicht weiter ergründet werden. Diese haben mit Nebenfiguren wie Doms Kumpel Dickie oder der sein Leben verändernden Melody zu tun, die beide jedoch deutlich weniger ausgearbeitet bleiben, als dies möglich und letzten Endes auch wünschenswert gewesen wäre.

Reale Dialoge

Die Dialoge atmen Authentizität, sie sind clever, aber nicht überstilisiert. Sie sind pointiert, aber nicht überzogen. Es mag sein, dass echte Cockney-Gangster nicht so sprechen, Dom Hemingway wird dank dieses Skripts und in den fähigen Händen von Jude Law jedoch zu einer dreidimensionalen Figur, die man so im Kino noch nicht gesehen hat.