Unzählige Male wurde sie in Film und Fernsehen durch die Mangel gedreht, die Weihnachtsgeschichte um den mürrischen Misanthropen Ebenezer Scrooge, der am heiligen Abend Besuch von drei Geistern erhält und schließlich zu einem geläuterten Gutmenschen reift. Nur wenige der vielen Adaptionen und Variationen des Stoffes hielten sich jedoch so treu an die Vorlage wie die allerneuste Version des festlichen Belehrungsstückes aus dem Hause Disney.
„Eine Weihnachtsgeschichte“ beruft sich also wieder auf die klassische Erzählung – sie wurde nicht wie so oft zu einem Musical oder einer Komödie variiert. Im Zentrum steht, natürlich, der grantige Geizhals Scrooge, der vom Geist der vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Weihnacht heimgesucht wird. Die wohl gesonnenen Gespenster reisen mit ihm zu Stationen seiner Kindheit und Jugend und eröffnen ihm schließlich den Blick auf sich und sein Umfeld, ehe sich Scrooge vom Menschenfeind zum gutherzigen Großväterchen besinnt.
Scrooge bekommt am Vorweihnachtsabend gar geisterhaften Besuch.Der durch die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie mit Zeitreisen vertraute Regisseur Robert Zemeckis verarbeitet die Charles-Dickens-Geschichte zu einem weihnachtlichen Motion-Capture-Blockbuster, in dem er wie bereits bei seinem „Polarexpress“ und „Beowulf“ die Bewegungen der Darsteller in computergenerierte Animationen überträgt. Dieses Abbild der Realität soll paradoxerweise wiederum realistisch wirken, was erneut zu der Frage führt, warum Zemeckis so sehr auf diesen Umweg schwört, statt die Geschichte nicht gleich herkömmlich zu inszenieren und das Geld in entsprechende Spezialeffekte zu investieren.
Denn das Ergebnis der digitalen Bilder ist genauso ernüchternd wie in den beiden formalen Vorläufern: Die Bewegungen sind staksig und ungelenk, die Augen der Figuren wirken unnatürlich und befremdlich, und die Gesichter erinnern in ihrer Plastizität an Wachsfiguren. Statt zu stilisieren, zu verfremden und damit auf das eigentliche Animationshandwerk – die Erschaffung von Bilderwelten aus dem Nichts – zurückzugreifen, imitiert die Technik eine Realität, die sie doch nie erreichen kann.
Zemeckis Motion Capture-Technik ist so hässlich wie eh und je.Schade also, dass auch „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ in der Motion-Capture-Sackgasse landet, denn Zemeckis bringt den Stoff ansonsten überraschend sorgfältig und sogar dialoggetreu auf die große Leinwand. Erstaunlich dabei vor allem, dass er sich viel Zeit lässt für die über- und in ihrer moralischen Schlichtheit auch durchschaubare Geschichte, dass er die Geisterbesuche nur wenig effekthascherisch in Szene setzt und sich stattdessen mehr auf die vielseitige Leistung seines Hauptdarstellers konzentriert.
Regie: Robert ZemeckisGenre:AnimationFilmstart: 12.11.2009Darsteller:Robin Wright Penn, Gary Oldman, Colin Firth, Bob Hoskins, Jim Carrey
Hugo Cabret Kinostart: 09. Februar 2012 Filmkritik lesen
Gefährten - War HorseKinostart: 16. Februar 2012 Filmkritik lesen
Für immer LiebeKinostart: 09. Februar 2012 Trailer ansehen
Gollum (oder auch King Kong) ist durch die Einbindung in ein realistisches Set-Up ein Musterbeispiel für sinnfälligen MC-Einsatz. Die Technik selbst hat auch durchaus ihre Berechtigung (auch wenn sie im Prinzip eine Fortsetzung von Rotoscope ist in gewisser Hinsicht - was auch immer umstritten war), es trägt nur nicht einen ganzen Film, schon gar nicht, wen nur versucht wird, Reales abzubilden statt eigene Welten/Kreaturen zu entwerfen.
Gruß Missy
Meiner Meinung hätte die Kritik etwas umfangreicher sein können. Und dass man sich dauernd an dieser "hässlichen" technischen Umsetzung des Ganzen aufhängt, stößt mir ebenfalls sauer auf. Aber das ist ja auch nur Geschmacksache.
Gruß, Moritz.
Obendrein bekomme ich Kopfschmerzen von dieser grauenhaften 3D-Grafik.