Die größte Übernahme in der Geschichte des Disney-Konzerns ist über die Bühne gegangen - für sagenhafte 52,4 Milliarden Dollar. Damit gehören dem Unternehmen nun auch weite Teile der Film- und Fernsehsparte von 21st Century Fox.

Disney besitzt nun auch Avatar und Alien

Bereits Anfang November wurde bekannt, dass der geradezu im Shopping-Rausch befindliche Disney-Konzern in Verhandlungen für den Kauf der Film- und Fernsehsparten des Medienkonzerns 21st Century Fox steckt. Dann kam überraschend Comcast als Mitbewerber an Bord. Dieser zog sich allerdings nach kurzer Zeit wieder zurück und der Deal konnte nun unter Dach und Fach gebracht werden - für satte 52,4 Milliarden Dollar in Aktienanteilen. Damit erwirbt der ohnehin mit Pixar, Marvel Studios, Lucasfilm und eigenen Franchises enorm starke Medienkonzern Disney nun auch das volle Film- und Fernsehpaket von Medienmogul Rupert Murdochs 21st Century Fox (unter anderem 20th Century Fox, Fox Television sowie deren internationale Niederlassungen und Tochterunternehmen wie Fox 2000 Pictures oder Fox Searchlight Pictures) sowie einzelne Sparten wie National Geographic und FX Networks and Productions. In anderen Worten: Disney besitzt nun knapp 30 Prozent der amerikanischen Filmindustrie.

Der Plan des Verkaufs war es, das Portfolio von 21st Century Fox zu entschlacken und sich ganz auf die Bereiche Broadcast Network mit Fokus auf die Nachrichtenkanäle und Fox Sports zu konzentrieren.

Was bedeutet das für den Streaming-Markt?

In erster Linie bedeutet das einen wahrscheinlichen Rückzug sämtlicher Disney-eigenen Filme und TV-Produktionen aus allen bisherigen Streaming-Angeboten wie Netflix und Amazon Prime. Da Disney vorhat, ab 2019 einen eigenen Streaming-Dienst anzubieten, werden künftig alle Produktionen von Marvel Studios, Marvel TV, 20th Century Fox, Pixar, Lucasfilm und weiterer Sub-Unternehmen dann nur noch über den Disney-eigenen Dienst bereitgestellt. Bitter ist das vor allem für Netflix. Der momentane Primus hatte 2012 einen Deal mit Disney ausgehandelt, um exklusive Disney-Inhalte ins Angebot aufzunehmen.

Des Weiteren ist Disney dank des Gigantendeals mit 60 Prozent der Quasi-Eigentümer des Videoportals Hulu. Ursprünglich teilten sich Disney, Fox und Comcast Anteile zu je 30 Prozent, während Time Warner einen zehnprozentigen Anteil hält. Damit hat Disney erstens einen Mitbewerber ausgeschaltet und zweitens Rückendeckung auf dem Weg zur Streaming-Spitze.

Was bedeutet das für mögliche Crossover-Filme?

Für Film- und Fernsehfans könnte eine goldene Zeit anbrechen. Oder der Anfang vom Ende. Wichtig ist: Mit der Einverleibung von 20th Century Fox ist Disney im Besitz der Fox-Rechte an Fantastic Four und X-Men, die das Unternehmen 1993 von Marvel erwarb. Damit kann Marvel Studios endlich ohne Beschränkungen Avengers und X-Men sowie Fantastic Four gemeinsam auf die Leinwand bringen, ohne Deals eingehen zu müssen und irgendwelchen Mutanten ihrer Herkunft zu berauben. Zudem könnte Disney, wenn sie denn lustig sind, querbeet und bunt Avatar, Aliens, Avengers in Crossover-Filmen verheizen. Oder Lisa Simpson zu einer Disney-Prinzessin machen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Zudem ist Disney nun endlich auch im Besitz der Rechte an Star Wars: Episode IV - Eine neue Hoffnung a.k.a. Krieg der Sterne.

Nie mehr Stinkefinger in Deadpool?

Im Umkehrschluss könnte es aber auch bedeuten, dass der gerade erst von 20th Century Fox beschrittene Pfad erwachsener Comicverfilmungen durch die familienfreundliche Politik Disneys wieder beendet wird, ehe er richtig angefangen hat. Deadpool 3, ade? Robert Iger, CEO von Disney ließ zwar bereits verstehen, dass es "eine Möglichkeit" gebe, dass auch unter Disney R-Rated-Marvel-Filme geben könne, das klingt nun aber so gar nicht nach einer Zusage. Dafür versicherte er, dass die X-Men und Fantastic Four in den Schoß von Marvel Studios zurückkehren werden. "Wir haben die Möglichkeit, ikonische Reihen mit Marvel und Star Wars für neue Generationen an Fans zu erweitern. Wir freuen uns zudem darauf, X-Men, Fantastic Four und Deadpool in das Marvel Cinematic Universe einzubinden."

Es bleibt fraglich, wie der konservativ agierende und lieber Sequels produzierende Disney-Konzern sich das für Experimente bekannte 20th Century Fox zurechtstutzen wird.