„Disconnect“, das ist nicht nur der Titel dieses bemerkenswerten Films, sondern funktioniert in Anbetracht der Geschichte auf mehreren Ebenen. Trennen oder abkoppeln, das ist heute leichter denn je, wobei man Gefahr läuft, sich in der virtuellen Welt der sozialen Netzwerke zu verlieren und eine Barriere zu den Menschen aufzubauen, die einen im wahren Leben umgeben. Aber nicht nur das, der Film spielt auch mit der Frage, ob man überhaupt weiß, welche Gefahren lauern, wenn man „connected“ ist, wenn man das Internet mit all seinen Möglichkeiten nutzt, wenn man – ganz simpel gesagt – einfach Pech hat.

Derek (Alexander Skarsgard) und Cindy Hull (Paula Patton) werden das Opfer von Identitätsdiebstahl – plötzlich stehen sie ohne Geld da. Der Verdacht fällt auf einen Mann, mit dem Cindy viel gechattet hat. Mit ihm konnte sie nach dem Verlust ihres Babys reden, während ihr Mann sich immer mehr von ihr zurückzog.

Disconnect - Opfer des Internet

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Cyber-Mobbing: "Disconnect" thematisiert die Gefahren des Internet.
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Ben Boyd (Jonah Bobo) ist ein einsamer Junge. Er ist ein Außenseiter ohne Freunde, der die Musik liebt. Jason (Colin Ford) und Frye (Aviad Bernstein) beschließen, ihn zu demütigen. Sie kontaktieren ihn über ein soziales Netzwerk unter dem Namen Jessica Rhony und bringen ihn sogar dazu, ihnen ein Nacktbild von sich zu schicken. Das geht dann in der Schule um, was Ben dazu bringt, sich umbringen zu wollen.

Nina Dunham (Andrea Riseborough) ist eine Fernsehreporterin, die den jungen Mann Kyle (Max Thieriot) kennen lernt. Er ist Teil eines Live-Webcam-Rings, in dem Teenager für Geld ihre Dienste anbieten. Nina berichtet über Kyle und will ihm helfen, doch dann schaltet sich das FBI ein und die Reporterin befindet sich in einer Zwickmühle.

Lehrstück für Netzbürger

„Disconnect“ ist im Stil von Filmen wie „Amores Perros“ oder „Traffic“ gehalten. Er erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern gleich mehrere, die parallel verlaufen, aber nicht zwangsläufig Berührungspunkte haben. Es gibt sie, diese Momente, in denen ein Leben mit dem anderen verwoben wird, aber nur zu oft ist es eine kurze Begegnung, die ohne weitere Konsequenzen bleibt.

Packshot zu DisconnectDisconnect

Es kann jedoch auch Konsequenzen geben, besonders dann, wenn man sich nicht vor Augen führt, wo die Gefahren lauern. Ein jeder ist mittlerweile ein Netzbürger, aber dass man in dieser neuen Umgebung, dieser neuen Form der Gesellschaft, auch zum Opfer werden kann, wollen sich nur die wenigsten vor Augen führen. „Disconnect“ ist dabei kein Film, der predigt. Er zeigt vielmehr exemplarisch an drei Geschichten, wie es laufen kann.

Bemerkenswerter, eindringlicher, bewusst langsam erzählter Film, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Sehenswert!Fazit lesen

Andrew Sterns Skript ist ein filigranes Stück Erzählkino, das von Henry Alex Rubin mit dem nötigen Feingefühl umgesetzt wurde. Der Film ist langsam erzählt, aber keine Minute langweilig. Stattdessen erlaubt er es, tief in die Leben dieser Menschen einzutauchen. Man erlebt nicht nur die Internet-Verbrechen mit, sondern sieht die Auswirkungen, die sie auf die Opfer und die ihnen nahestehenden Menschen haben.

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Viele Handlungsstränge, komplexes Thema.
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Unmerklich, aber spürbar

„Disconnect“ lässt sich Zeit und nutzt diese, um zu zeigen, wie perfide diese Verbrechen sind. Man kann zum Opfer eines solchen werden, ohne es überhaupt zu merken. Erst, wenn die Konsequenzen zum Tragen kommen, wird klar, wie immens der unsichtbare Angriff eigentlich ist.

Eine der Stärken des Films ist sein Wille, nicht auf ein hollywoodtypisches Happy-End zuzulaufen. Der Film verlässt die Figuren, wenn noch längst nicht alles aufgelöst ist. Er imitiert hier das echte Leben, in denen Geschichten auch nur selten sauber nach Anfang, Mittelteil und Ende strukturiert sind. Nur zu oft bleibt etwas ungesagt und unerklärt, einen Abschluss kann man sich allenfalls wünschen.

Das transportiert „Disconnect“ sehr gut, mag dadurch für den einen oder anderen aber auch frustrierend werden. Wie die stärksten Filme dieser Erzählgattung weiß aber auch „Disconnect“ genau, wann es Zeit wird, den Vorhang fallen zu lassen. Filme wie diese benötigen die aktive Teilnahme des Zuschauers. Er muss sich nicht nur in die Figuren einfühlen können, sondern auch gewillt sein, mit offenen Fragen herauszugehen bzw. über diese selbst nachzudenken. Es sind Vignetten verschiedener Leben, die man hier geboten bekommt.

Starkes Ensemble

Rubin konnte für seinen Film ein namhaftes Ensemble versammeln. Einer der Vorteile, wenn man einen Film mit episodischer Struktur gestaltet. Die Mimen sind durch die Bank exzellent, besondere Erwähnung verdient jedoch Jason Bateman, der häufig farblos agiert, als sorgender, aber von seinem Sohn entfremdeter Vater aber schauspielerische Muskeln spielen lässt.

Seine Kollegen sind nicht minder überzeugend. Obschon sich hier viele bekannte Gesichter tummeln, hat man nie das Gefühl, Stars bei der Arbeit zuzusehen. Die Mimen verschwinden hinter ihren Rollen.