Fast möchte man Robert De Niro mal in den Arm nehmen. „Ist schon gut, Mann, deine Klassiker werden ewig Bestand haben.“ Auch wenn ungefähr seit „Heat“ vorwiegend Aussitzen angesagt ist. Und nun „Dirty Grandpa“ ansteht, vielleicht der schlimmste Film, den der Mann je gemacht hat. Jawohl, inklusive „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“.

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Würdelos. Witzlos.

Es ist ja weithin bekannt, dass De Niro Geldsorgen plagen und sein Tribeca-Filmfestival durch viele B-Rollen über Wasser gehalten wird, doch „Dirty Grandpa“ grenzt an Demontage. An pure Verzweiflung, an unfähige Agenten und an komplette Wurschtigkeit. Auf der einen Seite thronen zum Beispiel „Wie ein wilder Stier“ „Good Fellas“ oder „Der Pate 2“, und auf der anderen Seite dann, exakt im 180-Grad-Winkel, müffelt diese bodenlose Jauchegrube. Die in ihrer völligen Würdelosigkeit nur noch unterboten werden könnte, wenn De Niro 2017 beim „Dschungelcamp“ mitmachen würde.

Nein, wirklich, es ist zum Heulen. Wenn „Daddy's Home“, noch so seine aktuelle US-Komödie, auf einmal wie humoreskes Gold erscheint, muss man knietief in spermaverkrusteten Gülle-Lachern stecken. Einer der Running Gags des Films dreht sich zum Beispiel darum, dass De Niro seinen Finger oder diverse Gegenstände in Zac Efrons Po steckt. Und ein anderer Gag lässt Efron mit einem Tanga und einem Hakenkreuz auf der Stirn am Strand aufwachen. Ein kleiner Junge kommt an und möchte mit der auf den Tanga gebundenen Stoffbiene spielen. Aus der Ferne sieht das dann so aus, als würde der Steppke den hoffentlich ersten Oralsex seines Lebens erleben.

Dirty Grandpa - Finger im Po, De Niro

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Was dann kommt, ist der Nadir des guten Geschmacks.
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Worst Grandpa

Vor knapp zwei Jahren erfreute uns „Bad Grandpa“, ein durchaus charmanter „Jackass“-Spin-Off, der aber bitte nicht als Vorlage für „Dirty Grandpa“ verstanden werden soll. Letzerer Film ist tatsächlich eine originäre Konstruktion, ersonnen von John Phillips, der mal wieder den „high concept“-Gaul zweier völlig unterschiedlicher Typen auf einem Road Trip aus der Scheune holt. De Niro spielt einen Witwer, der's nochmal richtig krachen lassen möchte, und Efron gibt seinen braven Enkel, der kurz vor der Heirat steht und nun auf einmal im Spring-Break-Taumel an der Crackpfeife zieht.

Zwei gegensätzliche Charaktere also, deren Schauspieler ebenfalls gegen den erwarteten Strich spielen. De Niro würde man eher nicht mit hemmungslosem Hobeln in Verbindung bringen wollen und Efron ist, siehe „Bad Neighbors“, mehr auf derbe Jocks abonniert. Alles neu also bei „Dirty Grandpa“, und gleichzeitig so unfassbar platt, dass selbst Latzhosenträgern in Iowa der Schenkelklopfer einfriert. Beide Hauptfiguren sind völlig falsche, überzüchtete Comicfiguren, die nicht eine echte Faser im Körper tragen. Bestens dazu passend wird Efrons Verlobte natürlich als hysterische Spießerkuh gezeichnet. Alles was hier passiert, wurde mit der Heißklebepistole auf die Mainstream-Autobahn geschweißt.

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Nackt im Wind. Next up: Schwanzvergleich.
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Will heißen: Witz heißt hier ficken, scheißen, Sperma, Eier, Pimmel, kotzen und saufen. Regisseur Dan Mazer, zuvor Produzent diverser Sacha-Baron-Cohen-Filme, klatscht zerlaberten Endlos-Banter in eine platte Sitcom-Inszenierung ohne jede Dynamik. Und wenn dann allen Ernstes die obligatorische Gefühlsduselei einsetzt, die von diesen miesen Arschloch-Charakteren auf einmal Sympathie und Verständnis einfordert, ist der Ofen endgültig aus. Weil's einfach nicht mehr dümmer geht. Weil „Dirty Grandpa“ alles repräsentiert, was amerikanischen Mainstream anno 2016 so furchtbar macht. Und weil hier mal wieder eine „Komödie“ beworben wird, die als glatter Betrug am zahlenden Kinogänger zu werten ist. Anzahl der versuchten Witze (inklusive Fäkalsprache): ungefähr 200. Anzahl der gelungenen Witze: exakt 0.