Irgendwie ist es passend, dass in einem Film, in dem eine Schauspielerin auf ihre eigene Vergangenheit zurückblickt – und mehr noch auf ein Werk, das sie groß gemacht, und einen Filmemacher, der sie verstanden hat – eine Schauspielerin die Hauptrolle spielt, die mit dem Regisseur schon einmal zuvor gearbeitet hat, auch wenn er damals „nur“ der Autor war. Für Juliette Binoche und Olivier Assayas war dies „Rendez-vous“, mit dem beide am Anfang ihrer Karriere standen.

Die Wolken von Sils Maria - Deutscher Trailer #1Ein weiteres Video

Über all die Jahre hatten sie das Gefühl, dass sie noch einmal zusammenarbeiten müssten, dass es ein Projekt gab, das auf sie wartete, dass es eine Art verlorenen Film gab, der hätte entstehen müssen, der aber im Nirvana des Möglichen verschwunden ist. Mit „Die Wolken von Sils Maria“ trafen sich beide, um diese Sehnsucht nach einem gemeinsamen Projekt Wirklichkeit werden zu lassen. Das Ergebnis ist ein bemerkenswerter Film, der sich mehr über das interpretative als über das narrative Verständnis erschließt.

Die Wolken von Sils Maria - Twilight-Fans werden schlucken – Kristen Stewart in einem Kunstfilm

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Der Film läuft ab dem 18.12.2014 in den deutschen Kinos.
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Die renommierte Schauspielerin Maria Enders (Juliette Binoche) soll in der Schweiz einen Preis für ihren alten Freund und Mentor Wilhelm Melchior entgegen nehmen. Vor mehr als 20 Jahren hat sie in seinem Stück „The Maloja Snake“ mitgespielt und dann auch die Hauptrolle in der Verfilmung übernommen. Damals war sie Sigrid, eine junge Frau, die in einem großen Unternehmen anfing und dort die Aufmerksamkeit der deutlich älteren Chefin Helena auf sich zog. Eine Liebesbeziehung entwickelte sich, die für Helena tragisch enden musste.

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Auf dem Weg zu der Preisverleihung erfährt Maria, die von ihrer Assistentin Val (Kristen Stewart) begleitet wird, dass Wilhelm verstorben ist. Am selben Tag bietet ihr der Regisseur Klaus (Lars Eidinger) an, dass sie in einer Neuauflage des Bühnenstücks nun die Rolle der Helena spielen könnte. Zuerst ist Maria unwillig, aber dann entscheidet sie sich doch für diese Herausforderung – und hadert damit, da das Leben immer mehr die Kunst imitiert, die das Leben imitierte.

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Marie Enders (Juliette Binoche) und ihre Assistentin (Kristin Stewart).
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Vielschichtig

„Die Wolken von Sils Maria“ ist ein sehr schöner, manchmal kontemplativer, dann wieder sehr direkter Film, der auf vielen Ebenen funktioniert. Er erzählt nicht nur die Geschichte einer Frau, die in zwei Rollen „hineingealtert“ ist, sondern auch die Geschichte dieses Stücks und die Spiegelung durch die Realität. Zwar gibt es zwischen Maria und Val keine Liebesbeziehung, aber gerade dadurch, dass sie die Texte des Stücks miteinander proben, werden sie auch immer mehr in die Rollen dieser beiden fiktiven Frauen gedrängt.

Olivier Assayas spielt mit der Idee, dass Leben die Kunst imitieren kann. Mehr noch, dass die Kunst das Leben imitiert und daraus eine Art Perpetuum Mobile wird, das nie einen Anfang und schon gar kein Ende hat.

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Wie Theater

Dass es um ein Theaterstück geht, das zu einem Film wird, der erneut ins Theater führt, ist mehr als passend, denn „Die Wolken von Sils Maria“ hätte tatsächlich auch auf der Bühne hervorragend funktioniert, auch wenn man dort das Wolkenphänomen des Maloja-Passes, das in diesem Film sehr ausführlich geschildert wird, nicht hätte imitieren können. Das Brodelnde in den Figuren, der Konflikt zwischen den drei Handlungsträgerinnerin – mit Chloe Grace Moretz kommt noch eine Figur hinzu, die die junge Sigrid auf der Bühne spielen soll – wird mit feiner Hand herausgearbeitet.

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Großes Kino; aber nichts für die breite Masse.
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Vielleicht könnte man Assayas vorwerfen, dass er hier nicht alles Potenzial ausschöpft, aber er hat sich für eine in sich ruhende Erzählweise entschieden, die – das muss man auch sagen – eben funktioniert.

Eine Hommage

Amüsant ist, dass der Film auch durchaus aus seiner eigenen Wohlfühlzone ausbricht. Er präsentiert Moretz‘ Figur Jo-Ann Ellis als eine aufstrebende Jungschauspielerin, also im Grunde genau das, was Moretz ist, nur total überzeichnet. Moretz im Lindsay-Lohan-Modus, wenn man so will.

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Darüber hinaus wird ein Ausschnitt aus dem Blockbuster gezeigt, mit dem Jo-Ann Ellis ihren großen Erfolg hatte, ein Sci-Fi-Superhelden-Film nicht unähnlich den „X-Men“-Filmen. Das wird eher lächerlich dargeboten, bildet aber auch den Auslöser eines Diskurses, mit dem die Entfremdung von Maria und Val beginnt, ist somit also immens wichtig.