Nur eine Frage der Zeit war es wohl, bis jemand Daniel Kehlmanns Erfolgsroman (Schrägstrich Exportschlager, Schrägstrich Schullektüre) „Die Vermessung der Welt“ in die Kinos bringen würde. Ausgerechnet der für norddeutsche Gemütlichkeit und herben Witz bekannte „Rubbeldiekatz“-Regisseur Detlev Buck hat sich nun an einer Umsetzung des Buches versucht. Und das auch noch in 3-D.

Tierchen zum Anfassen

Die dreidimensionalen Bilder sind dann auch ganz wunderhübsch anzuschauen. Mit visuellem Geschick ordnet Buck die Elemente unaufdringlich im Vordergrund an, wählt stets Einstellungsgrößen für den maximalen Effekt. Da wird das Kino zur Theaterbühne, auf der die Figuren und Gegenstände in greifbare Nähe rücken. Dazu ein Schmetterling hier, eine Raupe dort – immer wieder gibt es entzückende 3-D-Tiere zu bestaunen.

So viel zu den halbwegs positiven Eindrücken, die diese Vermessung der Welt während ihrer zwei Stunden andauernden Unerträglichkeit, den vielleicht längsten zwei Stunden dieses Kinoherbsts, im tief nach unten hängenden Kopf hinterlässt. Der Rest ist eine Totgeburt von Film, ein unerklärliches, sprach- und fassungslos machendes Film-Etwas, Zelluloid-Ding, Fördergelder-Trash-Gebräu, das einen hinter der 3-D-Brille vor Schamesröte die Augen aushöhlt.

Die Vermessung der Welt - Die Vermessung der Langeweile

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"Die Vermessung der Welt" basiert auf dem Bestseller von Daniel Kehlmann.
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Wie auch das Buch begleitet der Film episodisch die mal faktenorientierten, mal ausgedachten Lebenswege von Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß (Florian David Fitz) und dem naturwissenschaftlichen Wunderkind Alexander von Humboldt (Albrecht Abraham Schuch). Von der entdeckungsfreudigen Kindheit bis zum greisen Gemurmel bebildern Kehlmann und Buck, die gemeinsam das Drehbuch schrieben, die ironisch überhöhten Werdegänge zweier Koryphäen.

Auf der Suche nach Bedeutung

Ohne Ausrichtung, Ziel, Sinngehalt, im Wesentlichen ohne alles, stampfen Gauß und Humboldt in Parallelhandlungen durch steife Kulissen und hergerichtete Locations von einem Fragezeichenmoment zum nächsten. Zwischendrin schneidet der Film auf Frösche oder Ameisen, haut eine stilistisch zusammenhanglose Animationssequenz ins Geschehen und dreht auf der Suche nach Bedeutung auch mal das Bild über Kopf. Buck-typische Titten und Ärsche sowie ein nerviger auktorialer Erzähler vervollständigen den Albtraum.

Die Vermessung der Welt - Die Vermessung der Langeweile

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Die meiste Zeit über ist der Film arschlangweilig.
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„Die Vermessung der Welt“ findet nie ihren Ton, unbeholfen schwankt Buck zwischen Komik und Drama, zwischen absurder Überhöhung Deutscher Klassik und tiefsinniger Rekonstruktion historischer Zusammenhänge. Dick gepinselte Emotionen gehen in zotige Albernheiten über und umgekehrt, sinnlose Karikaturen (Max Giermann spielt einen Militärmann, Michael Maertens den Herzog von Braunschweig) rücken den Film zeitweilig gar in die Nähe der totalen Klamotte.

Unerträgliche und planlose Verfilmung eines deutschen Weltbestsellers, die ebenso grauenhaft gespielt wie arschlangweilig ist.Fazit lesen

Detlev Buck hat seine Schauspieltruppe schließlich zu keiner Zeit im Griff. Insbesondere Albrecht Abraham Schuch näselt sich hölzern durch plumpe kausale Wissenschaftserkenntnisse, während Giermann den Film zeitweilig in eine History-Ausgabe von „Switch Reloaded“ verwandelt und David Kross talentfrei wie eh und je durchs Bild stolpert. Ein Bauerntheater der allerschlimmsten Sorte, das Freunden der Vorlage besser erspart geblieben wäre.