Es bestand zu befürchten, dass die Aufteilung eines Buches auf zwei Filme wie bei den Abschlussgeschichten von „Twilight“ und „Harry Potter“ für jede Menge Leerlauf sorgen würde, aber die deutlich größer aufgezogene Geschichte von „Die Tribute von Panem – Mockingjay Teil 1“ profitiert davon. Da es nun nicht mehr nur um den Kampf in einer isolierten Arena geht, sondern Bürgerkrieg und Freiheitskampf bevorstehen, wirkt das Ganze weit epischer.

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Zudem hebt sich der Film wohltuend von seinen Vorgängern ab, deren zweiter Teil praktisch nur der Aufguss des Originals war. Im Grunde hätte man auch ihn auch ganz verzichten und gleich zum dritten Teil weiterziehen können.

Katniss und Finnick wurden aus der Arena gerettet. Plutarch hat sie zum Distrikt 13 gebracht, von dem es immer hieß, er sei vernichtet worden. Aber tatsächlich haben sich die Bewohner von Distrikt 13 in den Untergrund zurückgezogen – und geplant. Präsidentin Coin benötigte aber immer eine Gallionsfigur, hinter der sich die Distrikte vereinen lassen, um so gemeinsam gegen das ansonsten zu starke Kapitol vorzugehen.

Die Tribute von Panem 3 - Mockingjay Teil 1 - Die Hungerspiele sind vorbei, die Rebellion hat begonnen

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Der Film startet bei uns am 20.11.2014 in den Kinos.
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Diese Gallionsfigur ist der Mockingjay – Katniss Everdeen. Aber die hadert zuerst damit, zum Aushängeschild der Rebellion zu werden. Auch und gerade, weil Peeta nicht gerettet werden und vom Kapitol nun für Propagandazwecke eingesetzt wird. Doch ohne Katniss geht es nicht. Sie muss die Rebellion anführen, sie muss es sein, die den Distrikten einen Stimme und ein Gesicht gibt.

Mittendrin ist Schluss

Anders als bei den direkten Vorgängern gibt es hier natürlich kein wie auch immer geartetes Ende. Die Geschichte bricht vielmehr einfach mittendrin ab, auch wenn ein Moment der Ruhe vor dem Sturm gewählt wird, der durchaus zu gefallen weiß.

In seiner Beschreibung einer dystopischen Welt orientiert sich der Film analog zum Buch an zahlreichen Vorbildern. Wirklich neu oder frisch wirkt an diesem Film eigentlich nichts, er nutzt – das aber geschickt – Versatzstücke bekannter Dystopien. Der Kampf von Arm gegen Reich, von Freiheitswillen gegen Unterdrückung, von Sklave gegen Herr wird nach allen Regeln der Kunst exerziert. Man kann einige der Plotpoints nicht nur erahnen, man weiß, was kommt. Aber der Weg ist das Ziel, die Umsetzung von Francis Lawrence lässt keine Wünsche offen.

Die Tribute von Panem 3 - Mockingjay Teil 1 - Die Hungerspiele sind vorbei, die Rebellion hat begonnen

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Die Revolution hat begonnen!
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Hier gibt es Action in ausreichendem Maße, ständig garniert mit einer gehörigen Portion Pathos, die gerade Freiheitskämpfern sehr gut zu Gesicht steht.

Die Kunst der Propaganda

Interessant ist, dass sich der Film nicht nur auf den aktiven Kampf der Rebellen gegen das Kapitol konzentriert, er zeigt auch, wie in jedem Konflikt ein ebensolch erbitterter Kampf um die Köpfe und Herzen der Menschen geführt wird. Oder anders gesagt: Wie groß die Macht der Propaganda ist.

Über weite Strecken im Film sind die emotional packendsten Szenen tatsächlich nicht die, in denen gekämpft wird, sondern in denen sowohl Katniss als auch Peeta zu Propaganda- Zwecken eingesetzt werden. Der Film erlaubt sich hier einen satirischen Kommentar auf diese Art der modernen Kriegsführung, bei der man den Bildern, aber auch ihren Vermittlern nicht mehr trauen darf.

Besonders Philip Seymour Hoffman brilliert hier, da sich seine Figur als Virtuoso des Spiels mit der Meinungsbildung erweist. Dabei ist auch Jennifer Lawrence gefragt: Sie hat in einer Szene die schwierige Aufgabe, so zu tun, als wäre ihre Figur eine schlechte Schauspielerin. Sie ist wie schon zuvor das emotionale Zentrum des Films, in ihren Augen spielt sich alles ab, was man über Katniss wissen muss. Es ist das Spiel von Jennifer Lawrence, das diesen Film, wie auch schon die Vorgänger, über typische Young-Adult-Romanverfilmungen erhebt. Ihre Ko-Stars Liam Hemsworth und Josh Hutcherson bleiben im Vergleich etwas arg farblos.