Man nehme Twilight, subtrahiere glitzernde Vampire, halbnackte Werwölfe, eine ewig leidende Protagonistin und addiere Spannung, Medien, Gesellschaftskritik, Politik und Science-Fiction. Heraus kommt der Jugendbucherfolg „Die Tribute von Panem“. Nach der enorm erfolgreichen Verfilmung des ersten Bandes „Tödliche Spiele / The Hunger Games“ übernimmt nun die Fortsetzung „Catching Fire“ weltweit die Kinosäle.

Die Tribute von Panem 2: Catching Fire - Finaler Trailer4 weitere Videos

Katniss Everdeen, Peeta Mellark und Gale Hawthorne sind die neuen Stars in den Jugendzimmern dieser Welt. Doch lasst euch nicht täuschen: Hier geht es nicht um schmachtende Liebschaften oder kitschiges pubertäres Geplärre, sondern um politische, medien- und gesellschaftskritische Themen, spannend und recht greifbar für junge Erwachsene verpackt. Was schon im ersten Teil begann, wird im zweiten fortgesetzt und sogar noch vertieft.

Die Tribute von Panem 2: Catching Fire - Wir haben Feuer gefangen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 47/501/50
Katniss und Peeta müssen zurück in die Arena.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Gefährliche Liebe

Katniss (Oscarpreisträgerin Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) haben die grausamen Hungerspiele überlebt. Das TV-Ereignis, das jedes Jahr vom Kapitol veranstaltet wird und 24 Jugendliche aus Panems zwölf Distrikten im Kampf um Leben und Tod gegeneinander antreten lässt – spektakulär und grausam inszeniert für eine breite Masse. Während die oberflächlichen Bewohner des Kapitols dieses Ereignis jedes Jahr feiern, zittern die Menschen in den Distrikten um das Überleben ihrer Kinder. Normalerweise schafft es nur eine Person lebend aus der Arena, doch durch einen gewieften Coup sicherte Katniss sich selbst und ihrer (gespielten) Liebelei Peeta die Existenz.

Packshot zu Die Tribute von Panem 2: Catching FireDie Tribute von Panem 2: Catching Fire

Präsident Snow (Donald Sutherland), erbarmungsloses Oberhaupt über das Land Panem, hat diesen Schachzug nicht vergessen und befürchtet dadurch eine Revolution im Land. Denn wenn jemand im Fernsehen dem Kapitol auf der Nase rumtanzt, können andere das auch – dieser Funken könnte überschlagen. Er droht Katniss, die rührselige Geschichte um das verliebte Traumpaar aufrecht zu erhalten, um die Anfänge der Aufstände im Keim zu ersticken – oder Katniss verliert alles, was ihr lieb und teuer ist. Das wären nicht nur ihre Mutter und ihre Schwester Prim, sondern auch ihr bester Freund Gale (Liam Hemsworth), für den sie inzwischen mehr empfindet – und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Doch Katniss versagt, die Aufstände nehmen Überhand und der Spotttölpel wird zum Symbol einer aufsteigenden Revolution im Land. Als Sieger der Hungerspiele fühlen sich Katniss, Peeta und ihr Mentor Haymitch Abernathy (Woody Harrelson) unverwundbar, lebenslang versorgt mit Nahrung und einem schicken Dach über dem Kopf – und treten den brutalen Friedenswächtern mit diesem Selbstverständnis auch gegenüber. Ein Dorn im Auge von Präsident Snow, der kurzerhand entscheidet: Die 75. Hungerspiele werden etwas ganz Besonderes.

Dieser Funke ist definitiv übergesprungen!Fazit lesen

Denn wie alle 25 Jahre findet ein Jubel-Jubiläum statt – und das ruft nach einer gesteigerten Grausamkeit der Hungerspiele: Dieses Mal werden die Teilnehmer aus den bisherigen, noch lebenden Siegern ausgelost. Ihr könnt es euch denken: Katniss und Peeta müssen zurück in die Arena. Und diesmal stehen sie starken Gegnern gegenüber, denn sie alle haben die Hungerspiele bereits überlebt…

Die Tribute von Panem 2: Catching Fire - Wir haben Feuer gefangen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 47/501/50
Philip Seymour Hoffman ergänzt das hochkarätige Ensemble.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Hochkarätiges Schauspielerensemble

Hier werden natürlich auch wieder neue Lieblingscharaktere eingeführt, wie der charismatische Mädchenschwarm Finnick Odair (Sam Claflin), die kecke Johanna Mason (Jena Malone) und das Technikgenie Beetee (Jeffrey Wright). Als neuer Spielleiter steht diesmal Plutarch Heavensbee (starbesetzt mit Philip Seymour Hoffman) den Tributen gegenüber. Aber auch die alten Stars sind wieder mit von der Partie: Elizabeth Banks als die extravagante Effie Trinket, Lenny Kravitz als der besonnene Stylist Cinna und Stanley Tucci als der exzentrische Moderator Caesar Flickerman.

Das Schauspielensemble glänzt, wie schon im letzten Film, durch die grandiose Leistung jedes einzelnen. Vor allem Elizabeth Banks, Stanley Tucci und Woody Harrelson liefern eine außergewöhnliche Performance ab, hauchen ihren Figuren in jeder Szene ihren spezifischen Charakter ein und bleiben über den Film hinaus in den Köpfen der Fans hängen.

Allen voran natürlich Jennifer Lawrence, die als weibliche und kämpferische Protagonistin ein schweres Los gezogen hat, aber, wie auch im ersten Teil, ihr oscarprämiertes schauspielerisches Können erneut beweist und Katniss‘ Emotionen bis in die Tiefen ihrer Augen durchlebt. Dadurch bleibt Katniss eine sympathische Hauptfigur, der man die Stärke und das gewisse Selbstbewusstsein, zugleich aber auch die Hilflosigkeit und den Schmerz, den sie durchlebt, stets abnimmt. Aber nicht nur dadurch lohnt sich der Film.

Gelungene Buchumsetzung

Regisseur Francis Lawrence („Wasser für die Elefanten“, „I Am Legend“ – und nicht verwandt mit Jennifer Lawrence!) inszeniert „Catching Fire“ von der ersten bis zur letzten Minute als spannendes Fantasy-Drama, dessen politischen, sowie medienkritischen Aspekte zwar immer noch an der Oberfläche kratzen, aber schon stärker in den Vordergrund rücken als im ersten Teil. Denn die Revolution naht und Präsident Snow ist sich dessen bewusst. Deswegen versucht er alles, um diese zu verhindern, aber eben so, dass die Bevölkerung diesem perfiden Plan nicht auf die Schliche kommt. Nicht er soll der Buhmann sein, sondern das Symbol der Revolution – der Spotttölpel verkörpert von Katniss – selbst.

Diese Punkte sind sehr interessant und liefern auch einen erweiterten Blick hinter die Kulissen. Da der Roman von Autorin Suzanne Collins aus der Egoperspektive verfasst wurde, bekommt man im Buch nur wenige Informationen darüber, wie die Spiele hinter den Kulissen ablaufen und welche Gedanken Snow genau verfolgt (zumindest kann er diese nur gegenüber Katniss oder anderen, die Katniss davon berichten, aussprechen, damit man davon erfährt). Francis Lawrence öffnet so jedoch eine weitere Ebene, wie es Regisseur Gary Ross auch schon im ersten Teil tat.

So offenbart der Präsident nicht nur den Sinn der unbarmherzigen Gladiatorenkämpfe in der Arena, sondern führt auch gedanklich fort, wie die Inszenierung einzelner Aspekte dieser großangelegten Show die Bevölkerung von den wirklich wichtigen Problemen Panems ablenkt – und wie selbst ein Gefühl wie Angst inszeniert werden kann. Bewusst nutzt er die Medien und die Ideen des als Berater fungierenden Spielmachers, der für die Hungerspiele Regisseur und Gott zugleich darstellt.

Die Tribute von Panem 2: Catching Fire - Wir haben Feuer gefangen

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 47/501/50
Ménage-à-trois: Für Peeta gibt es diesmal Konkurrenz.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Dabei bleibt Lawrence, wie auch schon Ross, unfassbar nah am Original, sodass Buch und Film beinahe eine 1:1-Kopie darstellen. Weder Harry Potter noch Twilight haben das in dieser Form geschafft. Natürlich wurden einige Szenen zugunsten der Altersfreigabe ab 12 Jahren entschärft, aber dennoch bleibt die Brutalität und Grausamkeit (vor allem auch zwischen den Zeilen) erhalten – schon allein wenn Caesar Flickerman freudestrahlend und unter tosendem Applaus die Totgeweihten in seiner (für uns) makaberen Show begrüßt.