Schwer zu glauben, aber: Der erste Schlümpfe-Kinofilm von Sony Pictures Animation gehörte zu den zehn international erfolgreichsten Produktionen des Jahres 2011. Rund 565 Millionen US-Dollar spielte das Gemisch aus Real- und Animationsfilm allein in den weltweiten Kinos ein, obwohl es mit den Wurzeln der blauen Quälgeister kaum mehr das Geringste zu tun hatte. Nun legt das Studio eine Fortsetzung nach, Teil 3 befindet sich bereits in Vorbereitung.

Von New York nach Paris

Das Sequel, spartanisch mit „Die Schlümpfe 2“ betitelt, greift die Prämisse des Vorgängers auf und verlagert die Abenteuer der kleinen Helden von Schlumpfhausen in die Großstadt. Also vom sagenumwobenen „Verwunschenen Land“ in unsere ganz gewöhnliche Welt. Das (als Spielort ohnehin maßlos überstrapazierte) New York des ersten Films weicht jetzt Paris, Stadt der Liebe und der Lichter. Und der Schlümpfe, die sich ein ums andere Mal gegen die nunmehr ganz irdischen Bedrohungen von Gargamel behaupten müssen.

In der französischen Metropole verdient sich der böse Zauberer (wieder gespielt von Simpsons-Urgestein Hank Azaria) mittlerweile als Show-Magier, dessen selbstredend spektakuläre Tricks ihn sogar die Pariser Oper erobern ließen. Hinter der Bühne indes tüftelt Gargamel längst an einem neuen Plan, seinen so verhassten Schlümpfen den Garaus zu machen. Mit Lümmeln, eigens erschaffenen Schlumpf-ähnlichen Wesen, will er die blauen Männlein unterwandern und schließlich beherrschen.

Dazu braucht es einzig noch die sogenannte Schlumpf-Essenz, mittels der auch bereits Gargamels Schöpfung Schlumpfine zu einem friedvollen Bewohner im Pilzdorf reifte. Weil ihr das Geheimnis der Essenz anvertraut wurde, muss Gargamel sie entführen, bezirzen und so schließlich an die Formel gelangen. Papa Schlumpf reist mit Clumsy, Muffi und Beauty nach Paris, um sie auf den Fängen des Zauberers zu befreien – und nicht nur Schlumpfhausen, sondern auch gleich die ganze Welt zu retten.

Wie schon im Vorgänger also beschränken sich die Handlungsabschnitte im eigentlichen Schlumpfenland auf ein Minimum (zu Anfang und zu Ende), wie schon dort öffnen die Schlümpfe abermals ein Portal in unsere Welt. Und erneut tritt lediglich eine kleine Auswahl von ihnen gegen Gargamel und Kater Azrael an, mit abermals tatkräftiger Unterstützung von HIMYM-Star Neil Patrick Harris und Jayma Mays („Glee“). Never change a winning team, a winning concept oder eine schon im ersten Film überflüssige Idee.

La-la la-la-la-la, la la-la la-la: Marginal besser als der Vorgänger, aber Peyo würde sich noch immer im Grabe umdrehen.Fazit lesen

Zumindest geographisch liegt das neue Abenteuer näher an den kulturellen Wurzeln der Comicbücher des belgischen Zeichners Peyo, die im vollständig durchamerikanisierten Vorgänger bestenfalls zu erahnen waren. Auch auf den eigentlich recht derben, oft anzüglichen Witz des Originals verweist „Die Schlümpfe 2“ anders als der erste Teil wenigstens leidlich, vorrangig natürlich über einige Wortspiele, die jüngeren Zuschauern verborgen bleiben dürften.

Die Schlümpfe 2 - Schlumpf und weg

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Verschlumpft: HIMYM-Star Neil Patrick Harris.
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Versöhnungs- und Familienkitsch

Der Rest aber ist ähnlich gezwungen auf Family-Entertainment gebürstet wie schon im Versuch von 2011, das ursprünglich Mehrdeutige der Vorlage gegen ausschließlich kinderfreundliches Vergnügen einzutauschen. Harmloser Klamauk, zuvorderst niedlicher Humor und erneut reichlich moralinsaurer Versöhnungs- und Familienkitsch bestimmen das nicht gerade aufregende, schon gar nicht sonderlich bunte Treiben der Schlümpfe. Denen das Schräg-Absonderliche weitgehend ausgetrieben wurde.

Sie taumeln wiederholt durch eine Mischung aus Live-Action-Comedy und (technisch okayem) Animationsspäßchen, bekommen etwas gegen den Kopf oder fallen irgendwo herunter. Wenn einer von ihnen sogar Facebook-Witze reißt, ist der Ofen eigentlich komplett aus. In der Originalfassung sind dabei immerhin die Stimmen von Christina Ricci, Katy Perry oder Anton Yelchin zu hören, hierzulande muss man mit Christiane Paul und Michael Kessler Vorlieb nehmen. Naja.

Packshot zu Die Schlümpfe 2Die Schlümpfe 2

Wenn sich der Film dann mal nicht mit sanft-turbulenten Actionanimationen – Gargamel, der vom Eifelturm bis zur Kathedrale Notre-Dame geschleudert wird, oder ein merklich mit Bedacht durch die Stadt rollendes Riesenrad – begnügt, dann unterhält er die Kleinen ausdauernd über wertvolle Lebenslektionen: „Man wächst über sich hinaus, wenn man geliebt wird. Und man verkümmert, wenn diese Liebe versiegt.“ Das muss auch Neil Patrick Harris sich zu Herzen nehmen, als die Aussöhnung mit Stiefvater Brendan Gleeson droht.

Die Schlümpfe 2 - Schlumpf und weg

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Gargamel führt wie immer nichts Gutes im Schilde.
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Das ist Dank des Schauplatzwechsels und ein, zwei hübschen Animationen (u.a. das Pop-up-Buch) geringfügig erträglicher als der quälend öde Vorgänger und vielleicht auch weniger leb- und lieblos als dieser. Peyo-Grabschändung aber bleibt Peyo-Grabschändung, und wirklichen Charme versprühen diese in unsere triste Welt katapultierten CGI-Schlümpfe nach wie vor nicht. Eine weitere Fortsetzung ist trotzdem angekündigt: „Die Schlümpfe 3“ wird den Jahresertrag von Sony Pictures Animation auch 2015 sichern müssen.