Sie sind zurzeit das Thema Nummer 1 in den USA: die Präsidentschaftswahlen. Dabei geht es wie üblich alles andere als fair und zudem unglaublich kostenintensiv zu. Milliarden von Dollar werden für Wahlkampagnen ausgegeben, zweifelhafte Werbespots gedreht und schmutzige Geschichten des Gegners aufgedeckt. Ein wunderbarer Stoff für einen Film.

Das politische Schlachtfeld wurde in Filmen zwar schon häufig thematisiert (vor einem Jahr noch in „The Ides of March“ von und mit George Clooney), aber die tiefsten Abgründe sind noch lange nicht erreicht.

Und neuer Stoff wird von den echten Politikern ja immer wieder nachgeliefert. So ließ sich auch die Komödie „Die Qual der Wahl“ von solchen realen Gegebenheiten inspirieren.

Der Kampf um die Krone

Zwar geht es hier nicht um eine Präsidentschaftswahl, sondern „bloß“ um den Kampf des Abgeordnetensitzes eines kleinen Wahlbezirks, aber die Mittel, mit denen gekämpft wird, sind ebenso unerbittlich – und wer das meiste Geld hat, gewinnt. Das wissen auch die reichen Motch Brothers (eine Anspielung an die Koch Brothers).

Topaktuell und traurigerweise realer, als man vielleicht meint: Diese Parodie nimmt den Wahlkampfwahn der USA locker-flockig auf die Schippe.Fazit lesen

Als sich Top-Kandidat Cam Brady (Will Ferrell) einen schwerwiegenden Fehler vor der Wahl leistet, wittern sie die Chance auf einen erfolgreichen Gegenkandidaten. Der könnte ihnen dabei helfen, schmutzige Geschäfte im eigenen Land durchzuführen.

Die Qual der Wahl - Jede Stimme zählt

alle Bilderstrecken
Der Wahlkampf ist einer mit harten Bandagen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4

Optimal für diesen Posten erscheint ihnen der naive Marty Huggins (Zach Galifianakis), Leiter des örtlichen Touristenbüros. Um seinen Vater (ein Politiker im Ruhestand) endlich stolz zu machen, willigt er prompt ein – und weiß in dem Moment noch gar nicht, was ihn erwartet.

Packshot zu Die Qual der WahlDie Qual der Wahl kaufen: ab 2,96€

Denn fortan wird sein Leben auf den Kopf gestellt: Die zwei kleinen Mopshunde aus dem Ursprungsland China werden ersetzt durch zwei große amerikanische Hunde. Es werden Jagdtrophäen, Gemälde von prachtvollen Adlern und Gewehre in Martys Haus gehängt. Und nicht nur sein Haus, sondern auch seine ganze Familie und er selbst bekommen einen neuen Anstrich.

Hinzu kommen clevere Werbekampagnen, Coachings und prunkvolle öffentliche Auftritte – alles finanziert von den Motch Brothers. Dadurch ist Marty Huggins schon bald kein lächerlicher Versuch eines Kandidaten mehr, sondern ein ernstzunehmender Gegner. Und das gefällt Cam Brady ganz und gar nicht…

Die Qual der Wahl - Jede Stimme zählt

alle Bilderstrecken
Auch wenn daheim alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4

Weswegen der Spitzenkandidat schnell die Krallen ausfährt. Doch das klappt leider nicht wie geplant und er bringt sich damit selbst nur immer tiefer in die Misere. Diese Momente machen den Großteil des Humors im Film aus. So gibt es beispielsweise einen Wettlauf um das klassische Politiker-küsst-Baby-Foto, der in einer wilden Rangelei endet – mit einem schwungvollen Faustschlag in das Gesicht des Babys.

Und prompt ist ein weiterer Skandal geboren. Solche fatalen Fauxpas werden natürlich direkt von allen möglichen Medien aufgegriffen und in sämtlichen amerikanischen Sendungen diskutiert – ganz egal ob Nachrichtenformat, Polit-Talk oder Comedy-Show. Es wird aus jedem kleinen Fehltritt eine große Nummer gemacht. Natürlich nicht nur in den Medien, sondern auch während des Wahlkampfes. Denn jeder Patzer des Konkurrenten wird zum Anlass für einen Gegenschlag genommen.

Keine Fehler erlaubt

Wenn allerdings kein Fehler gemacht wird, werden diese gesucht oder inszeniert. Und dies wird in einer Komödie, die von Will Ferrell produziert wurde, natürlich maßlos auf die Spitze getrieben. Der Gegner trägt einen üppigen Schnäuzer?

Angehörige der al-Qaida tragen auch einen. Also muss er wohl ein Terrorist sein. Und beim Thema Terrorismus verstehen Amis natürlich gar keinen Spaß. Ebenso wenig, wenn jemand schlecht über Religion redet oder nicht an Jesus glaubt. Da kommt es natürlich gar nicht gut, wenn ein Kandidat das Vaterunser nicht beherrscht.

Komödie mit realen Bezügen

Auch werden alte Jugendsünden ausgegraben: Bilder, die ein Politiker als Kind gemalt hat, Fotos von ehemaligen Schülerbands… Und natürlich werden auch wahre Begebenheiten auf die Schippe genommen, zum Beispiel der Skandal um den demokratischen Abgeordneten Anthony Weiner, der als „Weiner tweets his wiener“ in die Schlagzeilen geriet, als er aus Versehen ein anzügliches Foto bei Twitter veröffentlichte.

Da ist es geradezu passend, dass Regisseur und Produzent Jay Roach nach eigener Aussage süchtig nach Politikberichten ist und sich mit dem Thema und all den Skandalen, die während einer Wahlperiode aufkommen, bestens auskennt.

Die Qual der Wahl - Jede Stimme zählt

alle Bilderstrecken
Gute Figur machen muss man auf jeden Fall.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 1/41/4

Vermutlich wird diese Komödie deswegen umso mehr auf dem amerikanischen Markt einschlagen. Denn manche Anspielungen wird man hierzulande kaum oder gar nicht verstehen (außer man ist Hobby- oder berufsbedingter Wahlbeobachter der US-Wahlen). Natürlich werden nur die pikantesten Patzer in deutsche Medien getragen. Daher könnte der Film an manchen Stellen ein wenig aufgesetzt wirken. Doch laut einer amerikanischen Kollegin sei „Die Qual der Wahl“ keineswegs übertrieben.

Viele der parodierten Szenen seien genauso oder ähnlich bei Wahlen in Amerika vorgekommen. Und die Kritik der finanziellen Macht bei Wahlkämpfen, die den gesamten Film durchzieht, ist im Angesicht der Obama-Romney-Wahl absolut aktuell und heiß diskutiert.

Damit einhergehend reißt Jay Roach auch eine leise Gesellschaftskritik an, bei der nämlich nicht nur die Finanzmächte, die Politiker und deren intrigante Methoden vorgeführt werden, sondern auch die Medien, die sich auf jeden kleinen Fauxpas stürzen, ihn bis zum Erbrechen durchkauen und ins Unermessliche überspitzen. Ebenso werden auch die Wähler parodiert, die auf jeglichen noch so lächerlichen Zug aufspringen, bei den hanebüchensten Behauptungen aufschreien und sich wie ein Fähnchen im Wind drehen – sogar noch am Tag der Wahl, wenn die fiesesten Manöver aufgefahren werden.