Es soll ja Menschen geben, die mit dem Kino-Franchise „Die Tribute von Panem“ nicht viel anzufangen wissen. Und denen nach „Catching Fire“ eine Filmparodie des Teen-Überlebenstrips vielleicht gerade recht kommt. Das Buch- und Kinophänomen um Katniss Everdeen und die Hungerspiele gewitzt aufs Korn zu nehmen, dürfte so schwer ja nun auch nicht sein. Möchte man jedenfalls meinen.

Die Pute von Panem - The Starving Games - Exklusiver Clip: "Kantmiss macht kurzen Fruchtsalat"2 weitere Videos

Random-Referenzen

Solcherlei Überlegungen verflüchtigen sich natürlich schnell, wenn die Verantwortlichen hinter diesem Projekt, das Parodie bestenfalls in Anführungszeichen genannt werden darf, Jason Friedberg und Aaron Seltzer heißen. Deren Produzenten-, Regie- und Drehbuchkarriere zählt zweifellos zu den großen Mysterien Hollywoods. Niemand hat je um sie, ihre Filme oder das gemeinsame, sagenhaft umfangreiche Gag-Repertoire gebeten. Sie sind einfach da.

Die Pute von Panem - The Starving Games - Neues vom Anti-Spaßkommando

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23
Can’t miss the shot: Kantmiss Evershot (Maiara Walsh). LOL
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Und sie werden wohl auch noch eine Weile bleiben, gilt es zu befürchten. Seit ihrem Durchbruch, wenn man es denn so nennen will, als zwei der sechs (!) Autoren von „Scary Movie“ haben Friedberg und Seltzer die US-amerikanische Tradition der Spoof-Komödie in den letzten 15 Jahren besonders engagiert fortgesetzt. Man könnte angesichts ihres alljährlichen Outputs an Parodien sogar von einem Monopol sprechen, so es eigentlich kaum (noch) nennenswerte Konkurrenz gibt.

Packshot zu Die Pute von Panem - The Starving GamesDie Pute von Panem - The Starving Games kaufen: ab 5,93€

Ob diese freiwillig die Segel gestrichen haben oder schlicht vor dem phänomenalen Handwerk der beiden Persiflage-Quälgeister kapitulieren mussten, wird die Filmgeschichte noch klären. Bis dahin heißt es erst einmal, das ehrwürdige Gesamtwerk von Friedberg und Seltzer allein auf seine Titel herunter zu brechen: „Date Movie“, „Fantastic Movie“, „Meine Frau, die Spartaner und ich“, „Disaster Movie“, „Beilight – Bis(s) zum Abendbrot“. Und jetzt natürlich (hihi) „Die Pute von Panem – The Starving Games“.

Die Pute von Panem - The Starving Games - Neues vom Anti-Spaßkommando

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23
Achtung, lustig: Alles ein bisschen schlechter als im Vorbild machen, dann ergibt sich der Spaß schon von allein. Zufallstreffer zählen auch!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Plot ist, da haben es nicht gekonnte Parodien ja immer sehr einfach, bequem dem ersten „Hunger Games“-Film entlehnt. Kantmiss Evershot (Maiara Walsh) – ein besonders findiges Namensspiel – meldet sich freiwillig für die Starving Games und muss gemeinsam mit Peter Malarkey (Coda Christian) – englisches Wortspiel, die zweite – ums nackte Überleben kämpfen. Der daheim gebliebene Freund Dale (Brant Daugherty) kocht jedoch vor Eifersucht, als die beiden eine Liebesbeziehung inszenieren sollen.

Es folgt eine willkürliche, mutmaßlich improvisierte Gagparade durch die jüngere Kino- und Popkultur-Vergangenheit (denn würde man das vorher in Drehbuchform gießen, müsste man ja komödiantische Arbeit verrichten, oder mindestens merken, dass man eigentlich keine Idee von irgendwas hat). Die Random-Referenzen reichen von „Avatar“ und „The Avengers“ bis zu Psy und Taylor Swift, von Angry Birds und Fruit Ninja bis zu Starbucks und Facebook. Auf dass vielleicht sogar mal ein Zufallstreffer dabei sein möge!

Die Pute von Panem - The Starving Games - Neues vom Anti-Spaßkommando

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23
Ein Avatar-Gag! Heute mal ganz verrückt! ROFL, die trauen sich was.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neues vom Anti-Spaßkommando

Und tatsächlich: Ein oder zwei Mal läuft der neueste Friedberg- und Seltzer-Spaß sogar wirklich Gefahr, annähernd vergnüglich zu sein. Zum Beispiel, wenn Präsident Snowballs (Diedrich Bader in einer partiell amüsanten Verulkung des im Originalfilm ja wahrlich skandalös unterbeschäftigten Donald Sutherland) sich in einem Präsentationsvideo vorstellt. Und darin als Inspiration für seine Survival-Show „Running Man“ und „Battle Royale“ nennt, bekanntlich die besseren Alternativen zu „The Hunger Games“.

Doch selbst das sind vergleichsweise müde Versuche, dem Bezugsmaterial mittels eines tatsächlich parodistischen, weil beißenden und irgendwie entlarvenden Humors auf die Pelle zu rücken. Zahlreiche Internetparodien legten die debilen Eigenheiten des Vorbildes schließlich schon zu genüge offen, genannten seien etwa der 'Honest-Trailer' oder die herrliche Replik der 'Sesamstraße'. Da braucht es also ein wenig mehr, ein wenig sehr viel mehr.

Bitte gehen Sie beruhigt weiter. Hier gibt es nichts zu sehen. Und erst recht nichts zu lachen.Fazit lesen

Und so versäumen Friedberg und Seltzer es abermals, die (theoretisch zahlreichen) Angriffspunkte der zu verulkenden Vorlage auch tatsächlich zu nutzen. Sich eben nicht nur mit willkürlich-plumpen Filmzitaten zu begnügen, die schon allein deshalb Gags sein sollen, einfach weil es eben Filmzitate sind. Sondern stattdessen die parodistischen Attacken gegen „The Hunger Games“ auch in halbwegs geistreiche, mindestens jedoch witzige Treffer zu verwandeln.

Die Pute von Panem - The Starving Games - Neues vom Anti-Spaßkommando

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 19/231/23
Coda Christians Peter ist hier tatsächlich besser als sein Vorbild aus „The Hunger Games“. Keine Leistung zwar, aber dennoch bemerkenswert.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch weder persifliert der Film etwa den recht banalen dystopischen Entwurf in „The Hunger Games“ und „Catching Fire“ noch die gedankenlose Ästhetik eines totalitären Systems. Weder belustigt er sich gezielt über die stets verdächtig aufgetakelten („queeren“) Bösewichte des Kapitols noch verspottet er die gezielten (fragwürdigen) Sympathieangebote, mit denen uns der erste Teil erklären wollte, welcher der armen Spielteilnehmer denn nun vielleicht sogar berechtigt sterben müsse.

Nein, diese 83 Minuten wollen einzig mit Kalauern gefüllt werden, wie sie Friedberg und Seltzer ihrem Publikum nun schon seit geschlagenen 15 Jahren auftischen. Und damit eine Kinotradition der Filmparodie fortsetzen, die mit „Abbott and Costello“ begann, mit Mel Brooks und ZAZ (Zucker, Abrahams, Zucker) ihren Höhepunkt erlebte – und nun in den Händen eines zwar wirtschaftlich rentablen, aber grauenhaft unkomischen Anti-Spaßkommandos zugrunde geht.