Der große Favorit in diesem Jahr ist natürlich „The Revenant“ mit zwölf Nominierungen. Das deutet im Grunde schon auf einen Durchmarsch hin. Nur selten ist es vorgekommen, dass ein Film viele Nominierungen erhalten hat, dann aber ignoriert wurde. Zumal „The Revenant“ bei der Mehrheit der Kritiker und des Publikums gut angekommen ist, auch wenn ich persönlich nicht so begeistert gewesen bin.

Der beste Film

Die Wettbewerber: "The Big Short", "Bridge of Spies", "Brooklyn", "Mad Max: Fury Road", "The Martian", "The Revenant", "Room", "Spotlight".

Die Auswahl der Nominierten wirkt in diesem Jahr nicht so aufregend, dafür ist die Bandbreite der gebotenen Filme allerdings sehr hoch. „The Big Short“ ist eine clevere Komödie über die Finanzkrise, die das Fiasko aus einem neuen Blickwinkel angeht. Der Film brilliert, weil er ein Drama mit den Mitteln des Humors erzählt. Noch dazu ist er edel besetzt. Keine Frage, der Film hätte eine Auszeichnung verdient, ich halte ihn aber für einen Außenseiter, und das nicht nur weil der Favorit „The Revenant“ mit einem solchen Hype daherkommt.

Mit „Bridge of Spies“ ist ein Steven-Spielberg-Film nominiert. Der Thriller mit Tom Hanks ist gediegenes Spannungskino für ein älteres Publikum und damit natürlich auch auf einer Wellenlänge mit den älteren Teilen der Academy. Dennoch wird es hier nicht zu mehr als der Nominierung reichen, weil der Film als solcher zu gewöhnlich ist. Das gilt in diesem Jahr für einige der Nominierten. Sie sind gut, frei von Makel, aber das gewisse Etwas fehlt. Kurz gesagt: Man hat ein Gefühl der Repetition. Immerhin gilt das für „Brooklyn“ nicht. Das ist eine kleine, sehr intime Liebesgeschichte über eine von Saoirse Ronan gespielte Auswandererin, die in den 1950er Jahren in den USA ein neues Leben beginnen will. Schön, aber im Bombast der Konkurrenz geht ein solch kleiner, leiser Film im Grunde immer unter.

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Hat der Film von Alejandro González Iñárritu die Nase vorn?!
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Leise und klein, das sind Attribute, die man „Mad Max: Fury Road“ wirklich nicht unterstellen würde. Der Film ist in der Nominierten-Liste tatsächlich auch ein Außenseiter, denn einerseits ist er Genre, was von der Academy gerne ignoriert wird, andererseits ist er ein Action-Bolide. Genau das hat ihn aber in das Feld der Nominierten gehievt, denn „Mad Max: Fury Road“ ist die pure Definition dessen, was Kino ausmacht: Bewegung. Einen solch schnellen, solch brachialen Film hat man schon ewig nicht mehr gesehen – vielleicht sogar noch nie.

Bemerkenswert ist natürlich, dass das alles fast ohne Computereinsatz einherging, was George Miller hier an Action bietet, hätte den Oscar verdient. Es wäre auch eine progressive Entscheidung, die Statue an diesen Film zu vergeben, aber ob die Mehrheit der Adcademy-Mitglieder derart fortschrittlich ist? Irgendwie muss man das bezweifeln.

The Martian“ erhielt einen Golden Globe als beste Komödie. Ja, eine irre Kategorie, auf die dieser Film gar nicht passt. Er ist gute Science Fiction, mit Betonung auf Science. Er erinnert aber auch an „Gravity“. Ihn zu nominieren, ist Ehrung genug, den Oscar wird dieser Film keinesfalls erhalten.

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Ridley Scotts Film "Der Marsianer" hat wohl eher keine Chancen auf einen Sieg.
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„Room“ ist ein Drama, das eine freie Adaption des Fritzl-Falls aus Österreich ist. Herausgekommen ist ein intensives, kleines Drama, das bei Independent-Festivals durchaus seine Chancen hätte, hier aber von den anderen ausgestochen wird. Einige Nominierungen hat „Spotlight“ erhalten, der in der Tradition klassischer Journalisten-Filme steht. Auch hier steht die schreibende Zunft im Vordergrund und deckt einen unglaublichen Skandal auf: Hundertfachen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester in Boston. Das Schreckliche daran: Dieser Film ist keine Fiktion, er adaptiert wahre Ereignisse. Das macht er gut, bleibt dabei aber auch sehr kühl. Das mag dem Thema geschuldet sein, verhindert aber die emotionale Involvierung. Technisch allerdings hervorragend gemacht.

Der Favorit ist aber ganz klar „The Revenant“, der – wie ich finde – vor allem in einer Kategorie den Oscar verdient hat: die Kamera. Der Film selbst würde, wenn er denn ausgezeichnet wird, dafür belohnt, dass man mit echtem Licht vor echter Kulisse und unter mehr oder minder widrigen Umständen gedreht hat („mehr oder minder“, weil Interviews mit Beteiligten auch ein anderes Bild zeichnen). Die Bilder sind stark, die Schauspieler sind es auch, alleine das mag ausreichen.

Mein persönlicher Favorit: „Mad Max: Fury Road“

Mein erwarteter Gewinner: „The Revenant“

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