Insgesamt bin ich schon ganz zufrieden damit, in der heutigen Zeit zu leben. Hätte ich zum Beispiel in den zwanziger Jahren gearbeitet, hätte ich statt Kinofilmen wahrscheinlich die neueste Marke Bartwichse rezensieren müssen. Schade daran, dass ich nicht in der Pomaden-Ära lebe, ist: Ich habe nie das Varieté auf seinem Höhepunkt erleben dürfen. Wo eine Nummer die nächste jagt, wo Emcees, Grand Dames, Komiker und anderes skurriles Volk einen bunten Abend bestreiten und sich Kunststücke, große Gesangsnummern und bestes Entertainment die Klinke in die Hand geben.
Für Kinder zu selbstironisch, für Muffel zu albern - doch große Unterhaltung, vor allem für alte Fans.FazitWer in meiner fernsehbelasteten Generation aufwuchs, hatte im Mainstream so ziemlich genau ein Ensemble von Künstlern, das diese Tradition aufrechterhielt. Dass diese Künstler aus Filz bestanden und keine Beine hatten, war uns herzlich egal, wir sahen den Muppets trotzdem immer wieder gerne zu und fragten uns insgeheim, ob große Gaststars wie Vincent Price oder Harry Belafonte überhaupt nötig sind.
Natürlich konnte sich das Revue-Format nicht ewig halten und spätestens beim Sprung auf die große Leinwand war es damit aus. Waren die ersten Muppetfilme noch typische Roadmovies oder Underdog-Geschichten in der großen Stadt, folgten einige Adaptionen bekannter Stoffe wie Stevensons Schatzinsel oder Dickens' Weihnachtsgeschichte - sogar eine halbgare Alienstory musste erzählt werden.
Applaus, Applaus, Applaus... Die Muppets sind zurück.Dann war zwölf Jahre Ruhe, zumindest im Kino. Die sich mittlerweile im Besitz von Disney befindlichen Püppchen schafften in der Zeit natürlich den Sprung auf DVD und ins Internet und sind auf den relevanten Fernsehkanälen nach wie vor zu sehen. Doch eine neue, zeitgemäße Geschichte war fällig und sie ist, keine Überraschung, gleichzeitig ein nostalgischer Rückblick und eine wilde Reise voller Schmunzler geworden.
Bevor ich den Plot zusammenfasse, möchte ich etwas klarstellen: Er klingt so klischeebeladen und an den Haaren herbeigezogen, dass man glauben könnte, ich wolle die Leser veräppeln. Das ist nicht der Fall und auch der Film selbst hat mit seiner Story mehr vor, als dröge Stereotype zu bedienen, also bleibt bitte am Ball.
Die Handlung geht so: Die Muppets existieren nur noch als Erinnerung und Kermit, ehemaliger Leiter der Truppe, hat beschlossen, ihr geliebtes Theater zu verkaufen, damit es zu einem Muppets-Museum umgestaltet werden kann. Doch bei einem Besuch entdecken die Muppet-Fans Gary (Jason Segel) und Walter (selbst eine Puppe), dass der Käufer, der Geldsack Tex Richman (Chris Cooper), das Theater abreißen will, um darunter nach Öl zu bohren. Tatsächlich gibt es nur eine Möglichkeit, das abzuwenden – eine Show muss her, um in drei Tagen 10 Millionen Dollar zu machen. Zusammen mit Garys Liebchen Mary (Amy Adams) machen sich Gary, Walter und Kermit auf, die alte Truppe zusammenzutrommeln.
Das Muppet-Theater soll verkauft werden. Das schreit nach einem Plan: Wir bringen die Band wieder zusammen!Und, alle noch da? Es kann bei dieser Überdosis von ewig überbenutzten Plotelementen und Namen wie "Tex Richman" schon verdammt schwierig sein, die Augen vor lauter Rollen noch im Schädel zu behalten. Nicht nur kommt diese Storyline schon alleine im Muppet-Universum gefühlte zwölf mal vor, wir haben seit den Achtzigern auch einmal zu oft erlebt, dass mittels eines Wettbewerbs oder eines großen Events ein für die Gefühlswelt der Helden wichtiger Ort gerettet werden soll, zum Beispiel ein Jugendclub, ein Sportresort oder eben eine Schaubühne.
Aber genau hier ist der Haken: Der Film meint seine Story nicht ernst. Er meint so ziemlich gar nichts ernst. Von der ersten Minute an stolpert der Zuschauer durch spontane Tanzeinlagen mit mehreren hundert Statisten und suburbaner Reihenhaus-Idylle, wird dann von den Gags mit Tempo 360 überrollt und beobachtet durch die Augen des Neuankömmlings Walter, wie seine alten Helden sich mit voller Hingabe in die altbekannte Geisteskrankheit tanzen, singen und blödeln. Wie doof und abgelatscht der ursprüngliche Handlungsansatz immer gewesen sein mag, als Sprungbrett für Songs von Dr. Teeth & The Electric Mayhem oder die herrlich schlechten Kalauer eines Fozzie Bär taugt er allemal.
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Aber bei diesem Film freue ich mich schon auf die DVD bzw. werde ich bis dahin wohl auch endlich BluRays ansehen können.^^
"Ein Frosch ohne Humor ist nur ein kleiner grüner Haufen!"