Es gibt Filme, die einen mit ihrem eigenwilligen Charme derart verzaubern, dass es schwer fällt, passende Worte für diese Wirkung zu finden. Auch die Anime des weltweit bekannten, japanischen Studio Ghibli faszinieren immer wieder Jung und Alt. Hierzulande findet nun ein weiteres Meisterwerk des Studios den Weg auf die Kinoleinwand: "Die Legende der Prinzessin Kaguya" ist die Verfilmung von „Taketori Monogatari“, die wohl älteste japanische Volkssage, die schon zuvor zahlreich adaptiert und neuinterpretiert wurde.

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In Japan ist die Geschichte mitunter einer der bekanntesten Erzählungen, die vielfach auch als Inspirationsquelle in der Popkultur dient. Sie beginnt mit einem Waldbesuch eines alten Bambussammlers, der während seiner täglichen Holzsuchwanderungen auf einen leuchtenden Bambusstamm aufmerksam wird. Als er den Stamm vorsichtig aufschneidet, findet er darin ein winzig kleines Mädchen, das wie eine Prinzessin gekleidet ist. Kaum bringt er das Mädchen zu sich und seiner Frau nach Hause, verwandelt es sich plötzlich in ein Baby. Das Paar wundert sich zunächst, sieht jedoch seinem Wunsch nach eigenen Kindern endlich erfüllt und beschließt, das Mädchen fortan großzuziehen.

Die Legende der Prinzessin Kaguya - Studio Ghibli schenkt uns ein lebendiges Märchenbuch

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Der Film erscheint bei uns ab dem 20.11.2014 im Kino.
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Mit 137 Minuten ist Die Legende von Prinzessin Kaguya wohl der längste Ghibli-Film und gehört eher zur ruhigen Sorte, da er sich mit der episodenhaften Erzählung der einzelnen Lebensabschnitte Kaguyas viel Zeit nimmt. Sie selbst wächst schneller heran als ein normales Kind und so kommt es, dass sie schon bald zu einer schönen, jungen Frau heranreift. Als dann der alte Bambussammler einen weiteren leuchtenden Bambusbaum und darin tausende Goldstücke findet, nimmt das Leben der kleinen Familie eine Wendung.

Ein Leitfaden im Sinne eines klar definierten Ziels, auf das sich die Handlung in vielen anderen Filmen hinarbeitet, gibt es nicht. Stattdessen widmen sich die gezeigten Lebensabschnitte verschiedenen Problemen, mit denen sich Kaguya bei ihrer Selbstfindung und während des Reifeprozess konfrontiert sieht. Dabei fällt vor allem der sehr minimalistisch anmutende Zeichenstil auf, der sich jedoch perfekt mit den durchaus aufwendig animierten Szenen vereinen lässt.

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Die interessante Optik des Anime erinnert an traditionelle japanische Malereien.
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Statt kräftige Farben wie bei den meisten Ghibli-Werken zu verwenden, greift der Film überwiegend auf weiche Aquarell- und Pastelltöne zurück. Auch verzichtet er auf detailliert gezeichnete Hintergründe und übermäßige CGI-Effekte. Die Figuren und die Umgebung kommen mit spärlichen Strichen aus, während die Farbgebung oftmals von großzügigen Weißflächen geprägt ist. Doch gerade in der minimalistisch anmutenden Präsentation liegt das Detail. Gerade die klare, dynamische Linienführung und die wechselhaften Animationen verleihen den Gesichtsausdrücken und Körperbewegungen der Figuren eine charmante Natürlichkeit, die den Reiz des Filmes hauptsächlich ausmacht.

Neben den ruhigen Szenen gibt es aber auch einige wenige, umso auffälligere temporeiche Momente, in denen die schnellen „Kamerafahrten“ gekonnt durch Bleistift- und Kreide-artige Schraffuren inszeniert werden und somit eine schöne Tiefenwirkung erzielen. Anderweitige visuelle Effekte - wie eine Spiegelung am Boden, Schattenwürfe oder fallende Blätter - bilden durch den zurückhaltenden Einsatz keinen allzu starken Kontrast zum optischen Rest und fügen sich in die gesamte skizzenhafte Bildkomposition ein.

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Kaguya ist kein normales Mädchen und das ist ihr auch durchaus bewusst.
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Ebenso minimalistisch und doch bedacht verhält sich die Anwendung der Hintergrundmusik, die nur in ganz bestimmten Momenten zum Einsatz kommt und so atmosphärisch ihr Übriges tut. Seine lyrische Herkunft merkt man dem Anime innerhalb der Dialoge deutlich an, die teils von sich steigerndem Pathos geprägt sind, was man besonders in den Szenen merkt, wenn die adeligen Rivalen um die Gunst der zur Prinzessin gewordenen Kaguya buhlen und versuchen, ihre Schönheit in Worte zu fassen.

Obwohl der Film wegen der vermittelten Idylle und Naturnähe zum Entspannen einlädt, ist die Geschichte der Kaguya durchgehend von tragischen Tönen geprägt. Es ist zum einen die Andersartigkeit Kaguyas gegenüber den normalen Menschen, die nicht nur dem Mädchen, sondern auch anderen Personen im Umfeld auffällt, sowie die Verfremdung ihres ursprünglichen, sorgenfreien Lebens, bevor Kaguyas Ziehvater durch den plötzlichen Reichtum die Familie zum Adelstand erhob und nun des Mädchens Zukunft gegen ihren Willen plant.

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Bis zum Schluss gelingt es dem Film, eine intensive Melancholie zu erzeugen und er schafft es, Kenner der Legende trotz des bekannten Ausgangs emotional abzuholen. Wer schon immer Gefallen an der traditionellen, handgezeichneten Animationskunst hatte, sollte sich dieses Exemplar unbedingt anschauen. Für manch einen Ghibli-Fan wird es womöglich nicht an die alten Klassiker herankommen, doch ist die visuell eindrucksvolle Inszenierung des Films unbestritten.