Die Frage nach den Gründen für diese Entwicklung ist nicht nur mindestens so spannend wie viele der erwähnten Filme, sondern auch außerordentlich komplex. Es gibt keinen großen, bestimmenden Faktor, sondern vielmehr ein ganzes Bündel unterschiedlicher Einflüsse, die auf folgende Stichworte komprimiert werden können:
Folterorgien wie "Art of the Devil" aus Thailand treiben den Blutzoll auf die Spitze.Klassische Horrorfiguren können keinen Schrecken mehr verbreiten. Die moderne Bedrohung muss näher an den Zuschauer heran, bis die Darstellung von Schmerzen das Bewusstsein für den eigenen Körper erreicht hat. Das vorherrschende Angstbild der Gegenwart ist kein abstraktes Ungetüm, sondern der Mensch selber.
Filme reagieren immer auf die sie umgebende Welt, was die schon angesprochene Verbindung zu den siebziger Jahren noch einmal unterstreicht. War es damals der Vietnam-Krieg, der die Ordnung der Gesellschaft erschütterte, sind es heute die allgegenwärtige Terror-Gefahr und der über Nachrichten verbreitete Folter-„Alltag“ namens Irak oder Guantanamo. Die daraus resultierenden Ängste finden auch Eingang in Drehbücher, die dann wiederum in fertiger Filmform als Ventil für die Zuschauer dienen. Der düstere, geradezu deprimierende Ton vieler „torture porn“ Werke spiegelt die Kälte der globalen Stimmung wieder, was einen Film wie „Scream“ heutzutage kaum noch möglich macht. Eine Satire eines Genres kann nur dann landen, wenn sie auf zufriedene Zuschauer trifft.
Ebenfalls ein ultra-grimmiger Franzose: Frontiers von Xavier Gens.Die Rezeption und Akzeptanz von Gewalt sind ständigen Veränderungen unterworfen und bewegen sich dabei generell in eine tolerante Richtung. Was früher absolut „shocking“ war, geht heute als Tagesprogramm durch und was heute absolut „shocking“ ist, wird für künftige Generationen ebenfalls normal erscheinen. Zwar gibt es auch gegenläufige Bestrebungen, wie z.B. die rührenden Zensur-Aktivitäten der FSK, doch spätestens auf der „think big“ Ebene war das ja eigentlich nie anders. Wesentlich wichtiger erscheint da die zunehmende Vernetzung der Welt, bedingt z.B. durch die Europäische Union oder natürlich das Internet, die regionale Kürzungen mal eben aushebelt und generell die Menschen offener werden läßt – was sich wiederum natürlich positiv auf das Toleranz-Level auswirkt.
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