Die Gier nach Gewalt – Special

Faszination des Horrors: Von Folterpornos und Blutexzessen

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von Martin Beck, 07. Februar 2009 13:22 Uhr

Woher und wohin

Wie bereit erwähnt, ist als Auslöser der „torture porn“ Welle der erste „Saw“ zu beschuldigen. Die wahren Wurzeln allerdings reichen bis in die siebziger Jahre, als z.B. mit „The Texas Chainsaw Massacre“, „The Hills Have Eyes“ oder „The Last House On The Left“ eine bedrückende, ungemütliche Härte die Leinwände erobern konnte. Dieser Mut zur Negierung vertrauter Unterhaltung erlebt in den letzten Jahren eine deutliche Renaissance, die nicht nur an den zahlreichen Remakes der Klassiker festzumachen ist, sondern sich auch in der Präsentation der Filme zeigt.

Screenshot zu: Faszination des Horrors: Von Folterpornos und BlutexzessenGilt als Ikone des Terrorfilms: Das erste Kettensägenmassaker von Tobe Hooper.

Die schmuddeligen Grindhouse-Stätten von einst sind heute schnieke Multiplex-Tempel, die oftmals rudimentären Mittel filmischer Gestaltung strahlen nun als versierte Profi-Produktionen. Was dagegen gleich geblieben ist, ist die grimmige Natur der Filme, die Humor nicht mal aus dem Wörterbuch kennt und ihre nervenzerrende Agenda mit unbedingter Direktheit bis zum oftmals bitteren Ende bringt. „Torture porn“ Filme sind keine angenehme Seherfahrung, sondern rühren in den Untiefen der menschlichen Seele.

Dass diese Entwicklung zu mehr Gewalt nicht nur im Terror- oder Horrorbereich zu beobachten ist, beweisen eine ganz Reihe weiterer medialer Angebote, die bei Actionfilmen à la „John Rambo“ beginnen und bei „happy slapping“ Videos auf youtube aufhören. Das heutige Publikum ist ganz sicher abgebrühter und auch offener geworden, was das Resultat eines ständigen Dialogs mit den Grenzen des Akzeptablen ist und unterm Strich eine definitive Erweiterung der Möglichkeiten bedeutet. Nicht von ungefähr formte sich die Bezeichnung „splat pack“, die den filmischen Aussenseitern von einst einen festen Platz im Medienrummel gibt und sie auf einmal zu akzeptierten Stars macht.