Seit mehr als einem Viertel Jahrhundert gibt es Pixar nun schon, richtig losgelegt hat das Animationsstudio jedoch erst 1995, als man mit „Toy Story“ den ersten abendfüllenden computeranimierten Film in die Kinos brachte. Zu dem Zeitpunkt hatte Pixar schon eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

Die Existenz des Studios begann 1979 als Graphics Group, einem Drittel der Computerabteilung von Lucasfilm. Die Abteilung war für bahnbrechende Effekte zuständig, so im Jahr 1982 mit der Simulation der Genesis-Weltenumwandlung in „Star Trek II – Der Zorn des Khans“ und drei Jahre später mit dem gläsernen Ritter in „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“.

1986 stieß Lucasfilm diesen Teilbereich des eigenen Imperiums ab, da aufgrund diverser Umstände Liquiditätsprobleme aufgetreten waren. Steve Jobs, der gerade Apple verkauft hatte, erwarb für fünf Millionen Dollar die Firma, die nun unter dem Namen Pixar firmierte. Mit weiteren fünf Millionen Startkapital und einem Angestelltenstock von über 40 Mitarbeitern ging es los. Anfangs produzierte man Computer-Hardware, später begann die Animationsabteilung unter John Lasseter mit der Produktion von animierten Werbespots.

Zu jener Zeit arbeitete man mit den Walt Disney Studios zusammen, die für Pixar zum wichtigsten Partner werden sollten. Zu Beginn der 90er Jahre wurde dann ein Deal ausgehandelt, der vorsah, dass Pixar für Disney drei Animationsfilme produzieren sollte. Noch kurz vor der Premiere von „Toy Story“ sah es für Pixar nicht besonders gut aus. Die Firma schrieb rote Zahlen und Jobs überlegte, sie komplett zu verkaufen, vertraute dann jedoch auf gute Vorabkritiken, die besagten, dass „Toy Story“ ein Hit werden würde. Als der Film im Winter 1995 startete, sollten diese Stimmen Recht behalten.

Mit einem Einspiel von 350 Millionen Dollar weltweit hatte „Toy Story“ Pixar und Disney traumhafte Gewinne beschert. Und der Beweis war erbracht, dass abendfüllende Computeranimationsfilme möglich waren.

Pixar - Von den Anfängen bis heute: Die Macher von Toy Story, Wall-E und Merida

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Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter: Der erste Computertrickfilm Toy Story.
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Partnerschaftliche Probleme

In den zehn Jahren, die diesem ersten Erfolg nachkamen, gab es zwischen Disney und Pixar einige Streitigkeiten. Pixar produzierte und entwickelte die Filme, Disney übernahm das Marketing und den Vertrieb. Die Gewinne wurden gleichmäßig geteilt, die Story- und Sequel-Rechte lagen jedoch bei Disney. Pixar sah sich darin benachteiligt und wollte aus einem ursprünglichen Vertrag über drei Filme raus, hatte aber keine Handhabe.

Darüber hinaus versuchte man, die weitere geschäftliche Basis neu zu verhandeln. Pixar wollte die Filme komplett selbst finanzieren, die Rechte behalten und Disney lediglich die übliche Vertriebsprovision von 10 bis 15 Prozent des Gewinns überlassen. Für Disney war dies nicht tragbar.

Verhandlungen kamen zum Erliegen und Pixar drohte, sich einen anderen Partner zu suchen (tat dies aber nie). Die Gespräche wurden wieder aufgenommen, als der damalige Disney-Chef Michael Eisner ausschied und durch Robert Iger ersetzt wurde. Pixar und Disney kamen zu einer Übereinkunft, was den Vertrieb des damals aktuellen Films „Ratatouille“ betraf, allerdings wurde dieser Vertrag null und nichtig, da man ihn nur im Notfall benötigte, wenn der eigentliche Coup nicht aufgehen sollte.

Disney kauft Pixar

Hinter den Kulissen war längst darüber verhandelt worden, dass Disney das Animationsstudio kaufen würde. Im Januar 2006 wurde der Coup bekannt gegeben. Für eine gigantische Kaufsumme von 7,4 Milliarden Dollar, auszahlbar in Disney-Aktien, wurde die Firma dem Disney-Imperium einverleibt. Zugleich machte der Deal Steve Jobs zum größten Aktionär des Disney-Imperiums.

Beim Kauf gab es einige Zugeständnisse. Der Name Pixar musste erhalten werden, ebenso sollte der Sitz der Firma auch weiterhin im kalifornischen Emeryville sein und die Firma sollte eine eigenständige Entität bleiben, um sicherzustellen, dass die Marke innerhalb Disneys nicht verwässert wird.

Über das Kino hinaus

Pixar konnte auch in der Zeit, in der es Disney möglich gewesen wäre, Sequels nach eigenem Gutdünken zu produzieren, diese verhindern. Nach Streitigkeiten und vor dem Kauf der Firma war „Toy Story 3“ in Vorproduktion gegangen, wurde nach dem Pixar-Kauf von John Lasseter jedoch gestoppt und später noch einmal ganz neu aufgerollt.

Neben dem Engagement für das Kino hat Pixar auch Animationsserien für das Fernsehen entwickelt, die mit Weltraumheld Buzz Lightyear und den Cars auf den beliebten Filmen aufbauen. In Produktion ist überdies der erste Live-Action-Film des Studios, der von Brad Bird inszenierte „1906“, der sich mit dem katastrophalen Erdbeben in San Francisco im Jahr 1906 befasst.

Pixar - Von den Anfängen bis heute: Die Macher von Toy Story, Wall-E und Merida

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"Merida" ist der neueste Streich aus den Pixar-Studios - jetzt im Kino.
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Darüber hinaus befinden nach „Merida“ zahlreiche Animationsfilme in unterschiedlichen Produktionsstufen: „Monsters University“ wird ein Sequel zu „Monster AG“, „Findet Nemo 2“ steht auf dem Plan, „The Good Dinosaurier“ spielt in einer Welt, in der die Dinosaurier nie ausgestorben sind, und „Dia de los Muertos“ soll sich mit dem mexikanischen Feiertag beschäftigen.

Mehr als ein Vierteljahrhundert – 13 Filme

Seit 1995 hat Pixar dreizehn Animationsfilme in die Kinos gebracht. Das ist eine erstaunlich große Anzahl, wobei verbesserte Rechnerleistungen halfen, die Produktionszeit zu verringern. Hinzu kam eine erhöhte Kapazität, die es erlaubt, seit 2006 jedes Jahr mit einem neuen Film auf den Markt zu kommen.

Weiterführende Links

Pixar hat ein ganzes Genre verändert und neu belebt. Der klassische Zeichentrickfilm, der einst die Domäne von Walt Disney war, ist heutzutage weitestgehend ausgestorben, ersetzt durch Animationsfilme, wie Pixar sie macht. Auf den Zug sind mittlerweile auch zahlreiche andere Studios aufgesprungen, die mit Streifen wie „Ice Age“ oder „Madagascar“ durchaus erfolgreich waren, aber die reine Pixar-Formel konnte bisher niemand kopieren. Bei Pixar versteht man sich auf eines auf geradezu grandiose Art und Weise: Unterhaltung für die ganze Familie zu erschaffen.

Merida - Legende der Highlands - Featurette #2