Elijah Wood treibt gerade als „Maniac“ im Kino sein Unwesen. Er ist längst nicht der erste Serienkiller, der das Publikum in seinen Bann zieht. Und er wird auch nicht der letzte bleiben. Im Verlauf der Filmgeschichte gab es bemerkenswerte Gestalten wie Hannibal Lecter oder Norman Bates, mal faszinierend, mal mitleiderregend, aber immer angsteinflößend.

Der Ansatz, mit dieser Menschenschlag im Medium Film unter die Lupe genommen wird, ist dabei recht unterschiedlicher Art. Es gibt filmische Biographien wie „Ed Gein“ oder „Ted Bundy“, Horrorfilme im Stil von „Halloween“ und ähnlichen Slashern, aber auch Psychogramme, die tief in die Seele kranker Menschen blicken lassen. Zehn der beeindruckendsten Filme zum Thema haben wir zusammengestellt.

10. Zwölf Gentlemen im Keller

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Arsen und Spitzenhäubchen (1944)

Wenn man Mortimers Tanten Abby und Martha Brewster sieht, würde man nicht denken, dass die zwei rüstigen Damen schön zwölf Herren aus dem Leben ins Jenseits befördert haben. Nicht, weil sie Spaß am Töten hätten. Sondern weil sie die einsamen Herren von ihrem Leid erlösen wollen. Nun haben sie vor, den dreizehnten um die Ecke zu bringen und im Keller zu verscharren.

Das alleine wäre schon irrsinnig genug, aber der von Cary Grant bravourös gespielte Mortimer hat noch ganz andere Probleme. Denn der verrückte Teddy, der sich für Roosevelt hält, läuft im Haus herum. Aber auch das ist längst nicht schlimm genug. Es taucht auch noch Mortimers Cousin Jonathon auf, der vor der Polizei auf der Flucht ist, weil er Leute ermordet und sich ihre Gesichter aneignet.

Angesichts der vielen Mörder in seiner Familie – die alten Damen waren sogar noch fleißiger als Jonathon – macht sich Mortimer Sorgen, dass er auch ein Killergen in sich haben könnte. Frank Capras schwarze Komödie ist auch nach fast 70 Jahren noch immer einer der witzigsten Filme aller Zeiten ist.

9. Der nette Tony mal ganz böse

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Der Frauenmörder von Boston (1968)

Den Boston Strangler gab es wirklich. Er mordete von 1962 bis 1964. Vier Jahre später inszenierte Richard Fleischer mit Tony Curtis in der Hauptrolle „Der Frauenmörder von Boston“. Der Film basiert auf den Taten des Serienkillers Albert DeSalvo.

Im Film sieht man einerseits, wie der etwas einfach gestrickte DeSalvo seinen Taten nachgeht, andererseits, wie Henry Fonda ihn jagt und schließlich zur Strecke bringt. Was folgt, ist ein Duell im Verhörraum.

Der Film ist einer der ersten, die sich mit Serienkillern beschäftigen, und auch heute, mehr als 40 Jahre später, noch einer der besten. Regisseur Richard Fleischer setzt auf das damals neue Split-Screen-Verfahren, das stark zur Wirkung des Films beiträgt.

Curtis musste hart dafür kämpfen, diese Rolle spielen zu dürfen. Er nahm zu und trug eine falsche Nase, um dem echten DeSalvo ähnlicher zu werden. Es war eine Darstellung, die eines Oscars würdig war, doch die Academy bedachte Curtis nicht. Etwas, das ihn all die Jahre wurmte, da er gerne einmal einen Oscar gewonnen hätte.

8. Was würdest du tun, um zu überleben?

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Saw (2004)

Angesichts der ganzen Sequels vergisst man gerne, dass das Original aus dem Jahr 2004 ein erstaunlich cleverer Film ist, der eine nachvollziehbare Motivation des Täters zu bieten hat (während sie bei den weiteren Filmen zugunsten drastischer Foltersequenzen gerne über Bord geworfen wurde).

Alles beginnt mit zwei Männern: Adam Faulkner-Stanheight und Dr. Lawrence Gordon. Beide finden sich festgekettet wieder, zwischen ihnen liegt eine Leiche. Der Killer Jigsaw gibt ihnen Prüfungen auf, die sie bestehen müssen, wenn sie diesen Tag überleben wollen. Aber die Frage ist: Was sind sie gewillt zu tun, um zu überleben?

Leigh Whannell und James Wan haben mit „Saw“ einen Trend begründet. Nein, keine neue Serienkillerwelle, sondern Filme der so genannten „Torture-Porn“-Gattung. Anders als ihre Epigonen nutzen sie Gewalt nicht zum Selbstzweck, sondern definieren durch sie ihren faszinierenden Serienkiller Jigsaw.

Der Mann taucht erst am Ende auf – er ist der vermeintliche Tote zwischen Adam und Gordon. Ein todkranker Mann, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seine Opfer zu prüfen. Sie müssen beweisen – ihm, aber auch sich selbst –, dass sie überhaupt weiterleben wollen.

7. Ein Star als Killer

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Mr. Brooks (2007)

Man ist es gewohnt, Kevin Costner als Held zu sehen. 2007 wechselte er jedoch die Seiten und spielte die Hauptrolle in „Mr. Brooks“. Als Earl Brooks ist er ein angesehener Geschäftsmann. Doch er ist auch ein Serienkiller, der sich seit zwei Jahren unter Kontrolle hat. Doch sein Alter Ego Marshall ist wieder aufgetaucht und drängt ihn, endlich wieder zu töten. Irgendwann gibt Brooks dem Drang nach, nichtsahnend, dass eine Überraschung auf ihn wartet.

„Mr. Brooks“ ist ein psychologischer Thriller, der aus der Reihe fällt, da er eine Hauptfigur hat, die aktiv versucht, den Mordtrieb zu unterdrücken. Er ähnelt in der Beziehung der Serienfigur „Dexter“, die einen Weg gefunden hat, den Trieb zu kanalisieren (indem nur Verbrecher getötet werden).

Das Faszinierende an Brooks ist, dass er unheimlich sympathisch ist. Das liegt auch daran, dass Costner ihn spielt. Man mag ihn und wünscht ihm, dass er mit seinen Taten davonkommt, nur um im nächsten Moment zu stutzen. Denn warum sollte man schließlich einem Serienkiller die Daumen drücken?

6. Wann endet das Schweigen?

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Das Schweigen der Lämmer (1990)

Die meisten haben Hannibal Lecter mit „Das Schweigen der Lämmer“ kennen gelernt. Der von Thomas Harris erschaffene Kannibale hatte jedoch schon zuvor in Michael Manns „Manhunter“ (1986) einen Auftritt, damals noch von Brian Cox gespielt. Anthony Hopkins spielte den Doktor dann in Jonathan Demmes Film und stellte die Figur auch in „Hannibal“ (2001) und „Red Dragon“ (2002) erneut dar.

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Film war der Auslöser einer Welle ganz ähnlich gelagerter Filme. Der Film weist eine geschickt konstruierte Geschichte auf, in der sich Anthony Hopkins und Jodie Foster ein faszinierendes Duell liefern. Was Hannibal Lecter von so vielen anderen Serienkillern unterscheidet, ist seine höfliche Art. Er ist charismatisch. Zusammen mit Agent Starling erliegt man als Zuschauer seiner Faszination.

In den USA feiert dieses Jahr die Fernsehserie „Hannibal“ Premiere. Dort schlüpft Mads Mikkelsen in die Rolle des kultivierten Menschenfressers.

5. Die Mörder sind unter uns

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M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931)

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist nur eines von vielen Meisterwerken, die Fritz Lang abgeliefert hat. Der Tonfilm spielt mit den seinerzeit neuen Möglichkeiten, lebt aber auch davon, dass er meisterhaft geschnitten ist und vielen Filmen der damaligen Zeit, die wenig mehr als abgefilmtes Theater sind, haushoch überlegen war.

Dazu hatte der Film mit Peter Lorre einen Star, der das Material noch greifbarer machte und eine Figur porträtierte, die zwar verabscheuungswürdig ist, die man aber auch bemitleidet. Die Idee für den Film hatten Lang und Thea von Harbou, nachdem sie die Berichte über den Serienkiller Peter Kürten, das Monster von Düsseldorf, gelesen hatten. Der hatte zwar auch Erwachsene getötet, aber in Langs Film sollte der Mörder es nur auf Kinder abgesehen haben. Denn der Filmemacher wollte das größte vorstellbare Verbrechen. Und nichts ist schrecklicher als der Kindsmord.

Für Lorre war dieser Film das Sprungbrett zu internationalem Ruhm, auch wenn er alleine wegen dieses Werks auf die Rolle verschlagener Figuren festgenagelt wurde. Wie so viele Schauspieler litt auch er unter Lang, der sich oftmals wenig um die Sicherheit der für ihn Tätigen scherte. Mehr als einmal hatte Lang in seinen Filmen echte Munition und Explosionen eingesetzt, um mehr Realismus zu erlangen.

Während ein Rudolf Klein-Rogge trotz allem mehrmals mit Lang arbeitete, achtete Lorre darauf, nie wieder für den filmischen Diktator tätig werden zu müssen, und weigerte sich knapp 20 Jahre später, in einem amerikanischen Remake, das Lang machen sollte, erneut die Hauptrolle zu spielen.

4. Der Kopf in der Kiste

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Sieben (1995)

Der Erfolg dieses Films war dafür verantwortlich, dass das Subgenre des Serienkillerfilms Mitte der 90er-Jahre richtig in Fahrt kam. An die suggestive Kraft dieses Films reicht kein anderer heran. Noch heute schwören manche Zuschauer Stein und Bein, dass sie gesehen haben, was sich in der Schachtel befindet, die John Doe an Detective Mills liefern lässt. Aber man sieht es nicht. Es spielt sich nur im Kopf des Zuschauers ab. Das ist die Macht des Mediums Film.

Die Detectives Somerset und Mills jagen einen Serienkiller, der nach dem Prinzip der sieben Todsünden mordet. John Doe, wie der Killer sich nennt, ist ihnen aber immer einen Schritt voraus. Selbst als sie ihn fassen können, folgen sie nur dem Plan, den er schon lange zuvor festgelegt hat.

Von anderen Genre-Filmen hebt sich „Sieben“ ab, weil der Killer hier einen ganz anderen Modus Operandi hat. Es ist langwierig geplant, wie John Doe seine Opfer entsprechend der Todsünden aus dem Leben befördert. Dabei ist fast eine jede dieser Todsünden derart perfide gestaltet, dass man als Zuschauer ein mulmiges Gefühl entwickelt. Man sieht in der Regel nur das Ergebnis der Taten von John Doe. Oder hört nur davon, wie im Fall der Prostituierten, aber auch dies ist ein perfektes Beispiel dafür, wie ein Film mit der Wahrnehmung des Publikums spielen kann.

Fincher erschafft eine Welt der Düsternis, des konstanten Regens, der grimmigen Verkommenheit - alles scheint nur noch ein Vorort der Hölle zu sein. Kevin Spacey ist als John Doe erschreckend gut, aber auch Brad Pitt liefert eine differenzierte Darstellung ab und Morgan Freeman ist, wie immer, ein Schauspieler, der Höchstleistungen präsentiert. Das Ende brennt sich ins Gedächtnis ein. Es stellt alles auf den Kopf und zeigt einen extrem gerissenen Plan, den man einfach nicht kommen sah.

3. Mordphantasien

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American Psycho (2000)

Bret Easton Ellis' Roman „American Psycho“ hatte bei seinem Erscheinen wegen der breit ausgetretenen Gewaltakte für Kontroversen gesorgt. Eine Verfilmung des Stoffs schien beinahe unmöglich, da man das, was im Roman beschrieben wird – neben endlosen Tiraden an Markenartikeln, mit denen sich der Yuppie Patrick Bateman umgibt, sind es natürlich vor allem die plastischen, sadistischen Morde – kaum auf die Leinwand bringen kann.

Der Versuch wurde dennoch unternommen. Und er war künstlerisch erfolgreich.
Nachdem kurzzeitig Leonardo DiCaprio mit diesem Film in Verbindung gebracht wurde, sich aber schließlich von dem Projekt zurückzog, da er Angst um sein Image hatte, kam Christian Bale, den die Regisseurin Mary Harron schon immer favorisiert hatte, zum Zug.

Beide schufen einen Film, der die Essenz des Buchs nimmt und sie in ein anderes Medium überträgt. Dem Film gelingt es, die sterile Kühle des Romans auf die Leinwand zu transportieren und damit das Lebensgefühl der 80er-Jahre einzufangen. Darüber hinaus lebt „American Psycho“ von Christian Bales beängstigender Darstellung eines Mannes, der eine perfekte Yuppie-Fassade aufrechterhält, aber „einfach nicht da ist“, wie er im Voice-over erklärt.

2. Psychogramm eines Mörders

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Henry: Portrait of a Serial Killer (1986)

Lange Jahre war John McNaughtons Erstling indiziert, mittlerweile wurde der Film jedoch von der Liste gestrichen. Gut ein Vierteljahrhundert nach seiner Entstehung wirkt „Henry: Portrait of a Serial Killer“ noch genauso verstörend wie damals.

John McNaughtons Werk nimmt den wahren Serienkiller Henry Lee Lucas als Vorbild und erzählt die Geschichte seines Protagonisten, der in einer Welt ohne Hoffnung lebt, in der er nur Momente des Glücks erlebt, wenn er andere um ihr Leben berauben kann. Er freundet sich mit Otis an, der ihm schon bald als Komplize beim Morden hilft. Doch als Otis seine Schwester missbrauchen will, richtet sich Henrys Mordwillen gegen seinen Kumpel.

Der Film bleibt in jeder Sekunde voll und ganz in der Realität verankert. Da sich McNaughton eines Urteils enthält und seinen düsteren, in trostlosen Farben getauchten Film für sich sprechen lässt, wird er zu schwer verdaulicher Unterhaltung.

„Henry: Portrait of a Serial Killer“ ist ein roher, ungeschönter, kraftvoller Film mit einem beängstigend guten Michael Rooker in der Hauptrolle. Es gab auch ein Sequel ohne McNaughton und Rooker, das natürlich nicht so gut ist wie das Original, aber interessante Ansätze aufweist.

1. Ein Muttersöhnchen

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Psycho (1960)

Der mit Abstand beste Film zum Thema ist und bleibt „Psycho“ aus der Hand von Alfred Hitchcock. Er adaptierte den Roman von Robert Bloch, welcher sich wiederum – sehr lose – vom echten Killer Ed Gein inspirieren ließ. Alfred Hitchcock wollte mit „Psycho“ einen kostengünstigen B-Film produzieren, der aber die Klasse einer A-Produktion haben sollte. Er fragte sich, wie erfolgreich ein solcher Film aus Meisterhand sein konnte, wenn schon die kleinen schwarzweißen Billigproduktionen hohe Einspielsummen generierten.

So produzierte er „Psycho“ mit einem Budget von 800.000 Dollar, benutzte die Crew seiner Serie „Alfred Hitchcock präsentiert“, die an schnelles und effizientes Arbeiten gewohnt war, und entschied sich, den Film schwarzweiß zu gestalten. Das Ergebnis war ein phänomenaler Erfolg, spielte der Film an der Kinokasse doch mehr als 40 Millionen Dollar ein.

„Psycho“ ist in vielerlei Hinsicht ein Film, der Konventionen bricht. Er ist der erste amerikanische Film, der zeigt, wie eine Toilette gespült wird - bis dato war dies eine der Restriktionen, die Filmemacher nicht zu brechen wagten, aber Hitchcock forderte den Autor auf, eine Szene zu schreiben, die derart war, dass man die Toilette nicht einfach entfernen konnte.

Weit bemerkenswerter ist aber natürlich, dass Hitchcock mit Marion Crane eine Figur präsentiert, die man als Hauptprotagonist anerkennt - bis zu dem Moment, in dem sie brutal ermordet wird. Der Bruch ist gewollt. Er versetzt den Zuschauer in Unbehagen, denn alle Regeln werden hier gebrochen. Nichts und niemand ist sicher - das ist die große Aussage dieser Sequenz.

Übrigens hatte Hitchcock vor, die Duschszene stumm ablaufen zu lassen, aber Komponist Bernard Herrman erschuf dafür die „schreienden Geigen“ und als der Regisseur die Szene mit der Musik sah, wurde ihm klar, dass sie so viel besser funktionierte.

Großartig ist Anthony Perkins als Norman Bates. Nach diesem Film litt der Schauspieler unter dem Fluch des Typecastings, aber er lieferte eine Darstellung für die Ewigkeit ab.

Es gab noch drei Sequels, die entgegen aller Wahrscheinlichkeit tatsächlich sehr hochwertig sind. Gus van Sants Remake ist jedoch überflüssig. Übrigens: 2013 startet in den USA die Fernsehserie „Bates Motel“, die sich mit dem jungen Norman Bates beschäftigt.