Denkt man an Zombiefilme, hat man automatisch auch immer dieselben Handlungsmuster vor Augen. Zu viele Vertreter dieses Subgenres geben sich damit zufrieden, dass sie einfach nur Altbekanntes widerkäuen. Das kann unterhaltsam sein, auf Dauer ist der Mangel an Originalität aber ermüdend. Umso schöner, dass mit Warm Bodies mal wieder ein Zombiefilm in die Kinos kommt, der Konventionen links liegen lässt und stattdessen etwas Neues wagt.

Im Lauf der Jahre gab es aber schon andere Zombiefilme, die sich nicht auf die von George A. Romeros Filmen etablierte Formel stützen. Es sind, wenn man so will, Zombiefilme mit Hirn.

10. Colin (2008)

Um einen kleinen, ungewöhnlichen Film zu machen, braucht man nicht mehr als eine Idee, ein bisschen Talent und 45 britische Pfund. Mehr stand Autor und Regisseur nicht zur Verfügung, als er „Colin“ in Angriff nahm. Die Effekte fertigte er selbst, die Schauspieler waren allesamt Freunde und Drehgenehmigungen holte er gar nicht erst ein.

Dafür erzählt er von Colin, einem jungen Mann, der von einem Zombie gebissen wird und sich wenig später selbst in einen verwandelt. Man erlebt mit, wie die Zombie-Apokalypse aus Sicht eines Zombies stattfindet. Auf Schritt und Tritt folgt die Kamera dem untoten Protagonisten.

Aufgrund der verwackelten Aufnahme hat man dabei das Gefühl, eine krude gestaltete Dokumentation zu sehen. Seiner Hauptfigur entsprechend verzichtet der Film fast vollständig auf Dialoge. Stattdessen bietet er einen impressionistischen Einblick ins Leben eines Zombies.

09. Wasting Away (2007)

Im Leben von Tim, Cindy, Mike und Vanessa könnte alles ganz normal sein. Die vier wollen eigentlich nur einen netten Abend verbringen, aber kontaminiertes Eis sorgt erst für Krämpfe, dann für das Ableben. Nur dass die vier gar nicht merken, dass sie gerade gestorben sind.

Sie halten sich immer noch für lebendig und können nicht verstehen, warum andere bei ihrem Anblick Reißaus nehmen.

„Wasting Away“ ist ein Zombie-Film, der die Sache mal etwas anders angeht, denn die Untoten halten sich hier nicht für untot. Und das wiederum sorgt für einige amüsante Szenen, was den Streifen zu einer der besseren Zombie-Komödien werden lässt, die zwar nicht an „Shaun of the Dead“ heranreicht, aber dennoch frischen Wind ins verwesende Genre bringt, auch wenn der Geschichte als Kurzfilm sicherlich besser gedient gewesen wäre.

Amüsant ist, dass man das Geschehen oft aus zwei Blickwinkeln geboten bekommt. Erst, wie die vier Untoten die Ereignisse wahrnehmen, dann wie es den Umstehenden geht, die schwankende, grunzende Monster vor sich sehen.

08. Wild Zero (1999)

In dem japanischen Film „Wild Zero“ greifen Außerirdische die Erde an und verwandeln Menschen in Zombies. Ace rettet die Band Guitar Wolf vor ihrem Manager und wird zum Dank zum Blutsbruder gemacht. Zusammen mit Ace und seiner Torte Tobio stellen sich Guitar Wolf nun den untoten Horden in den Weg.

Guitar Wolf, Drum Wolf und Bass Wolf spielen sich selbst und haben natürlich auch die Musik für diesen surrealen Trip beigesteuert. Der Film selbst ist Trash allererster Güte, entzieht sich aber konsequent einer Kategorisierung.

Die Musiker übertreiben in ihrem Spiel gnadenlos, fügen sich aber damit perfekt in die Szenerie dieses hoch energetischen, lustigen, albernen, actionreichen und wilden Films ein. Dieser Film ist pures Adrenalin!

07. Rockabilly Zombie (2008)

Manchmal sieht man ein DVD-Cover und ist überzeugt, der Film kann ja eh nur Schrott sein. Umso schöner ist es, wenn man positiv überrascht wird, wie beim britischen „Rockabilly Zombie“.

Die Geschichte spielt in Memphis. Dort untersucht ein Polizist merkwürdige Todesfälle, die damit zusammenhängen, dass ein Mordopfer aus den 50er Jahren als Untoter zurückgekehrt ist und nun nach seiner Jugendliebe sucht, die mittlerweile über 60 Jahre alt ist.

Der Film gestaltet sich wie ein fleischgewordener Comic. Der Look ist sehr stilisiert und eigen. Am ehesten könnte man ihn mit „Sin City“ vergleichen, allerdings ist auch das unzureichend, da weit stärker mit den Farben gespielt wird. Dazu kommt ein knackiger Rock’n’Roll-Soundtrack, der das ungewöhnliche Zombie-Märchen adäquat akustisch unterlegt.

06. Fido (2006)

Normalerweise kommen die Zombies und wollen die Menschen fressen. Aber was, wenn man aus ihnen nützliche Mitglieder der Gesellschaft machen könnte? Wenn man sie für niedere Arbeiten einspannen könnte? Wenn sie sich um Haushalt und Kinder kümmern könnten? Dann wären sie vielleicht wie „Fido“.

Fido ist der Zombie, den sich Familie Robinson zulegt. Für den kleinen Timmy ist Fido der beste Freund, aber was soll man machen, wenn der Hauszombie – und die anderen seiner Art – das Leben als Diener leid ist und sich wieder auf seine Kernkompetenz besinnt? Dann werden doch wieder Menschen gefressen.

„Fido“ ist eine bissige (!) Satire auf den „american way of life“, wie er in den 1950er Jahren zelebriert wurde. So wie „Pleasantville“ langsam zerbrach, als die naive Unschuld wich, so geht es auch in „Fido“ der Kleinstadtidylle mit den typischen Nachbarschaftsproblemchen an den Kragen. Exzellent gespielt, in prächtigen Farben eingefangen und ganz und gar anders als jeder Zombiefilm, den man je zuvor gesehen hat.

05. Dead and Buried (1981)

In dem Fischerdorf Potters Bluff werden Durchreisende von den Stadtbewohnern umgebracht. Sheriff Dan Gillis untersucht die Morde und stößt dabei auf eine entsetzliche Entdeckung. Seine Frau scheint in die ganze Sache verstrickt zu sein, gibt jedoch keine Auskunft.

Wo Gillis auch nachforscht, stößt er auf eine Mauer des Schweigens. Bis er einem Geheimnis auf die Schliche kommt, das schrecklicher ist als alles, was er sich vorstellen könnte.

Wir wollen das Geheimnis nicht spoilern, weil dieser kleine, atmosphärische Horrorfilm (dessen Trailer weit reißerischer als der Film ist) zu gut ist, um ihm das anzutun. Die Untoten sind hier jedoch keine Zombies, wie man sie gemeinhin kennt. Fleischfresser sucht man vergeblich. Stattdessen steuert der Film, der lange im Unklaren lässt, worauf er hinauswill, auf einen Twist zu, der ein sofortiges zweites Ansehen des Films erfordert, da er mit Kenntnis des Endes ganz neu interpretierbar ist.

In einer Nebenrolle ist übrigens Robert Englund dabei – Jahre, bevor er als Freddy Krueger Erfolg hatte.

04. Dead Heat (1988)

Von „Punisher“-Regisseur Mark Goldblatt stammt auch die Zombie-Action-Komödie „Dead Heat“. Zwei Polizisten jagen Untote, die Verbrechen begehen. Dabei wird Roger Mortis (!) erschossen, aber sein Kumpel Bigelow will das nicht einfach hinnehmen. Er holt ihn ins untote Leben zurück, aber ihnen bleiben nur wenige Stunden Zeit, den Mord an Roger aufzuklären, denn in Kürze setzt der endgültige Tod ein.

„Dead Heat“ ist in erster Linie ein Actionfilm, bei dem Mark Goldblatt, der als Cutter für James Cameron tätig war, zeigen kann, was er drauf hat. Auch die Hauptdarsteller sind besser als je zuvor oder danach. Treat Williams als Roger Mortis zeigt Leading-Man-Qualitäten, die ihm sonst abgingen, und Joe Piscopo ist zur Abwechslung mal nicht nervig. Als verrückten Wissenschaftler gibt es dazu noch Vincent Price in einem seiner letzten Filme.

„Dead Heat“ ist ein perfektes B-Movie und bietet ganz großes Entertainment. Dass der Held tot ist, ist die originelle Würze, die den Film von ähnlich gelagerten Stoffen abhebt. Das Ende ist erstaunlich konsequent und hat die Möglichkeit eines Sequels eigentlich gleich ausgeschlossen. Allerdings gab es lange Überlegungen, doch noch einen Film nachfolgen zu lassen. Daraus wurde nichts: Ob das nun Glück oder Pech ist?

03. Nächte des Entsetzens (1966)

Bevor George A. Romero die Zombies mit „Night of the Living Dead“ neu definierte, wurden die Schauergestalten im Kino gänzlich anders dargestellt, so auch in der britischen Produktion „Nächte des Entsetzens“. Die Geschichte spielt in einer kleinen Ortschaft in Cornwall, in der der böse Hamilton die Leute ermorden lässt, um sie mit Voodoo-Zauber als Zombies wieder zum Leben zu erwecken, auf dass sie in seiner Zinnmine arbeiten können.

Die Zombies sind hier im Grunde nur schmückendes Beiwerk, sie sind aber schon allein aufgrund ihrer aschfahlen Erscheinung das gruseligste Element dieses Films.

Die filigran gearbeitete Geschichte überzeugt durch feinen Spannungsaufbau und atmosphärischem Grusel. Das Thema „Zombie“ war zu dem Zeitpunkt nur selten filmisch umgesetzt worden. Hier wird es auch Dank der beeindruckenden Masken von Roy Ashton zum Erfolg.

Sicherlich, dieser Film hat die Zombie-Welle nicht losgetreten, wie es „Night of the Living Dead“ und, stärker noch, dessen Sequel aus dem Jahr 1978 tun sollten, doch er ist das Bindeglied zwischen den alten Schwarzweißklassikern wie etwa „White Zombie – Im Bann des weißen Zombies“ (1932) und Romeros erstem Zombiestreich.

02. Ich folgte einem Zombie (1943)

Jacques Tourneurs Klassiker kommt in atmosphärischem Schwarzweiß daher. Er ist einer der ernsthaftesten Zombiefilme, der sich mit Voodoo befasst und – natürlich – die Zombies nicht als fleischfressende Monster, sondern als willenlose Sklaven zeigt.

Die Krankenschwester Betsy wird von Paul Holland nach San Sebastian gerufen, damit sie sich dort um seine invalide Frau Jessica kümmert. Betsy gelangt zu dem Glauben, dass Jessica ein Zombie ist und nur durch eine Voodoo-Zeremonie geheilt werden kann.

Für heutige Maßstäbe ist „Ich folgte einem Zombie“ sehr langsam erzählt, wer jedoch mit Filmen etwas anfangen kann, die auf Stimmung setzen und diese konsequent ausbauen, der ist hier – wie bei allen Horrorfilmproduktionen von Val Lewton – genau richtig.

01. Homecoming (2005)

Der beste Film, der die Zombie-Thematik weit über das Fressen von Menschen ausweitet, ist recht kurz geraten. Er geht keine 60 Minuten. Der Grund hierfür ist, dass „Homecoming“ eine Episode der Anthologie-Serie „Masters of Horror“ ist.

Während der Kampagne zur Wiederwahl des Präsidenten wünscht sich der Berater David Murch in einer Live-Sendung, dass ein verstorbener Soldat zurückkehren und bei der Wahl mit abstimmen könnte. Dem Präsidenten gefällt die Idee, weswegen er sie bei einer Rede aufgreift, sich aber wünscht, dass alle toten Soldaten zurückkehren könnten. Der Wunsch wird auch prompt erfüllt. Die Toten kehren zurück und geben ihre Stimme ab – aber für die Opposition des Präsidenten. Als der Ausgang der Wahl dann manipuliert wird, erheben sich die Soldaten aller nutzlosen und überflüssigen Kriege, um die Regierung aus dem Amt zu jagen.

„Homecoming“ ist kein typischer Zombiefilm, sondern vielmehr eine clevere Satire, die mit Chuzpe die Politik und ihre Entscheidungen kritisiert. Joe Dante liefert mit diesem Film einen direkten Kommentar dazu ab, was er von der Bush-Regierung hält. Zu keiner anderen Zeit wäre „Homecoming“ aktueller gewesen. Aber auch heutzutage hat er nichts von seiner Aktualität eingebüßt, wenn er die harten Fragen stellt: danach, welche Kriege wirklich dazu da sind, Menschen zu helfen.

Die Zombies erscheinen zuerst so, wie man sie kennt, handeln dann aber gänzlich anders. Das sorgt für eine herrliche Prise Humor und führt zielstrebig auf ein faszinierendes Finale zu.