An dieser Stelle müsste er wieder kommen, der obligatorische „Herr der Ringe war toll, alle anderen machen’s nach“-Verweis, dem letztlich aber sowieso kein Film entsprechen kann. Auch fünf Jahre nach der grandiosen Tolkien-Saga hat es keiner der sorgfältig ins Massenbewusstsein gehypten Fantasy-Erben geschafft, dem Jahrhundertwerk das Wasser zu reichen.

Am ehesten erfolgreich war da noch der Auftakt zur „Chroniken von Narnia“-Buchumsetzung, begleitend zum finanziellen Siegeszug kamen jedoch unzählige erboste Kritikerstimmen hinzu. Von „religiöser Propaganda“ war da die Rede, andere taten die kindgerechte Inszenierung als „zu infantil“ ab. Keine guten Vorzeichen also für „Prinz Kaspian von Narnia“…

Die Chroniken von Narnia - Prinz Kaspian von Narnia - Making Of: Vom Buch zum Film zum Spiel

Die Sünden der Väter

Tausend Jahre sind vergangen, seit es die Pevensie-Geschwister zum ersten Mal in die zauberhafte Welt von Narnia verschlagen hat. Mittlerweile ist die einstige Heimat von Feen, Elfen und anderen Fabelwesen zu einem tristen Ort geworden, der dunkle Herrscher Lord Miraz jagt unerbittlich die letzten Narnianer. Nur der edle Prinz Kaspian gebietet gegen den Tyrannen auf – und erhält unerwartete Unterstützung von den Pevensie-Kindern.

Nach 1000 Jahren kehren die Pevensies zurück nach Narnia und entdecken Spuren der alten Welt.

Hach, wie drollig. Hach, wie süß. Verließ man vor zwei Jahren nach der „Chroniken von Narnia“- Vorstellung den Kinosaal, überkam einen das drängende Gefühl irgendjemanden zu knuddeln und alle Menschen ganz doll lieb zu haben. So zuckrig, so schön war diese "Herr der Ringe"- Fahrwasser- Buchverfilmung. Ein herrlich bunter Strauß aus Kulleraugen, Schmollmündern und allerliebster Tralala-Musik. Kinderquatsch mit Michael quasi – nur mit Elfen. Und ohne Michael.

Spätestens am nächsten Morgen, wenn der erste Zuckerrrausch ausgeschwitzt und der Kitschkater überwunden war, fiel dann jedoch der Groschen: Der erste von vielen weiteren geplanten Narnia-Filmen ist ein hoffnungslos überladenes Effektgewitter, dessen Seele sich allein durch das Ausschlachten bewährter Versatzstücke definiert und ansonsten mit fragwürdigen Aussagen und geheuchelter Moral nervt.

Nur kurz im Bild: Löwe Aslan fungiert dieses Mal nur als Nebenfigur.

Und für den Nachfolger „Prinz Kaspian von Narnia“ verhießen die ersten Vorzeichen wenig Linderung: Die großartige Tilda Swinton, der einzige Lichtblick des Erstlings, ist nicht mehr mit an Bord, dafür die wenig überzeugenden Pevensie- Darsteller. Doch selbst voreingenommene Kinobesucher dürften nach wenigen Minuten eine Überraschung erleben, die sich gewaschen hat.

Ein Film wird erwachsen

Schon die ersten 15 Minuten sind erstaunlich rasant inszeniert, atmosphärisch und – das ist neu im Narnia-Universum – verdammt spannend. Die Geschichte des Tyrannen, der mit seiner Armee des Bösen die freien Völker einer Fantasywelt vernichten will, ist zwar nicht nur für „Ringe“-Fans hinlänglich bekannt, verleiht der allzu infantilen Dramatik des Vorgängers aber eine deutliche erwachsenere Note.

Richtig schön fies: Lord Miraz will ganz Narnia unterjochen - koste es, was es wolle.

Generell ist die Stimmung nun sehr viel düsterer gehalten: In den Schlachtsequenzen geht es mitunter ziemlich derb zur Sache, in dem herrlich boshaften Miraz hat die Narnia-Reihe dann auch endlich ihren Bösewicht von Format gefunden, die Themenwahl reicht von Krieg über Neid bis Selbstüberschätzung. Für die Kleinsten unter den Zuschauern ist „Prinz Kaspian“ also sicherlich nichts mehr.

Erschreckend: Die lästige Doppelmoral der ersten Chroniken wurde nicht getilgt. Zwar verzichtet Regisseur Andrew Adamson auf christliche Wertevermittlung mit dem Holzhammer, dass die Pevensies aber zunächst die Bedeutung von Freundschaft und Nächstenliebe lernen, dann aber zu blankem Stahl greifen und im Kampf zu rasenden Berserkern mutieren, wirkt auch beim zweiten Versuch äußerst befremdlich.

Überzeichneter Held: Peter wird als kampfwütiger Heilsbringer portraitiert.

Gerade die Figur des ältesten Pevensies, Prinz Peter, besticht durch eine mehr als fragwürdige Haltung: Selbst in noch so aussichtlosen Situationen werden in heroischer Pose die Schwerter gen Himmel gestreckt, wilde Durchhalteparolen geschmettert und kopfüber ins Kampfgetümmel gestürzt. Das macht man wohl so als pubertierender Jugendlicher – logisch erscheinen derartige Handlungen nicht, dafür reichlich unmotiviert und konstruiert.

Aufstieg der Qualitätsleiter

Und wieder ist es eben dieser Spagat, der Adamson einfach nicht gelingen will: Düster-bedrohliche Passagen wechseln sich immer wieder mit knuffigen Kinderfilm-Elementen ab, deren Übergänge aber weder nachvollziehbar noch besonders stimmig gelungen sind. Hier ein sprechendes Eichhörnchen, da ein finsterer Dämon, dazwischen mal tragisch-tiefgründige Dialoge, dann wieder Witze, die selbst für den Disney Club noch zu schlecht wären.

Ben Barnes gibt den namensgebenden Prinzen Kaspian äußerst charmant.

Abseits dessen rangiert „Prinz Kaspian“ jedoch mindestens zwei Stufen über den „Chroniken von Narnia“. Vor allem Regisseur Andrew Adamson scheint aus alten Fehlern gelernt zu haben: Statt seine gesammelten Kräfte darauf zu verwenden, auf Biegen und Brechen ein epochales Großwerk zu schaffen und dabei jede Alters- und Interessengruppe zu befriedigen, konzentriert er sich dieses Mal auf das Wesentliche: den Film.

Action und Schnitt sind temporeicher, die Witze treffen bis auf einige Ausnahmen meist ins Schwarze, die Effekte wurden ebenfalls generalüberholt, in ganz seltenen Fällen blitzt sogar etwas Originalität durch. Schön zu sehen: Auch wenn die Pevensie-Kinder nur unwesentlich besser agieren als eine Gruppe zusammengecasteter Laiendarsteller, wissen zumindest die Nebenfiguren zu überzeugen – selbst wenn sie nur animiert sind.