Laika Animation: ein Synonym für spannende Animationsfilme, die eine eigene Handschrift zulassen und ihr Zielpublikum deutlich oberhalb des kleinsten gemeinsamen Nenners ausmachen. Das Animationsstudio aus Oregon konnte sich bisher mit zwei Produktionen beweisen, „Coraline“ und ParaNorman“, und auch Film Nummer drei, „Die Boxtrolls“, möchte zu gerne in der hauseigenen Nische unterkommen.

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Unterirdische Käsediebe

Das entscheidende Wort des letzten Satzes lautet „möchte“, denn so ganz mag der gewisse Laika-Charme diesmal nicht zünden. „Die Boxtrolls“ teilt das Schicksal zu vieler anderer Animationsfilme, die ihren Einfallsreichtum vor allem auf visueller Ebene einsetzen und das eigentliche Drehbuch dann auf eine bestenfalls nette Geschichte reduzieren. Die immer zwei, drei Schritte hinter den tollen Bildern herzuhinken scheint und gegen Ende zunehmend auf erschöpfendes Spektakel setzt.

Die Boxtrolls - Die Schöpfer von "Coraline" und "ParaNorman" sind zurück

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Monster unter der Erde, Monster über der Erde
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Die (lose) inhaltliche Grundlage des Films ist „Arthur und die Käsediebe“ aus der „Die Monster von Rattingen“-Reihe von Alan Snow. Statt in Rattingen spielt die Handlung nun in Cheesebridge, einer gar seltsamen britischen Stadt, deren Untergrund die Heimat kleiner hässlicher Trolle ist. Diese Trolle verständigen sich nur über Geräusche, leben in alten Kartonschachteln und verspeisen angeblich Menschen – was aber leider nur eine Sage ist.

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„In Wirklichkeit“ sind das natürlich possierliche Plüschtiervorlagen, die einen Jungen lediglich adoptiert haben und trotz ihrer monsterähnlichen Erscheinung ausschließlich drollige bis liebenswerte Eigenschaften besitzen. Der Film verkneift sich leider nicht die „Vorurteile sind doof“-Botschaft von „ParaNorman“, die innere Schönheit predigt und die Menschen, allen voran Archibald Snatcher (gesprochen von Ben Kingsley), einen erklärten Boxtrolls-Hasser, als die wahren Monster hinstellt.

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Die Boxtrolls - schief, knuffig und austauschbar
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Schiefe Zähne und große Lippen

Einzig zwei Kinder, der adoptierte Junge Eggs (gesprochen von Isaac Hempstead Wright) und ein oberhalb der Grasnarbe lebendes Mädchen namens Winnie (gesprochen von Elle Fanning), wissen die Wahrheit über die Boxtrolls. Cheesebridge muss schon ein ziemlich tumbes Städtchen sein, das zudem im Schatten von Aardman City verortet zu sein scheint und folglich ebenso sein lustiges Heil in schiefen Zähnen, großen Lippen und -siehe „Wallace & Gromit“- einen von Käse besessenen Erfinder sucht.

Ergänzt man noch die von „Flutsch und weg“ bekannte bunte Untergrund-Welt und die britische Attitüde, die natürlich auch Simon Pegg und Nick Frost einschließt, schrumpft das mit der Laika-Handschrift auf eine relative Größe – die bei mehr als einer Gelegenheit eine behauptete Hülse auftischt. „Die Boxtrolls“ besticht durch ein grandioses Setdesign und eine starke visuelle Persönlichkeit, deren gestalterischer Mut aber keine wirklichen Kanten hinterlässt. Vieles bei dem Film ist widergekäute Variation, eher versöhnlich und betont liberal als wirklich dem Mainstream Paroli bietend.

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Trägt einen Eierkarton und heißt deswegen „Eggs“ - der einzige Mensch unter den Trollen
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Grotesk-düsterer Bewegungsstopp

Man wird einfach nicht wirklich warm mit „Die Boxtrolls“, statt inniger Liebe muss hier respektable Bewunderung genügen. Wo die Geschichte wie ein Krawatten-Meeting zum Thema „wie viel Indie verträgt ein Multiplex-Kino?“ riecht, ist die formale Gestaltung des Films ganz große Klasse. Graham Annable und Anthony Stacchi, die beiden Regisseure, lassen eine grotesk-düstere Bilderbuch-Welt entstehen, deren -ähem- CGI-unterstützte Stop-Motion-Animation immer wieder staunen lässt.

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Ohne Frage steckt viel Liebe in „Die Boxtrolls“ und alle Szenen mit den Trollen, naturgemäß vorzugsweise dialogfrei, begeistern mit einer visuellen Erzählweise, die den Schwachpunkten des Films unnötig große Fragezeichen beschert. Warum so eine nette, dünne Geschichte? Warum nicht mehr Szenen mit den Boxtrolls (die eher eine größere Nebenrolle spielen als wirklich im Mittelpunkt zu stehen)? Warum genau besteht eigentlich dieser massive Konflikt zwischen den Trollen und den Menschen? Und warum spricht Eggs überhaupt, wo er doch von den Boxtrolls aufgezogen wurde?