Es gibt ja einige Filme, die nur für ein gewisses Zielpublikum Sinn ergeben und dann über Box-Office-Zahlen universelle Argumente für ihren Erfolg und Fortsetzungen abgeben. Ein Paradebeispiel dafür ist „Die Bestimmung“, eine weitere „young adult“-Reihe, deren erster Teil, „Divergent“, wie die blaupausige kleine Schwester der „Tribute von Panem“-Reihe erscheint. Eine dystopische Zukunft, eine fiese Führungselite, eine unterdrückte Gesellschaft und jugendliche Hoffnungsträger zwischen Selbstzweifel und allumfassender Rebellion. Solange es Geld macht, ist alles erlaubt – selbst offensichtlich abkupfernde Kopien, deren Vorlagen schon selbst kaum Originelles in die Waagschale werfen.

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„Düstere Zeiten erfordern drastische Maßnahmen“

Und Geld gemacht wurde mit „Die Bestimmung – Divergent“, wenngleich deutlich weniger als mit „Die Tribute von Panem“. Anscheinend ist die Fanbasis für die Buchreihe von Veronica Roth aber so groß, dass der letzte Teil der Trilogie mal wieder in zwei Filme aufgeteilt wird und Teil 2, „Insurgent“, alle Anzeichen eines weiteren Hits trägt. Also jämmerlich dünne Charaktere, schablonenhafte Dialoge (siehe die Überschrift des Absatzes!), dramatisch simple Science-Fiction-Hülsen und eine hoffnungslose Ernsthaftigkeit, die nur in den überbordenden CGI-Höhepunkten kichernde Auflockerung bekommt.

Die Bestimmung - Insurgent - Wieder nur ein Abklatsch oder kann Teil 2 der Bestimmung von Panem mehr?

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Eiskalt und bösartig: Kate „Oscar“ Winslet.
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Nein, auch „Insurgent“ wird kein aus seiner Demographie ausbrechender Hit – was aber kaum jemanden zu stören scheint und vielleicht sogar Bedingung für jugendliche Begeisterung ist. Die angeprangerten Mängel sind alle relativ zum durchschnittlichen Alter der Kinobesucher und dummen ein Genre halt so weit runter wie es die Zuschauer zulassen. Die da oben sind böse und die unten haben Recht. Die jugendliche Heldin Tris (Shailene Woodley) ist selbstverständlich keine strahlende Durchmarschiererin. Ihre Selbstzweifel und Vorwürfe, die hier beträchtlichen Entfaltungsraum bekommen, können dadurch beseitigt werden, dass sie sich eine schicke Kurzhaarfrisur spendiert.

Jeder, der spätestens jetzt lacht, sollte „Insurgent“ lieber vermeiden, denn auch diese Aktion wird mit grimmiger Dramatik vermittelt. Das Hauptthema des zweiten Teils ist das Zögern von Tris, das die am Ende von Teils erreichte Dynamik ziemlich radikal ausbremst und statt nach vorne lieber zurück und zur Seite blickt. Tris und Four (Theo James) sind nach wie vor innerhalb der Mauer und besuchen nun erstmal andere Gruppierungen. Die verlorenen Eltern (Ashley Judd und Tony Goldwyn) tauchen in Flashbacks und Träumen auf. Es wird viel Wasser getreten und die titelgebende Bestimmung erscheint übermächtig zu sein, bis dann zum Glück Jeanine (Kate Winslet), die gestrenge Anführerin der Ken-Gruppierung, Tris zur Öffnung einer geheimnisvollen Box zwingt.

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Danke Jai Courtney fürs Unterbrechen des Grübelns!
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Alles nur keine Realität

Diese Box kommt im Buch so nicht vor und ermöglicht eine Reihe dringend benötigter Actionsequenzen, deren überbordende CGI-Bilder das Geschehen deutlich beleben. Tris, die Unbestimmte, muss fünf Tests bestehen und erhält danach Zugang zum Inhalt der Box – der natürlich das Schicksal der gesamten Gemeinschaft innerhalb der Mauer maßgeblich verändern wird. Sofern denn die drei Drehbuchautoren (Brian Duffield, Akiva Goldsman und Mark Bomback) genügend Schneid beweisen, die eigene Linie neben der Vorlage konsequent weiter durchzuziehen.

Was sich anbieten würde, denn Film Nummer 2 bekommt dadurch seine „money shots“ und eine angenehm surreale Note, die zum Beispiel eine brennendes Haus über einer in sich zusammenfallenden Stadt schweben lässt. Das Schmiermittel für diese Bilder heißt natürlich CGI (von okayer Qualität), insofern wäre es sinnvoll, auch hier ein gesundes Maß an Toleranz aufzubringen. Als mögliche Schnittmenge zu „young adults“ funktionieren diese Sequenzen tatsächlich ganz gut und auch die zahlreichen Verfolgungsjagden können sich auf breiter Front sehen lassen – vorausgesetzt man toleriert den klar unter „Panem“ liegenden Gewaltlevel. „Die Bestimmung“ richtet sich noch mehr an Mädchen, Konflikte erzeugen hier weniger pro-aktives Umnieten denn vielmehr emotionale Verarbeitung.

Eine eher befremdliche Welt, zumindest aus der Warte entscheidungsfreudiger Panzerfäuste, die man als Nicht-Fan (ohne wertende Tendenz) zuerst einmal erobern und tolerieren muss. Regisseur Robert Schwentke hat das zumindest so weit bewältigt, dass die Fans glücklich sein werden und der unangenehme Status des „Zwischenfilms“ wesentlich weniger nervt als befürchtet. Kompetentes Handwerk gibt es hier, und das mit immerhin genügend Zug, um die inhaltliche Warteschleife, die über weite Strecken geflogen wird, nicht ganz redundant erscheinen zu lassen. Das große Warten auf das Finale eben...oder, mit etwas bösartigerem Tonfall, das endgültige Ende.