Ein verheerender Krieg mit kolossalen Folgen, eine dystopische Gesellschaft, die in Fraktionen unterteilt wird, Jugendliche, die zu einem Test antreten müssen - und all das endet in einem Kampf auf Leben und Tod. Was wie „Die Tribute von Panem“ klingt, ist jedoch „Die Bestimmung - Divergent“, ein neuer weltweiter Jugendroman-Bestseller, der sich viel von seinen Vorbildern abguckt.

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Harry Potter, Twilight, Die Tribute von Panem, Chroniken der Unterwelt, Vampire Academy und Rubinrot. Jugendromanreihen überschwemmen derzeit den Kinomarkt und es ist noch lange kein Ende in Sicht. Nun möchte auch „Divergent“ (zu Deutsch: „Die Bestimmung“) von Veronica Roth Hollywood erobern.

Die Bestimmung - Divergent - Die Bestimmung von Panem

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Der Film startet bei uns am 10.04.2014 in den Kinos.
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Die Zutaten für den Erfolg sind dabei ganz einfach: Man nehme „Die Tribute von Panem“, mische es mit „Harry Potter“ und anderen beliebten Geschichten und füge ein paar neue Fantasy-Science-Fiction-Elemente hinzu.

Fünf Fraktionen sollt ihr sein

Die Heldin der Reihe hört auf den Namen Beatrice „Tris“ Prior (Shailene Woodley). Sie lebt im Chicago der Zukunft, das nach einem verheerenden Krieg in fünf Fraktionen unterteilt wurde, die sich nach gewissen Tugenden der Menschen gliedern. Diese Fraktionen ähneln sehr den vier Häusern in Harry Potter. Beatrice wächst in der Fraktion der „Hufflepuffs“ auf, hier genannt „Altruan“. Sie sind selbstlos und hilfsbereit und führen ein sehr schlichtes Leben.

Einmal im Jahr müssen alle 16-Jährigen einen Eignungstest ablegen, der ihnen sagt, welche Fraktion am besten zu ihnen passt. Diese Tests sind aber nur ein Richtwert – und damit mehr oder minder unwichtig für das System, obwohl um sie großes Aufsehen gemacht wird. Denn egal wie die Tests ausgehen – die Jugendlichen dürfen sich danach frei für eine Fraktion entscheiden, auch unabhängig davon, in welcher sie aufgewachsen sind. Das Verfahren ähnelt damit zwar irgendwie dem „Sprechenden Hut“, die Entscheidung trifft aber letztendlich das Individuum.

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Shailene Woodley als Beatrice.
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Bei diesem Eignungstest erfährt Beatrice aber etwas ganz anderes: Sie passt aufgrund mehrerer Begabungen in keine der fünf Fraktionen eindeutig hinein, womit sie eine „Unbestimmte“ ist. Die Regierung hält die sogenannten „Unbestimmten“ für potentiell gefährlich, weswegen Beatrices Prüferin ihr rät, niemanden vom diesem Ergebnis zu berichten – ihr Leben stünde sonst in Gefahr. Warum diese Art von Mensch so gefürchtet wird, erfährt man im Film aber nicht.

Ferox, hüpfen hier und dort und überall …

Am Tag der Einteilung geht Beatrices Bruder Caleb zu den „Ravenclaws“, beziehungsweise zu den „Ken“ – den Wissenden. Beatrice, als Heldin der Geschichte, zeigt sich natürlich schwer beeindruckt von den mutigen „Gryffindors“, in der Welt von „Divergent“ werden diese jedoch „Ferox“ genannt, damit die Ähnlichkeit nicht zu auffällig ist. Die Ferox sind furchtlose Krieger, die aber auch eine Parallele zu der „Gummibärenbande“ haben: sie hüpfen gerne munter durch die Gegend und stoßen dabei stets Freudenschreie aus.

Die „Woo-Girls“ von Chicago sind alle jung und gutaussehend. Sehen in ihrer engen Lederkluft und mit ihren vielen Tätowierungen aber auch verrucht-sexy und eine Spur gefährlich aus, womit sie genau in das Beuteschema von den heutigen Teenagern passen. Auch sind die Ferox Adrenalinjunkies und springen mit Vorliebe aus fahrenden Zügen – und ebenso auf diese auf.

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Die Verfilmung basiert auf der Buchreihe von Veronica Roth.
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Diese Ausgelassenheit nervt schon nach dem zweiten Auftritt der Ferox. Sofort wird klar, dass diese Fraktion für die Zuschauer als absolut cool und erstrebenswert gelten soll. Sie sind die Helden, die Personen, zu denen man aufschaut, jeder will so sein wie sie. Vor allem Beatrice, weswegen sie sich prompt den Ferox anschließt und dafür von ihren neuen Kameraden tosenden Applaus erntet – alle anderen Fraktionen waren in ihrer Begeisterung sehr sparsam, um für das Publikum den Unterschied zwischen „cool“ und „uncool“ noch deutlicher zu machen. Bei den Ferox herrscht immer Party, bei allen anderen gähnende Langeweile.

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Doch das Leben als Ferox ist anstrengender als erwartet: Beatrice, die sich ab sofort nur noch „Tris“ nennt, muss in der ersten Zeit einige Aufnahmeprüfungen bestehen, damit sie auf ewig bei ihrer neuen Fraktion bleiben darf. Nebenbei kommt sie aber auch noch einer Verschwörung auf die Spur: Jeanine (Kate Winslet), die Anführerin der Ken, ist darauf aus, alle Unbestimmten zu vernichten und fängt deswegen – warum auch immer - an, die Altruan auszurotten.

Gleich und Gleich gesellt sich gern

Aber nicht nur diese Handlung entzieht sich dem Verständnisbereich des Publikums. Auch andere Dinge in „Die Bestimmung - Divergent“ sind nicht durchweg logisch. Das liegt unter anderem an dem fremden System, das zwar kurz, aber nur oberflächlich, erklärt wird und daher für Zuschauer, die die Bücher nicht gelesen haben, etwas lückenhaft wirkt.

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Divergent - Die Bestimmung.
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So bleiben viele Fragen offen, wie zum Beispiel, wo alle älteren Bürger von Chicago stecken, denn diejenigen, die man zu Gesicht bekommt, sind nicht älter als Mitte bis maximal Ende 40, vor allem aber die Ferox sind durchweg junge, knackige Burschen.

Kenner von Jugendbuchreihen dürften aber bemerkt haben, dass noch ein entscheidendes Merkmal fehlt: die Liebesgeschichte. Und die gibt es bei „Die Bestimmung - Divergent“ natürlich auch. Neben diversen hübschen Jungs in der männerdominierten Fraktion der Ferox, hat es vor allem einer unserer Tris angetan: Der verruchte, geheimnisvolle, gutaussehende und anfangs unnahbare Trainer Four (Theo James). Genau, Vier. Wie die Zahl.

Sobald die Gefühle zwischen den beiden klar sind, wird das Erzähltempo erhöht. War dies anfangs noch recht angenehm gehalten, passieren plötzlich zu viele wichtige Dinge auf einmal, Ereignisse überschlagen sich, ein Schicksalsschlag folgt dem nächsten und mit einem Mal ist alles anders. Dadurch fällt es sichtlich schwer, dem Ende zu folgen und nachzuvollziehen, was da nun warum und wie passiert ist.

Fans, die die Bücher gelesen haben, sind hier klar im Vorteil und könnten durchaus Freude an dem Spektakel haben, auch wenn die Hauptdarstellerin nicht gerade die charismatischste ist und sich lediglich darauf versteht, niedlich und verletzlich dreinzuschauen. Da die anderen Darsteller aber auch nicht besonders herausstechen, fällt dies nicht weiter ins Gewicht.