Tim schlendert durch die Straßen von Brüssel, dann schwillt die Musik an. Er wird verfolgt. Komponist John Williams gibt dem Trailer eine bedrohliche Note. Schon bald fallen Schüsse, verschwinden Attentäter in einem blauen Chevrolet in der Nacht. Flugzeuge stürzen ab, Boote werden versenkt, Tim wehrt sich mit Händen, Füßen und wenn es sein muss auch Raketenwerfern.
Die neu aufgelegten Abenteuer von Tim & Struppi versprühen auf der Comic Con in San Diego viel Abenteuer-Flair, viel Action, haben aber auch diesen gewissen mysteriösen Touch. Schließlich entdeckt Tim eine Schatzkarte im Nachbau eines sagenumwobenen Schiffs, der Einhorn. Tim würde also locker als neuer Indiana Jones „Junior“ durchgehen.
Spielberg freut sich über den Indy-Soundtrack
Und da ist es auch wieder: Da da dada da da daaa, da da dada da da dadada. Der legendäre Soundtrack von Williams ertönt und ein sichtlich gut gelaunter Steven Spielberg springt von links auf die Bühne. Die Menge brodelt, die Halle kocht, mit dem Auftritt von Spielberg höchstpersönlich hat hier keiner gerechnet.
Und um die Überraschung perfekt zu machen nähert sich von rechts auch noch Peter Jackson, der es zwar wie üblich nicht geschafft hat sich vorher die Haare zu waschen, aber sichtlich gerührt ist von all dem Jubel und nicht enden wollenden Applaus. Und Spielberg versprüht auch noch mit 65 diesen Spitzbuben-Charme, grinst über beide Ohren und freut sich, dass die Veranstalter zu seinen Ehren nochmal den Indy-Soundtrack rausgekramt haben.
Freuten sich über den Inkpot-Award: Andy Serkis, Peter Jackson und Steven Spielberg.Dann geht’s auch los, weg von Indy, rein ins erste 3D-Abenteuer von Tim & Struppi: „Soll ich euch ein Geheimnis verraten“, fragt Spielberg in die Runde. „Ich wusste lange Zeit nicht viel von Tim und Struppi. Eigentlich wusste ich gar nichts, bis ich im Jahr 1981 eine Kritik zu „Indiana Jones: Jäger des verlorenen Schatzes“ gelesen habe und der Autor meinen Film mit einem Comic namens TinTin (im belgischen Original heißt es “Les aventures de Tintin“) verglichen hat.“
Spielberg schnappt sich den Deckel seiner Wasserflasche, spielt vergnügt damit herum und fährt fort: „Ich konnte kein Wort Französisch, habe aber verstanden worum es geht. Allein weil die Zeichnungen und Schraffierungen der Charaktere und Locations von Hergé so brillant waren.“ Wobei Hergé eigentlich nur ein Künstlername ist, im echten Leben hieß der Belgier Georges Prosper Remi, der seine Hauptfigur, den belgischen Reporter Tim, in 35 Comic-Bänden einmal um die ganze Welt reisen ließ: Von Russland in den Kongo, vom ägyptischen Pharao in die USA und gar mit einer Experimentalrakete auf den Mond.
Der Film soll die Geschichte dreier seiner Werke vereinen, rückt allerdings im Gegensatz zu den Comics direkt das Aufeinandertreffen des miesepetrigen, aber herzensguten Captain Haddock und Tim in den Vordergrund. Wenn der erste Film entsprechend Kasse macht, ist eine Trilogie geplant.
Jackson musste 25 Jahre warten
An dieser Stelle schaltet sich dann auch mal Peter Jackson ein, verbeugt sich förmlich vor den Fans und erklärt: „Ich wusste, dass Steven die Rechte an Tim & Struppi gekauft hatte, und wollte unbedingt einen Film mit ihm machen. Ich war ein junger Regisseur, den keiner kannte und habe damals gerade „Bad Taste“ gedreht, ein Splatter-Streifen mit dem kleinsten Budget was ich auftreiben konnte“. Er lacht. Jackson war damals Drehbuchautor, Regisseur, Produzent, Kameramann und Hauptdarsteller in einer Person. „Wird also Zeit, Steve, ich warte schon seit 25 Jahren darauf, mit dir Tim & Struppi zu drehen“, wirft Jackson seinem Freund rüber.
Von wegen Kinderkram: Tim & Struppi wandern auf den Spuren von Indiana Jones.„Ja, manchmal dauert es etwas länger. Genauer gesagt sechs Jahre, solange arbeiten wir jetzt schon an Tim und Struppi. Was wir hier wirklich erreichen wollen, ist, den einzigartigen Kunststil von Hergé Eins zu Eins in den Film zu bringen.“ erörtert Spielberg. „Es macht keinen Sinn irgendeinen Hollywoodstar zu holen, weil die eben aussehen, wie sie aussehen, und nicht wie Tim, Captain Haddock oder die Thompson-Twins. Und auch so sprechen, beispielsweise hat Captain Haddock einen schottischen Akzent. Zu unserem Glück hat Andy (Serkis, Darsteller des „Gollum“, Anm. d. Red.) auch das drauf. „Ihr glaubt gar nicht, wie schwer es ist, Zwillinge zu finden, die so aussehen wie die Thompsons, sich so verhalten und einfach passen“ wirft Jackson ein.




























Als ob auf einmal alle Filme mit High End MoCap und virtuellem Studio gedreht werden würden -.-
Abgesehen davon ist es aber nett zu hören, dass diese zwei lebenden Legenden anscheinand ganz dicke Kumpels sind, welche viel Freude beim Filmemachen hatten *g*. Wenn der Film so gut wird wie es der Trailer verspricht, dann freue ich mich auf jeden schonmal auf den Kinobesuch!