Der Fall der West Memphis Three bewegt seit mehr als 20 Jahren die Öffentlichkeit – zumindest in den USA. Es ist die Geschichte grausamer Morde, die im Jahr 1993 begangen wurden. Drei Kinder verschwanden und wurden erst am nächsten Tag wieder gefunden. Tot. In einem Fluss versenkt. Die Polizei hat sehr schnell Verdächtige parat: Drei Jugendliche, die wegen kleinen Delikten auffielen. Vor allem aber ist es Damien Echols, der als Hauptverdächtiger gilt.

Devil's Knot - Im Schatten der Wahrheit - Official Trailer #1

In der gottesfürchtigen Gemeinde ist man dem vermeintlichen Satanisten gegenüber misstrauisch. Man traut ihm auch einen Mord zu. Die Polizei ermittelt nur in eine Richtung. Auch vor Gericht ist schnell klar, in welche Richtung dieser Fall steuert. Eine Verurteilung soll erfolgen, egal, wie widersprüchlich die Zeugenaussagen und wie wenig überzeugend die Beweise auch sein mögen.

Devil's Knot - Im Schatten der Wahrheit - Haben drei Jugendliche rituelle Morde begangen, um Satan zu huldigen?

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Der Film kommt bei uns am 12.12.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Das ist die Geschichte der West Memphis Three, die auch heute noch polarisiert. Im Verlauf von 18 Jahren haben sich zahlreiche Menschen für die Drei eingesetzt, weil sie sie für unschuldig halten. Es wurden Dokumentationen gedreht, neue Beweise gefunden und Prominente setzten sich für die Verurteilten und eine Wiederaufnahme des Verfahrens ein.

Mit Atom Egoyans Film „Devil’s Knot“ kulminiert das Ganze nun, auch wenn kein Schlusspunkt gesetzt werden kann. Denn aufgeklärt sind diese Morde bis heute nicht.

Nicht der erste Film

Schon vor Egoyan gab es einen Film, der sich mit dem Fall befasste, der aber in seiner Erzählweise sehr tendenziös ist. Gerade das kann man „Devil’s Knot“ wirklich nicht vorwerfen. Er bleibt so objektiv, wie das einem Film überhaupt nur möglich ist und breitet vor dem Zuschauer aus, was sich innerhalb, aber auch außerhalb des Gerichts abspielt.

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Pam Hobbs (Reese Witherspoon) sucht die Mörder ihres Kindes.
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Er versucht nicht, Sympathie für die West Memphis Three zu wecken, zeigt aber, dass der Fall gegen sie auf wackligen Füßen stand. Es kommt einer Hexenjagd gleich, wie gegen die drei Jugendlichen ermittelt und verfahren wurde.

Der Film präsentiert die Details, er zeigt die Zeugenaussagen, die Beweise, die Zweifel, die Unstimmigkeiten, einfach alles, was man als Zuschauer wissen muss, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. So detailliert und exakt sind Verfilmungen realer Ereignisse selten. Dafür gibt es aber natürlich auch einen Grund: Spannung lässt sich so kaum erzeugen.

Ein Doku-Drama

Von seiner Machart her erinnert „Devil’s Knot“ an David Finchers „Zodiac“. Der Film verzichtete auch auf den Aufbau von Spannung, sondern wählte einen dokumentarischen Ansatz, um seine Geschichte zu erzählen. So verfährt auch Egoyan, der oftmals Szenen einfügt, die wie die Interviews aus einer Dokumentation erscheinen.

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Regie führte Atom Egoyan.
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Den dokumentarischen Ansatz verfolgt der Film darüber hinaus durch die akribische zeitliche Einordnung, die dem Zuschauer immer wieder zeigt, innerhalb welcher Zeiträume sich die Geschichte entwickelt.

Wer sind die Täter?

Der Film bietet keine Lösung, wo es in der realen Welt auch keine gab. Er lässt die Fakten für sich sprechen, die allerdings so diffus sind, dass sich nur schwerlich sagen lässt, was an jenem verhängnisvollen Tag wirklich geschehen und wer der Schuldige ist.

Der Film präsentiert die Fakten, lässt aber den Zuschauer seine eigene Entscheidung finden. Spannend ist er allerdings nicht, das verhindert der dokumentarische Ansatz.Fazit lesen

So wie es immer Zweifel an der Schuld der West Memphis Three gab, gibt es diese natürlich auch bei allen anderen Menschen, die für die Tat in Frage kommen, auch wenn manche, wie die von Reese Witherspoon gespielte Pam Hobbs offensichtlich sehr sicher ist, wer ihren Sohn ermordet hat.

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Star-Power

Man merkt dem Film an, dass das Thema besonders auch in Hollywood die Leute bewegt hat. Hier findet sich ein sehr namhaftes Ensemble. Bis in die Nebenrollen ist der Film exzellent besetzt: Colin Firth führt ein Ensemble an, zu dem u.a. Dane DeHaan, Mireille Enos, Stephen Moyer und Bruce Greenwood gehören. Letzterer muss auch die einzig eindimensionale Rolle spielen, aber so, wie es scheint, war Richter David Burnett tatsächlich derart voreingenommen.