Kurz vor dem amerikanischen Kinostart von „Devil's Due – Teufelsbrut“ gelang den Produzenten des Films ein bemerkenswerter kleiner Marketing-Coup: Millionenfach wurde ihr virales Video angeklickt, in dem eine monströse Babypuppe reihenweise ahnungslose Passanten verschreckt. Der Film zum Promo-Stunt ist allerdings ungleich weniger originell, um es vorsichtig auszudrücken. Und vor einem Kassenflop konnte dieser Gag ihn auch nicht bewahren.

The Hangover Baby

Verliebt, verlobt, verheiratet. Nur Kinderpläne haben Samantha (Allison Miller) und Zach McCall (Zach Gilford) bislang keine geschmiedet. Die Hochzeitsreise des frisch vermählten Paares endet allerdings mit einer handfesten Überraschung: Während ihres Urlaubes in Santo Domingo müssen die beiden offenbar ausgerechnet in jener rauschenden Partynacht ein Kind gezeugt haben, an die sie sich Dank eines Komplettabsturzes nicht im Geringsten erinnern können.

Devil's Due - Teufelsbrut - Rosemaries Baby 2.0

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Erst die Hochzeit…
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Der Zuschauer weiß da natürlich schon mehr als die ahnungslosen Eltern in spe. Weil „Devil’s Due“ natürlich wieder ein (kostengünstig produzierter) Found-Footage-Film ist, präsentiert er sich vorwiegend in wackeligen Heimvideo-Aufnahmen. Und die enthüllen, was Hobbyfilmer Zach noch nicht wissen kann: Von einem Taxifahrer ins Dominikanische Nachtleben gelockt, wurde Samantha von einem Satanskult auserkoren, das Kind des Teufels zur Welt zu bringen!

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Natürlich könnte man meinen, dass jeder Mensch, der vor laufender Kamera einen Filmriss erleidet, im Anschluss zumindest einmal das gefilmte Material sichten wollen würde. Könnte ja unter Umständen ganz erhellend sein. Diese Idee kommt dem werdenden Vater Zach allerdings erst nach etwa zwei Dritteln, bis dahin wundert er sich ebenso rat- wie hilflos über die erwartungsgemäß unüblichen Nebenerscheinungen der Schwangerschaft. Und auch über das merkwürdige Verhalten seiner Frau.

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…und dann das Vergnügen.
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So überkommt Vegetariern Samantha im Supermarkt etwa ein Heißhunger nach rohem Fleisch, zertrümmert sie wie von Sinnen die Scheiben eines fremden Autos oder ritzt gigantische Pentagramme in den schönen Parkettboden. Viel zu spät (und zwar wirklich: viel, viel zu spät) scheint es Zach zu dämmern, dass auch die ihn und seine Frau so seltsam beobachtenden fremden Männer rund ums Haus vielleicht ein untrügerisches Indiz dafür sein könnten, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Unheilvolle Schwangerschaften haben im US-Horrorfilm spätestens seit den 70er-Jahren Tradition. In „Die Wiege des Bösen“ (1974) fällt eine Mutter einem Experiment mit Fruchtbarkeitspillen zum Opfer und gebärt ein mörderisches Baby. Der Genreklassiker „Das Omen“ (1976) konfrontierte Lee Remick mit einem Kind, das vom Teufel höchstpersönlich gezeugt wurde. Und in „Des Teufels Saat“ (1977) wird die arme Julie Christie von einem vermeintlichen Computer (!) befruchtet.

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Wenn doch nur diese lästigen Nebenwirkungen der Schwangerschaft nicht wären.
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Immer schön die Kamera laufen lassen

Sie alle waren mehr oder weniger inspiriert von „Rosemaries Baby“, jenem dämonischen Meisterwerk, das 1968 den Startschuss für zahllose ähnlich gelagerte Horrorthriller lieferte. „Devil’s Due“ ist nun vielleicht sogar dessen schamlosestes Rip-Off, so er die altbekannte Geschichte einfach noch mal in YouTube-Ästhetik erzählt. Müßig zu erwähnen, dass Allison Miller keine Mia Farrow ist. Und die Regisseure Tyler Gillett und Matt Bettinelli-Olpin keine Roman Polanskis.

Dabei haben sich Gillet und Bettinelli-Olpin, die Teil eines jungen Regiequartetts namens Radio Silence Productions sind, mit einer viel versprechenden Arbeit für „Devil’s Due“ beworben. Deren um eine aberwitzige Halloween-Nacht kreisendes finales Segment in „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ war immerhin das mit Abstand beste der Horroranthologie. Und demonstrierte auch einen spielerischen Zugang zum längst ausgelutschten Found-Footage-Stil.

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Für diesen Goldschatz aber haben sich alle Strapazen gelohnt. Auch wenn er im Film gar nicht erst zu sehen ist. Ein teuflischer Marketingschwindel?
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Genau diesem Stil haben die beiden Filmemacher hier allerdings überhaupt nichts mehr hinzuzufügen. Das Camcorder-Gewackel wird in der zweiten Hälfte zwar um Aufnahmen aus öffentlichen Überwachungskameras sowie heimlich im Haus installierten Spy Cams erweitert. Aber auch das kennt man aus den fünfhundert „Paranormal Activity“-Filmen oder dem ästhetisch wesentlich interessanteren „Chronicle – Wozu bist du fähig?“ alles schon zu genüge.

Kinogeld sparen und lieber eigene Urlaubsvideos von früher rauskramen – die dürften garantiert gruseliger sein.Fazit lesen

Mit den hinreichend bekannten Fragen nach Plausibilität (die hinderliche Kamera sowohl bei jedem Furz als auch im Angesicht größter Gefahr stets fleißig mitlaufen lassen) braucht man sich bei solchen Found-Footage-Produktionen natürlich längst nicht mehr beschäftigen. Gleichwohl das Finale hier immerhin mit Bildern der Spy Cams und Aufnahmen einer an Zachs Hemd befestigten Minikamera montiert ist, was zwar ebenfalls keinen Sinn hat, aber das Geschehen wenigstens einigermaßen übersichtlich hält.

Devil's Due - Teufelsbrut - Viral Video: "Devil Baby Attack"Ein weiteres Video

Apropos Finale: Die bis dato mit künstlicher Spannung auf kommende Ereignisse gebaute Erwartungshaltung (bzw. das Durchhaltevermögen des Zuschauers) wird natürlich in keiner Weise rückvergütet. Als es dann endlich mal richtig losgeht, ist der Film schon wieder vorbei. Ein bisschen demolierte Inneinrichtung und zünftiges Gekreische machen aber noch keinen packenden Schlussakt. Und vom im viralen Video versprochenen Baby fehlt gar jede Spur.