Vielleicht sollte man „Tatort“-Fan sein, um „Desaster“ etwas abgewinnen zu können. Das Gekabbel von Jan Josef Liefers und Axel Prahl wahlweise „köstlich“ oder „herrlich schräg“ finden. Oder vielleicht auch seit 15 Jahren, so ca. seit „Sexy Beast“, in einer auf der Pausetaste thronenden Parallelwelt leben. Dann, ja dann besteht der Hauch einer Chance, dieser nach einem zum Titel passenden Kalauer einfach schreienden Gangsterkomödie aus Deutschland etwas Gutes abgewinnen zu können.

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Der Plan war kacke

„Desaster“ ist der zweite Kinofilm von Regisseur Justus von Dohnányi, der sonst vor allem als vielseitiger und vielbeschäftigter Schauspieler aktiv ist. Von „Hanni & Nanni 3“ über diverse „Tatort“-Folgen bis hin zu „Schlag weiter, kleines Kinderherz!“, der Mann ist präsent...und anscheinend auch so beliebt, dass er nun mal wieder hinter die Kamera durfte. Ohne zündendes Drehbuch, ohne Sinn für Gags und Timing, ohne einen Hauch von inszenatorischer Eigenständigkeit – aber immerhin mit Fördergeldern und seinen alten „Bis zum Ellenbogen“-Kumpels, Jan Josef Liefers und Stefan Kurt.

Desaster - Wenn Filmtitel brutal ehrlich sind

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Mimische Profis bei der Arbeit: Jan Josef Liefers und Justus von Dohnányi.
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Alles nach Plan also, zumindest wenn es darum geht, in St. Tropez einen von Steuergeldern finanzierten Urlaub abzufeiern, bei dem am Ende der zutiefst deutsche Versuch herauskommt, eine zutiefst amerikanische Gangsterkomödie à la Tarantino nachzuzimmern. Mit einem Anwalt namens Jürg Würsch (Stefan Kurt), einem Gangsterboss (Milan Peschel), der Frau des Gangsterbosses (Anna Loos), ihrem Geliebten (Maximilian Simonischek) und den Auftragskillern Mace (Jan Josef Liefers) und Ed (Justus von Dohnányi). In diesem Personenkreis wird gemordet, hintergangen, mit doppeltem Boden gespielt und immer wieder der Kontrast zur strahlenden Côte d'Azur-Sonne gesucht.

Sexy Motherfuckers

Denn Leute, das ist echt das voll abgefahrene Ding hier – im Hintergrund diese strahlende Landschaft und davor dann eine windschiefe Ohnsorg-Theater-Aufführung voller fertiger Karikaturen, die alle faustdick Dreck am Stecken haben. Und dabei heillos unterschriebene Pappfiguren abgeben, die über ein paar Ticks definiert werden und ansonsten ihr Heil in trashigen Pulpdialogen suchen. Eben ganz im Sinne der Subline des Films, „Alles lief nach Plan. Aber der Plan war kacke“, deren brachiale Kokskicherei die hier Beteiligten wahrscheinlich tatsächlich voll geil und schräg und abgedreht finden.

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Reine Routine: Foltern und mit Mutti telefonieren.
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Was sie aber nicht ist. Also überhaupt nicht, bis zu dem rasch erreichten Punkt, an dem man anfängt, das bereits im Ansatz völlig falsche Drehbuch für jeden stocksteif vorgetragenen Antiwitz ein wenig näher ans Kaminfeuer zu schieben. Im Jahr 2000, als „Sexy Beast“ in einem ähnlichen Setting einen ersten Abgesang auf „kultige“ Gangstermarotten einläutete, wäre „Desaster“ vielleicht noch als „bemüht“ durchgegangen, doch heutzutage sind so Uralt-Kamellen, wie die gleichzeitige Folterung eines armen Opfers und ein nettes Telefongespräch mit Mutti, einfach nur faul. Und zeugen von einer ungesunden Schräglage, die vordergründig deutsches Genrekino voranbringen will und dabei eine ausgedörrte Nummernrevue unter jedem Münster-„Tatort“ auftischt.

Und damit noch nicht mal genug: Begleitet wird Justus von Dohnányis träge Inszenierung nämlich von völlig überzogen agierenden Schauspielern, die einfach nicht zu ihren Figuren finden und die Dialoge wie abgelesen herunterdeklamieren. Das ist alles so Deutsch, so furchtbar, furchtbar stocksteif-lässig, so abgehoben gewollt. Als in einer, nun ja, affinen Kinovorstellung der Trailer für „Desaster“ lief, herrschte im weiten Rund eisige Stille. Nicht ein Lacher, nicht ein Kichern, nichts. Vielleicht mag der Film ja ein paar „Tatort“-Fans ins Kino locken, eine bekanntermaßen äußerst leidensfähige Klientel, doch ansonsten dürfte „Desaster“ einen schnellen Gnadentod sterben – was die hier Beteiligten wahrscheinlich auch noch zum Kult drehen. „Tja, fuck, die Fördergelder sind futsch. Aber immerhin waren wir mal echt weit weg vom üblichen Tellerand.“