Der Vorleser – Filmkritik

Hier spielt sich Kate Winslet zum Oscar

7
von Rajko Burchardt, 25. Februar 2009 15:20 Uhr

In diesem Film stecken viele Geschichten: Es ist ein Coming-of-Age-Stoff ebenso wie ein Außenseiterdrama, eine ungewöhnliche Lovestory mindestens so sehr wie ein faktischer Gerichtsthriller, und im Besonderen ist „Der Vorleser“ heikles Geschichtsmaterial, das Fragen nach Verantwortung und Schuld, Opfer- und Täterrollen verhandelt. Zunächst in den 50er Jahren, später in der Gegenwart verortet, untersucht der Film den zeitgemäßen Generationskonflikt – an einem brisanten Beispiel: Es geht um die Aufarbeitung der Naziverbrechen.

Eine verhängnisvolle Affäre

Die Verfilmung des Erfolgsromans ignoriert ebenso wie die Vorlage die historische Ernsthaftigkeit – und stellt stattdessen eine schmalzige Romanze in den Vordergrund. Ein Trauerspiel.FazitDoch erst einmal erzählt „Der Vorleser“ eine reine Liebesgeschichte: Der an Gelbsucht erkrankte 15jährige Michael Berg (David Kross) erleidet auf dem Nachhauseweg von der Schule eine Panikattacke und muss sich übergeben. Eine schroffe Frau (Kate Winslet) kommt dem Jungen zu Hilfe und nimmt ihn mit zu sich in die Wohnung. Es ist der Beginn einer intimen Beziehung. Nach anfänglicher Scheu sehen sich der Schüler und die so viel ältere Schaffnerin jeden Tag. Er liest ihr dann aus Büchern vor, und anschließend schlafen sie miteinander.

Screenshot zu: Hier spielt sich Kate Winslet zum OscarHanna ist Analphabetin, also liest Michael ihr aus seinen Büchern vor.

Plötzlich steht eines Nachmittags die Wohnung der Frau leer, Michaels heimliche Geliebte ist verschwunden, weggezogen, geflüchtet. Acht Jahre und einen – im Vergleich zur Vorlage weniger radikalen – zeitlichen Schnitt später besucht Michael, nunmehr Jurastudent, eine Gerichtsverhandlung. Auf den Anklagebänken sitzen damalige KZ-Aufseherinnen eines ehemaligen Außenlagers von Auschwitz. Es ist das erste Mal, dass der junge Mann jene Frau wieder sieht, in die er sich als 15jähriger verliebte.

Hanna Schmitz, so ihr Name, ist in diesem Prozess die Hauptangeklagte, sie wird für ihre Kriegsverbrechen zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Doch niemand außer Michael kennt ihr unausgesprochenes Geheimnis: Hanna ist Analphabetin. Über Jahre hinweg liest er auf Tonbändern aus Büchern vor, die er ihr ins Gefängnis schickt. Bis er, nun schon im reiferen Alter und gespielt von Ralph Fiennes, eines Tages eine Briefantwort erhält.

Kommentare 7
Bitte Logge dich ein oder aktiviere Javascript um einen Kommentar zu schreiben.
blöööd20.01.2011 17:49
ihr seit hässlich!
Zitieren
muh02.03.2009 13:54
Und die Winslet ist sowieso dumm und hässlich!
Zitieren
daCo26.02.2009 15:16
ich bestreite nicht, dass der Stoff kontrovers erscheint, aber in der hier veröffentlichen Kritik wird der Stoff nicht als kontrovers, sondern als unerträglich verlogen und undifferenziert dargestellt ohne die andere Seite zu erwähnen.
Die Schuldfrage wird in diesem Buch aus einer anderen Sicht angegangen. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine Blick aus der Perspektive von Menschen die nach dem Krieg geboren oder aufgewachsen sind aber noch von den 'Tätern' umgeben waren.
Dies ist ein Aspket unserer Geschichte und man muss auch dieses Kapitel bearbeiten dürfen um die späteren Geschehnisse (Stichwort 68er) verstehen zu können.
So hart es klingen mag, aber die Ofer spielten in diesem Prozess keine direkte Rolle und es wäre verlogen ihnen zwanghaft eine aufzudrängen.
Kontrovers: ja, unerträglich, verlogen: nein und @prozac: verdammtnochmal vorbei? : wohl kaum
Zitieren
Prozac25.02.2009 23:51
Ich denke , dass das buch im allgemeinen überbewertet wurde, was die "tiefere" bedeutung betrifft.Es ist ein ausschnitt eines erlebens dieser nachkriegszeit, gekoppelt mit der romanze, die möglicherweise eine symbilik darstellen könnte.jedoch ist es nicht mehr.keine lösung der schuldfrage ist gegeben, keine allgemeingültige antwort wird erbracht.natürlich nicht.schlimm ist nur wenn im film die romanze nicht die gewichtigkeit erhält, welche sie im buch hatte und welche sehr wichtig ist fürs verständnis ist. das kein hollywood dieses an sich schon schwierige buch verständlicher oder besser in filmischer art und weise in scene setzen kann, ist ohne frage.
Im allgemneinein geht mir das buch sowieso auf den sack. es ist eine interessante sichtweise auf die dinge, eine wertvolle perspektive.aber eben nur ein weiteres verdammtes buch über diese verdammte zeit.verdammtnochnmal langweilig,verdammtnochmal vorbei.
Zitieren
Rajko BurchardtRajko Burchardt25.02.2009 21:49
Es war mir klar, dass diese Haltung auf Kritik stoßen würde. Aber der Diskurs, den dieses Buch in Gang gesetzt hat, ist auch nicht einfach damit abzutun, dass einer verstanden habe, worum es geht, und der andere eben ganz einfach nicht. "Der Vorleser" ist ein kontroverser Stoff und er wurde seinerzeit auch harsch kritisiert (Stichwort: Kulturpornographie).

Natürlich ist Schlink kein "dahergelaufener Schnulzenautor", und sein Buch ist ja auch ungemein clever geschrieben - nicht zuletzt würde ich es immer als exemplarischen Roman anführen, der hoch- und massenkulturelle Literatur verbindet.

Ich finde den Umgang des Buches mit der Schuldfrage eben bedenklich. Das hat nichts damit zu tun, dass es nicht notwendig sei, die Täter aus einer überhöhten dämonischen Rolle herauszuholen, sondern eben Entschuldigungen für ihre Taten zu suchen, Verständnis zu evozieren und sogar Identifikationsangebote zu machen (die Scham wird gegen die Schuld ausgespielt). Das Buch und auch der Film geben fast ausschließlich nur dem Täter eine Stimme, die Opfer spielen keine Rolle, die eigentliche (!)Thematik geht in hübscher Holocaustästhetik unter (der Besuch Michaels im KZ ist wahrlich an formaler Geschmacklosigkeit schwer zu überbieten). Das Buch windet sich doch völlig um die von dir beschriebene Auseinandersetzung und Konfrontation. Im Film sogar noch stärker, da Hannas Taten nicht einmal erläuert werden, während das Buch ja immerhin noch die sachlichen Gerichtsgutachten berücksichtigt (und sich damit in Fakten und emotionale Distanz flüchtet). Nein, der Stoff ist problematisch, nicht zuletzt weil dieser schrecklich altherrenmäßige Liebesdunst der Geschichte die bittere Thematik verhüllt.

Dennoch würde ich nie bestreiten, dass das Buch auch Qualitäten in sich trägt. Wie gesagt, es ist ein Diskurs, es gibt zwei Seiten der Medaille. Ich hatte das Glück, dass das Buch in der Schule auch entsprechend kritisch rezipiert wurde.
Zitieren
daC025.02.2009 21:16
Und der Autor dieser Kritik zeigt eindrucksvoll, dass er das Buch nicht verstanden hat und sich den platten Behauptungen von Schmalspur(internet)kritikern bedient.
Schlink ist kein dahergelaufener Schnulzenautor, sondern einer der angesehensten Juristen Deutschlands. Den Vorleser als Stoff fürs 'gute Gewissen' abzustempeln verkennt die Tiefe dieses Werkes (als Buch).
Es geht gerade nicht um das 'Reinwaschen', was schon ein kleiner Blick auf das Ende des Buches hätte verraten können. Es wird keine Absolution angestrebt und auch nicht erteilt.
Vielmehr stellt Schlink -stellvertretend für eine ganze Generation- die Verwirrungen des Michael dar, indem er die (unbestrittene) Schuld der Hanna Schmitz auf Michaels Zuneigung und das Unverständnis der Nachkriegsgeneration für das Geschehene treffen lässt.
Es mag aus der Sicht der Kinder der 80er schwer sein sich das vorzustellen, aber es gab eine Zeit in der ein jeder damit konfrontiert war, was die Menschen die sie liebten getan haben. Die Suche nach Entschuldigungen und Ausflüchten klingt nicht mehr ganz so absurd oder verharmlosend, sondern menschlich.
Zitieren
Besserwessi25.02.2009 18:57
war ja klar, hier zeigt sich, dass sie sich nur zum oscar hochgeschlafen hat. hollywoood ist so erbärmlich.
Zitieren
Der Vorleser
Der Vorleser FilmplakatRegie: Stephen DaldryGenre:DramaFilmstart: Darsteller:Hannah Herzsprung, Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes
Interessiert mich!
Hab ich
Will ich
Schon gesehen

  • SWTOR Klassenguides
  • TERA PreOrder auf dlgamer.com
  • Skylancer - Battle for Horizon: Gewinnt einen von 300 Beta-Keys