Gandalf und Harry Potter? Nur Fiktion! Siegfried und Roy? Zwei Typen mit Schmusetigern. Und David Copperfield ist bloß ein Bildungsroman des englischen Schriftstellers Charles Dickens. Denn „der unglaubliche Burt Wonderstone“ lässt alle anderen Magier und Illusionisten der Gegenwart vergessen.

Burt Wonderstone (Steve Carell) ist der größte Zauberer unserer Zeit und bildet mit seinem Kollegen Anton Marvelton (Steve Buscemi) das Zauberkünstler-Superstar-Duo „Der unglaubliche Burt und Anton – eine magische Freundschaft“. Seit ihrer Schulzeit zaubern die beiden zusammen, bekamen ihre ersten eigenen Shows und später sogar ein eigenes Theater in Las Vegas.

Von den großen Showstars…

Doch Ruhm und Reichtum bringen nicht nur hübsche Bettgeschichten mit sich, sondern auch Nachlässigkeit. Und die Konkurrenz schläft nicht. Nach vielen Jahren der ewig gleichen Show sind die Nummern ausgelutscht und die Zuschauer bleiben aus. Stattdessen erfreuen sich junge, waghalsige Illusionisten und Close-up-Magier wachsender Beliebtheit.

So zum Beispiel der Streetmagier Steve Gray (Jim Carrey als „Mindfreak“-Criss-Angel-Verschnitt), der viel mehr ein Meister des „Aushaltens“ ist als ein echter Magier. Zwölf Tage aushalten ohne zu urinieren? Für Steve kein Problem! Auf glühenden Kohlen laufen? Pah, unter seiner Würde! Er schläft sogar stundenlang auf ihnen! Denn er ist der Rockstar unter den Aktionskünstlern und zieht das Publikum magisch an.

Der Unglaubliche Burt Wonderstone - It's a kind of magic

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Die gute alte Zeit: als Magier noch Wert auf gutes Aussehen legten.
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… zu gefallenen Altstars

Burt und Anton müssen sich also schnell etwas Neues einfallen lassen, versuchen sich als Streetmagier, doch ihr erster Versuch in der „Hot Box“ schlägt fehl, Burt kämpft schon nach wenigen Minuten mit Klaustrophobie. Unter dem immensen Druck, der sich über die Jahre zwischen den beiden angestaut hat und im Zuge der fehlgeschlagenen Nummer herausplatzt, zerstreiten sich die beiden besten Freunde, die „magische Freundschaft“ - der Aufhänger ihrer Show - zerbricht.

Daraufhin gehen Burt und Anton getrennte Wege. Während Anton versucht, armen Kindern in hilfsbedürftigen Ländern mit Magie eine Freude zu machen, möchte Burt weiter an seiner Karriere arbeiten und trifft dabei auf sein großes Idol Rance Holloway (Alan Arkin), der Burt zu seinen Wurzeln zurückführen möchte.

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Profis bei der Arbeit

Zu der hochkarätigen Besetzung in den Hauptrollen stoßen in den Nebenrollen Olivia Wilde als glamouröse Assistentin Jane, Comedian Jay Mohr als erfolgloser Komiker, James Gandolfini als wohlhabender Casino-Besitzer und Michael „Bully“ Herbig als verwundeter Zauberer, der wie Siegfried und Roy mit Raubkatzen auftritt. Michael „Bully“ Herbig in einem Hollywoodfilm neben Genregrößen wie Jim Carrey und Steve Carell? Richtig gelesen.

Doch auch wenn die deutschen Medien dieses Ereignis ohne Ende hochpuschen und Bully in jedem Trailer zu sehen ist, hat er lediglich eine winzig kleine Sprechrolle, die bloß zwei Mal zu sehen ist. Trotzdem: Glückwunsch auch von meiner Seite.

Über Burt Wonderstone zu lachen, ist keine Zauberei. Fans von Jim Carrey, Steve Carell und Steve Buscemi kommen definitiv auf ihre Kosten.Fazit lesen

Bedeutender hingegen ist der Gastauftritt von David Copperfield, denn der berühmte Illusionskünstler taucht nicht nur vor der Kamera auf, er ist auch hinter der Kamera als Berater für die Bühnenillusionen tätig und beweist damit Humor und Mut zur Selbstkritik. So entwickelte er eigens für den Film eine Illusions-Nummer namens „Hangman“, die von den beiden Steves sorgfältig einstudiert wurde und im Film stilgetreu vorgeführt wird.

Diese Szene drehte Regisseur Don Scardino („30 Rock“) ohne Schnitt – und zwar so gelungen, dass es kaum auffällt. So funktioniert die Nummer im Kino und auf der realen Bühne, was das Ganze umso erstaunlicher macht und zur Atmosphäre der Komödie beiträgt.

Der Unglaubliche Burt Wonderstone - It's a kind of magic

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Mindfreak: Jim Carreyy als Criss-Angel-Verschnitt.
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Kritik an der Magierszene

Aber „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ weist nicht nur sehr viele lustige Stellen auf, an denen gerne laut gelacht werden darf, sondern auch Kritik an der Szene. So werden beispielsweise die lächerlichen, paillettenbesetzten Bühnenoutfits, die die Magierwelt über lange Zeit beherrschten, auf die Schippe genommen, aber auch die Gefahr im Umgang mit Raubtieren auf und hinter der Bühne wird kurz angerissen.

Ebenso sind die Veränderungen in der Szene Thema: Weg von der klassischen Zauberstab- und Zauberhut-Magie, hin zur gefährlichen, extremen und schockierenden Close-up–Zauberei, die an die Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit geht, wenn sich Aktionskünstler wie der Amerikaner David Blaine lebendig begraben oder einfrieren lassen oder sich das deutsche Pendant Farid Nagelpistolen an den Kopf hält.

Da wird die etwas einfach gestrickte Ausgangshandlung – zwei abgebrannte Superstars, die auf dem Boden der Tatsachen ankommen und zu ihren Wurzeln zurückkehren (was stellenweise an die „Eisprinzen“ erinnert) – Nebensache. Denn bissige Gags, ein bestens aufgelegtes Ensemble (allen voran Kult-Komiker Jim Carrey) und das spritzige Drehbuch der „Kill the Boss“-Autoren Jonathan M. Goldstein und John Francis Daley machen aus „Der unglaubliche Burt Wonderstone“ einen unterhaltsamen und sehenswerten Film.