Im Grunde grenzt es ja an Masochismus, sich in deutsche Komödien zu begeben und zu hoffen, dass diesmal alles anders wird, dass der Humor ausgewogen, vielleicht sogar frisch, dass die Geschichte nicht an den Haaren herbeigezogen und jedem Klischee hinterher hechelnd ist, dass der Kitsch nicht literweise trieft. Aber dann sitzt man im Kino, ein Matthias Schweighöfer (wahlweise eine der anderen Romcom-Nasen des deutschen Kinos) erscheint, und eins wird klar: Es wird wieder knapp 100 Minuten lang gelitten.

Der Nanny - Trailer

In Schweighöfers neuester Regiearbeit spielt er natürlich selbst mit. Er hat sich die Rolle des Arschlochs verpasst. Clemens Kliena, reicher Typ, Baulöwe, in der riesigen Villa lebend und mit zwei Kindern gesegnet, die bisher noch jede Nanny vertrieben haben.

Eine davon ist Veronica Ferres, die im Kino auch immer häufiger in Drei-Minuten-Rollen zu sehen ist, es aber verlässlich schafft, auf Fernseh-Niveau zu performen. Ein paar Tränchen darf sie sich auch herausdrücken – eine besondere Spezialität der Schauspielerin.

Der Nanny - Macht Schweighöfer wieder deutsche Komödien-Sülze oder endlich mal einen guten Film?

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Der Film läuft ab dem 26.03.2015 in den Kinos.
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Aber egal, sie ist ja schnell weg vom Fenster, was Clemens vor ein Problem stellt. Er braucht eine neue Nanny. Da trifft es sich doch super, dass Rolf Horst (Milan Peschel) in seiner Villa auftaucht. Wie genau? Er muss wohl die Tür aufgebrochen haben, aber so genau weiß man das nicht.

Eigentlich will Rolf den armen Clemens ja vermöbeln, weil dessen Bauprojekt die tolle Nachbarschaft, in der er haust, kaputt macht. Und nicht nur das, die heruntergekommene Kneipe, in der seine Kumpane und er den lieben langen Tag verbringen, soll ja auch schönen Neubauten weichen.

Aber gut, nun will er ihm kräftig eine scheuern, doch – oh Wunder, oh Wunder – Clemens hält ihn für eine Nanny und heuert ihn vom Fleck weg an. Vollkommen egal, dass er aussieht, als hätte er die letzte Woche unter der Brücke verbracht. Hauptsache irgendjemand passt auf die Gören auf, gerne auch abgerissene Männer, die man nicht kennt.

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Ein lustiger Schweighöfer-Film? Träumt weiter.
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Der dolle Plan

Man muss nun echt kein Hellseher sein, um zu wissen, was nun kommt. Die Kinder wollen Rolf rausekeln, aber er ist so ein toller Hecht, dass er natürlich nach und nach ihre Sympathien gewinnt. Zudem will er auch noch Clemens zeigen, was er kaputtmacht. Wenn er nur an ihn herankommt, dann ändert Clemens seine Meinung schon – denkt Rolf.

Und so kommt, was kommen muss: Eine Aneinanderreihung von halbgaren Episödchen, die sich einerseits damit befassen, dass Clemens ein ganz, ganz beschissener Vater ist, andererseits natürlich die Familie zusammenbringen sollen.

Kino - Die größten Filmfehler der Filmgeschichte

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Dazwischen gibt es noch ein bisschen Teenie-Herzschmerz, dümmliche Drogen-Gags, rotzige Dialoge für die Jüngsten und natürlich Gags der Marke Asbach Uralt. Das Schlimme daran ist aber, dass diese Witze nicht nur einen unendlichen Bart haben, sondern sich der Film gibt, als hätte er sie gerade erst erfunden.

Alles schon mal dagewesen. Nicht nur einmal, nicht nur zweimal, einfach unglaublich oft!Fazit lesen

Stolz wie ein Gorilla wird sich da auf die Brust geklopft und gebrüllt: „Seht her, so lustig sind wir.“ Allein, zuzuschauen, wie Schweighöfers Figur sich müht, an ein Getränk im Getränkeautomaten heranzukommen, ist vieles, aber nicht witzig. Es war mal witzig, so vor circa fünf Jahrzehnten.