Erst mit zweijähriger Verspätung kommt „Der Mohnblumenberg“ auch in die deutschen Kinos. Hierbei handelt es sich um einen der selteneren Vertreter der Studio-Ghibli-Produktionen, die in der realen Welt angesiedelt ist. Phantastisches oder Märchenhaftes sucht man hier vergeblich, stattdessen wird eine herzliche Geschichte über die erste Liebe erzählt, natürlich abgeschmeckt mit den essenziellen Bestandteilen eines richtig schönen Melodrams.

Der Mohnblumenberg - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Es ist das Jahr 1964. Umi ist ein Mädchen im zweiten Jahr der High-School. Da ihre Mutter in den USA lebt und ihr Vater seit dem Krieg vermisst wird, obliegt es ihr, in der Familie die Verantwortung zu übernehmen.

Jeden Tag hisst sie in ihrem Garten eine Fahne mit einem Signal für ihren Vater, immer hoffend, dass er eines Tages zurückkehren wird. Ihr Leben ist von Routine geprägt, doch das ändert sich, als sie in der Schule den wagemutigen Shun kennenlernt.

Shun ist älter als sie und setzt sich mit seinen Freunden für die Rettung des Clubhauses ein. Das ist ein baufälliges Anwesen, in dem sich die verschiedenen Clubs der Schule wiederfinden. Umi hilft ihm sowohl dabei als auch bei der Arbeit an der Zeitung, die sein Club herausgibt.

Beide kommen sich im Verlauf der Wochen immer näher. Eine zarte Liebe wird entfacht, aber dann werden sie beide einem emotionalen Tumult ausgesetzt, der sich aus ihrer gemeinsamen Familienvergangenheit ergibt.

Der Mohnblumenberg - Auch Miyazakis Sohn hat’s drauf: wunderschöner Zeichentrickfilm aus Japan

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
Ganz ohne Fantasy und Märchenhaftes erzählt Der Mondblumenberg eine herzliche Geschichte.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Zwei Geschichten

Der Film besteht streng genommen aus zwei Geschichten. Einerseits der Rettung des Clubhauses, andererseits der Romanze zwischen Umi und Shun. Beide ergänzen sich durchaus, allerdings ist die Clubhausgeschichte deutlich uninteressanter. Sie hat überhaupt nur Belang, weil sie als eine Art Katalysator dient, um Umi und Shun miteinander bekannt zu machen und ihnen auch im Verlauf des Films etwas Gemeinsames zu geben.

Packshot zu Der MohnblumenbergDer Mohnblumenberg kaufen: ab 8,36€

So langsam, wie die Romanze der beiden jungen Menschen vorbereitet wird, ahnt man bereits, dass es der Film den Liebenden so leicht nicht machen wird. Alle Register des Melodrams ziehend, gibt es ganz plötzlich ein unüberwindbares Problem. Man hat ähnlich gelagerte Stoffe in Film und Fernsehen schon häufig gesehen. Als dem Zuschauer dämmert, was das Damoklesschwert über der jungen Liebe ist, ist eigentlich nur noch interessant, ob es doch noch ein Happy-End geben wird.

Die Auflösung mag am Ende ein wenig erzwungen wirken, aufgrund des zeitlichen Settings sieht man darüber aber eher hinweg, weil die Erklärung sinnig erscheint.

Eine verlorene Generation

„Der Mohnblumenberg“ ist ein sehr stiller, simpler Film, der keine große Geschichte erzählen will, aber es – unter der Oberfläche – doch tut. Man muss sich dafür jedoch vor Augen halten wo Japan in den 60er-Jahren stand und wohin es in den 70er- und 80er-Jahren ging.

Was der junge Miyazaki hier präsentiert, ist ein idealistisches Japan, personifiziert durch die Schüler, die noch daran glauben, etwas retten zu können, wenn sie sich nur genug dafür einsetzen und anstrengen.

Eine Studio-Ghibli-Produktion, die in der Realität angesiedelt ist: ein herzerweichend schönes Melodram.Fazit lesen

Eben diese jungen Frauen und Männer haben dann in den folgenden Jahrzehnten jedoch diesen Idealismus aufgegeben. Er wurde durch Materialismus ersetzt, die Hingabe, der Einsatz und die Anstrengung waren immer noch vorhanden. Sie halfen, Japan zu einer führenden Wirtschaftsnation zu machen, doch ein Gefühl der Freiheit blieb dabei auf der Strecke.

So ist „Der Mohnblumenberg“ auch ein Film des Übergangs, der zeigt, wie eine Ära vorübergeht und eine andere vor der Tür steht. Es waren die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, in denen Japan noch schlief, in dem es sich erst neu erfinden musste. Sieht man sich „Der Mohnblumenberg“ an, dann ist da eine ganz große Portion Wehmut. Man hat das Gefühl, dass die Nation den besten Teil ihrer selbst geopfert hat.

Der Mohnblumenberg - Auch Miyazakis Sohn hat’s drauf: wunderschöner Zeichentrickfilm aus Japan

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 1/31/3
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Erwachsener Zeichentrick

„Der Mohnblumenberg“ richtet sich nicht in erster Linie an ein junges Publikum. Dafür ist die Geschichte nicht aufregend genug. Genauso gut hätte der Film mit echten Schauspielern funktioniert. Dass man Zeichentrick nutzt, ist lediglich dem Umstand geschuldet, dass es eben eine Studio-Ghibli-Produktion ist.

Das ist jedoch erfrischend anders und unterstreicht, warum das Studio Ghibli einen so guten Ruf genießt. Anders als bei Zeichentrickfilmen aus den USA wagt man es hier, Geschichten zu erzählen, die nicht traditionell diesem Format zuzurechnen sind. Auch schön ist, dass man in Japan noch die hohe Kunst des Zeichentricks wahrt und nicht samt und sonders auf Computeranimation umgeschwenkt hat.