Ja ja, kostenlos ins Kino, eine kühle Cola dazu und danach ein bisschen was tippen. Das Leben eines Filmkritikers ist der reinste Spaziergang auf Wolken, doch manchmal kann sich dabei auch die sengende Hölle auftun. Dann brät einem im Kinosessel der Hintern an, die Cola hat Raumtemperatur und der Sitznachbar kratzt sich andauernd im Nackenbereich. Kino als Belastungsprobe, Kino als physische Herausforderung. Na vielleicht ist „Der Kaufhaus Cop 2“ ja gar nicht sooo schlimm...

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Oh doch, oh doch

Nein, sooo schlimm ist „Der Kaufhaus Cop 2“ wirklich nicht. Er ist soooooooo schlimm. Eine einzige Tortur, die der hier unvermeidlichen „Hirn aus, Unterhaltung an“-Phrase mit Anlauf in den korpulenten Hintern tritt. Eine Komödie ohne Lacher, die selbst den blöden ersten Teil unterbietet und an Lahmarschigkeit kaum noch zu toppen ist. Blart = Fart, gell? Und Kevin James reimt sich ab sofort auf Depp. Selbst ergebenste Doug-Heffernan-Fans dürften hier in ihre Nachos weinen.

Dass „Der Kaufhaus Cop 2“ eine Zumutung wird, war eigentlich schon fast klar. Wer dreht denn bitte sechs Jahre nach einer ungeliebten Ha-ha-Komödie eine vor Sicherheit und Risikominimierung nur so miefende Fortsetzung, deren Gagfundament aus den Säulen „Dicke“, „Schnauzer“ und „Segway“ besteht? Kevin James packt das ohne Probleme und macht damit deutlich, dass „King of Queens“ kein Sprungbrett, sondern der Höhepunkt war.

Der Kaufhaus Cop 2 - Eine Breitarsch-Komödie Marke Kevin James

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Krass, Bewegung!
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Fast scheint es so, als wäre Paul Blart eine Art negativer Inkarnation von Doug Heffernan. Wo Heffernan neben seiner Funktion als Placebo-Zäpfchen für die antriebslose amerikanische Mittelschicht immer auch noch einen gewissen spitzbübischen Charme verkörperte, verkörpert Blart ausschließlich Fettleibigkeit. Ganz ohne Witz, ganz ohne Reiz. Ein trotteliger Besserwisser, der ohne Segway alle fünf Meter eine Bank braucht und verzweifelt den Job des kleinen Mannes verteidigt. Weil sein Traum bei einem Einkaufszentrum anfängt und auch gleich wieder aufhört.

Fickman - gnihihi

Aber gut, jedes Publikum bekommt die Filme die es verdient. Wenn man sich „Der Kaufhaus Cop 2“ ansieht, tauchen geradezu plastische Bilder amerikanischer Multiplex-Säle auf, bevölkert von Jogginghosen und Popcorn-Eimern. „Hm, wie mag es wohl Paul Blart in den letzten sechs Jahren ergangen sein?“ Seine Ehe hielt gerade einmal sechs Tage, Mama wird von einem Milchlaster überfahren und in Las Vegas, dem Schauplatz von Teil 2, tummeln sich natürlich viele schlimme Finger.

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Ohne Worte.
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Mit anderen Worten: Es geht im prächtig, weil er sich so erneut mit nervenden Stereotypen umgeben und ein weiteres Mal „Stirb langsam“ nachspielen kann. „Neu“ dabei ist noch die zusätzliche Beimengung von „96 Hours“, weil seine Tochter entführt wird, und wenn man's genau nimmt, ist die völlige Witzlosigkeit der ganzen Veranstaltung ebenfalls neu. Das Drehbuch von Kevin James und Nick Bakay zielt auf das übliche Happy-Madison-Niveau und sucht Lacher dort, wo's aufgeklärte Mitteleuropäer normalerweise im Schritt kneift. Jede Wette, dass der Name des Regisseurs, Andy Fickman, für einen der größten Lacher während des ganzen Films sorgen wird?!

Die amerikanische Komödie steckt seit vielen Jahren in einer brachialen Verdummungskrise und „Der Kaufhaus Cop 2“ möchte daran nichts ändern. Ein Angriff von CGI-Kranichen, zu enge Hemden, eine ungemütliche Tanzeinlage, Popkultur-Verweise und... noch sehr viel mehr. Die Schnittmenge dabei heißt „laut und primitiv“, selbstverständlich begleitet von dem ewigen Missverständnis, fehlenden Witz mit Actioneinlagen zu kaschieren. Bereits jetzt darf festgestellt werden, dass dieser Film zu den größten Misthaufen des Jahres gehören wird.