Vor einigen Jahren konnte Jim Carrey nicht mehr lügen und nun sagt er ständig “Ja”. „Der Ja-Sager“ erscheint auf den ersten Blick wie eine Fortsetzung zu „Der Dummschwätzer“, was neben den inhaltlichen Parallelen auch auf die angewendete „Mischung“ zutrifft. Irgendwo zwischen „Ace Ventura“ und „Die Truman Show“ sucht Jim Carrey eine schmale Linie aus Lachen und Drama, die beim Multiplex-Publikum als lustige, aber nicht zu blödelige Komödie ankommt. Der einstige Grimassenschneider ist schon lange erwachsen geworden und möchte gerne seine immer noch anwesenden Gesichtsverrenkungen mit inhaltlicher Motivation verbinden. Jaaa, die Botschaft ist angekommen!

Der Ja-Sager - Trailer

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Die Geschichte von „Der Ja-Sager“ dreht sich um Carl Allen (Jim Carrey), einen abgesichert durchs Leben wandelnden Bankangestellten, der sich um jede soziale Verpflichtung herumdrückt. Als ihn jedoch ein Motivations-Guru (Terence Stamp) mit einer positiven Gehirnwäsche weichklopft, wandelt er sich zu einem gnandenlosen Optimisten, der jeder Herausforderung ein frisches „JA!“ entgegenwirft.

Der Wandel: Ab sofort darf Griesgram Carl nur noch mit "Ja!" antworten.

Zusammen mit der süssen Allison (Zooey Deschanel), die er ebenfalls durch „JA!“ aufgabelt, macht sich Carl an eine Umkremplung seines Lebens, die ihm unter anderem Kenntnisse in Koreanisch, neue Gitarrengriffe und paranoide CIA-Agenten einbringt. Frei nach „Trainspotting“ entscheidet sich „Der Ja-Sager“ für das Leben und teilt uns mit, daß man ohne Risiko, bzw. neue Wege kaum richtigen Spaß haben kann. Wie so oft ist auch hier das Sendungsbewußtsein amerikanischer Mainstream-Filme auf Empfang gestellt und verbreitet weise Glückskeks-Botschaften, die in ihrer pauschalen Gültigkeit dringender Unterwanderung bedürfen.

Besonders gut gelingt dies dem Film am Anfang, als die eingeengte Existenz Carl Allens mit einer durchaus appetitlichen Freiheit von gesellschaftlichen Regeln verbunden wird. Natürlich ist Offenheit für Neues eine positive Eigenschaft, nur kann sie auch zur Bürde werden und muss schon gleich gar nicht in den Abendhimmel geschmettert werden. Was der „Der Ja-Sager“ möchte, ist klar erkennbar, doch leistet sich der Film glücklicherweise die ironische Distanz, immer wieder kleine Lücken und Fallstricke zuzulassen.

Zwischen Komödie und Romcom

Der Grad des Genusses von „Der Ja-Sager“ hängt zunächst einmal von der Toleranz gegenüber Jim Carrey ab. Mehr als die meisten anderen Schauspieler drückt er einem Film seinen ganz persönlichen Stempel auf, was im schlechtesten Fall dazu führt, daß irgendwann dehnbare Grimassen wichtiger werden als der eigentliche Plot. Zwar lässt Jim Carrey schon seit etlichen Jahren die „Ace Ventura“-Macke im Schrank, doch viele verbinden ihn immer noch mit freidrehenden Gummi-Gags. Was dafür anscheinend bisher nicht angekommen ist, ist die dezente Reduktion des Körperhumors, die eine ganz erstaunliche Fähigkeit für physisches Timing offenbart und gleichzeitig Platz für „richtige“ Emotionen schafft.

Der Spaß an den kleinen Dingen: Carls Leben gewinnt endlich wieder an Wert.

Jim Carrey ist auf jeden Fall ein Vollblut-Mime und gibt auch in diesem Film mächtig Gas. Vorausgesetzt man kann diesen Mann generell ab, gibt es alleine wegen ihm etliche Gelegenheiten für laute Lacher. Analog zu der Reduktion des Blödelanteils bei Jim Carrey, ist auch „Der Ja-Sager“ keine pure Spassveranstaltung. Wie so häufig bei amerikanischen Komödien, tritt auch hier im letzten Drittel eine Wandlung Richtung Drama oder zumindest Romcom ein. Man möchte wohl auf diese Weise den Gags eine Art Fundament geben, was zwar der Botschaft des Films eine klare Aussprache ermöglicht, doch gleichzeitig auch die zuvor gezeigten Spitzen abstumpft.

Unterhaltsame Mainstreamkomödie auf „Der Dummschwätzer“ Niveau, die leider nicht alle Lacher-Möglichkeiten ausschöpft und stattdessen lieber Romcom-Nettigkeiten ins Spiel bringt.Fazit lesen

Neben absoluten Brüllern wie dem Foto-Jogging (=ein Fotokurs beim Joggen – spart Zeit!) beschäftigt sich „Der Ja-Sager“ ebenfalls mit dem Sinn des Lebens und natürlich zarten Beziehungsknospen, die ebenfalls natürlich einer dezent forciert erscheinenden Dramatik unterworfen werden. Für manche endet der Film deswegen als halbe Sache mit Spasspotential nach oben, doch für manch andere wird so vielleicht erst ein Schuh daraus.

Relative Freude

Auf was sich wahrscheinlich die meisten einigen können, ist die saftige Chemie zwischen Jim Carrey und Zooey Deschanel, die selbst für Romcom-Gegner die dramatischen Elemente des Films erträglich macht. Beide ergänzen sich ganz wunderbar und erscheinen als glaubwürdiges Paar, das mit Wonne den Widrigkeiten des Lebens trotzt. Selbst wenn man den „Ja-Sager“ als zu mainstreamige Komödie einsortiert, freut man sich doch über die Hauptdarsteller und sollte daran denken, daß das alles auch mit Ice Cube und kleinen Kindern möglich wäre.

Harry Potter für Blöde: Jim Carrey ist auch 2009 noch der König der Grimassen.

Verglichen mit dem aktuellen Stand der Dinge bei mainstreamigen Komödien ist hier ein klarer Sieger zu belachen und verglichen mit den potentiellen Möglichkeiten des Stoffes ist zumindest kein Absacken gegenüber „Der Dummschwätzer“ zu beobachten. „Der Ja-Sager“ macht auf jeden Fall Spass, egal ob aus dem realistischen oder bescheidenen Blickwinkel, und kann so gut unterhalten, daß selbst ausgebremste Jim Carrey Fans ihre Schenkelklopfer bekommen. Sagt doch einfach „Ja“ zu diesem Film – viel mehr Spass pro Kino-Minute ist in nächster Zeit leider nicht zu erwarten.