Die sogenannten Schwedenkrimis, Verfilmungen diverser skandinavischer Beststeller von Stieg Larsson, Jo Nesbø oder Henning Mankell, versprechen spätestens seit der Millenium-Trilogie nicht mehr nur länger hohe Einschaltquoten, sondern auch volle Kinosäle. „Der Hypnotiseur“ soll diesen Erfolgstrend fortsetzen, wäre jedoch mit seinen lauen Thriller-Lüftchen im Abendprogramm der Dritten deutlich besser aufgehoben.

Von 5 an rückwärts

Diesen Vorwurf mussten sich zwar auch die ästhetisch schlichten Filmadaptionen der Millenium-Trilogie gefallen lassen, doch besaß deren zentrale Figur Lisbeth Salander eine Persönlichkeit, die zu außergewöhnlich war, um sie lediglich auf kleinen Wohnzimmerschirmen stattfinden zu lassen. Zumal David Fincher die Kinotauglichkeit des Stoffes mit seinem herausragenden Remake von „Verblendung“ noch einmal nachhaltig bekräftigte.

„Der Hypnotiseur“ verweist hingegen wieder eindrücklich auf den eigentlichen TV-Ursprung der Verfilmungen schwedischer Krimigeschichtchen. Hinter Lars Kepler, dem Autor der in zig Sprachen übersetzten Vorlage, steckt das Autoren-Ehepaar Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril, die ihren hier erstmals auftretenden Kriminalkommissar Joona Linna bereits in drei weiteren Erfolgsbüchern ermitteln ließen. Die Kinoverfilmung ist bei Erfolg also schon mal Franchise-tauglich abgesichert.

Der Hypnotiseur - Der nächste Schweden-Schocker nach der Millenium-Trilogie?

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Die schlimm zugerichteten Mordleichen zu Beginn wecken Erinnerungen an David Finchers „Sieben“ – möge er demnächst ein besseres US-Remake von „Der Hypnotiseur“ drehen.
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Der vom schwedischen Hollywood-Export Lasse Hallström („Lachsfischen im Jemen“) inszenierte Thriller beginnt vielversprechend. Gleich in der ersten Szene spritzt das Blut in alle Richtungen, der brutale Mord an einem Sportlehrer befördert Joona Linna (Tobias Zilliacus) zum Tatort Turnhalle. Noch in derselben Nacht werden in einem Wohnhaus weitere bestialisch zugerichtete Leichen gefunden – jemand hat versucht, eine ganze Familie auszulöschen.

Der einzige Überlebende des Vorfalls jedoch, Sohn Josef (Jonatan Bökman), liegt im Koma und kann zum Geschehen nicht befragt werden. Kommissar Linna ruft deshalb den umstrittenen Hypnotiseur Erik Maria Bark (Mikael Persbrandt) auf den Plan. Der ehemalige Arzt kann dem Jungen unter Hypnose entscheidende Details zum Verbrechen entlocken, muss das verbotene Verhör jedoch der Gesundheit Josefs wegen abbrechen. Kurz darauf wird Barks Familie bedroht, ehe ein Unbekannter in sein Haus einbricht.

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Running on empty – Joona Linna (Tobias Zilliacus) ist kein Mikael Blomkvist.
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Verfilmtes Seitengeraschel

Es folgen diverse abstruse Wendungen, die Freunden von Logik und Wahrscheinlichkeit manches Haar zu Berge stehen lassen werden. Die Auflösung, so dusselig sie ohnehin ist, kann weder die zähe erste Stunde noch all die uninteressanten Nebenschauplätze wettmachen. Eine geschlagene Stunde dauert es, bis die Handlung von „Der Hypnotiseur“ überhaupt in Gang kommt. Zuvor verzettelt sich der Film kolossal mit seinem Familiendrama der Titelfigur.

Schwedischer Thriller nach Lars Kepplers Beststeller – ohne Höhepunkte, aber voller Ungereimtheiten. So kinotauglich wie ein MDR-Polizeiruf.Fazit lesen

So gehört die Ehefrau des Hypnotiseurs zu den nervigsten Figuren des noch jungen Kinojahres. Sie wird von Lena Olin („Die neun Pforten“), dem wohl größten schwedischen Filmstar der 90er, als hysterische Alte gespielt, die mit dem Plot nur marginal etwas zu tun hat und problemlos aus dem Film hätte gestrichen werden können. Die Privatangelegenheiten des Hypnotiseurs behindern die Thriller-Aspekte der Geschichte sowieso ungemein, sie strotzen geradezu vor Irrelevanz.

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Kriminalkommissar Joona Linna ist der heimliche Star der Keppler-Romane, bekommt hier aber kaum etwas zu tun.
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Der mit mehr als zwei Stunden Laufzeit deutlich überveranschlagte Film walzt die Nebenstränge der ihrerseits ebenfalls zu lang geratenen Romanvorlage unnötig aus, um mit abrupten Story-Twists auf ein Pseudo-Actionfinale zuzusteuern, das bestenfalls dazu geeignet ist, den Puls von ZDF-Zuschauern in die Höhe zu treiben. Kriminalkommissar Joona Linna, die wiederkehrende Figur in den Büchern von Lars Kepler, spielt dabei durchweg eine eher untergeordnete Rolle.

Verständlich, dass Lasse Hallström, Regisseur von Kinowundern wie „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ oder „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, mehr an den melodramatischen Aspekten des Stoffes interessiert schien, die düsteren und komplexen Töne der Geschichte lässt er jedenfalls vollkommen unberührt. So bleibt sein Hypnotiseur verfilmtes Seitengeraschel ohne Schwer- oder Höhepunkte, das trotz seines Scope-Formats zu keiner Zeit über Fernsehfilmniveau hinausgeht.