Lange musste man darauf warten, wieder in die Welt von Mittelerde eintauchen zu können. Aber: Das Warten hat sich gelohnt. Peter Jacksons „Der Hobbit“ fühlt sich wie seine „Der Herr der Ringe“-Trilogie an. Sicherlich, die Geschichte von „Eine unerwartete Reise“ gleicht stark der von „Die Gefährten“, aber das liegt natürlich auch daran, dass der Roman die Blaupause für die weit größere Trilogie war. Dennoch steht „Der Hobbit“ auf eigenen Füßen.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise

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Alles beginnt damit, dass Gandalf Bilbo Beutlin aufsucht und ihn auf ein Abenteuer einlädt. Schon wenig später stapeln sich in Bilbos Haus die Zwerge – 13 an der Zahl –, die einen Meisterdieb brauchen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Unter Führung von Thorin Eichenschild wollen sie zurück nach Erebor, ihrer einstigen Heimat, aus der die Zwerge vom Drachen Smaug vertrieben worden sind.

Doch die Reise nach Erebor ist lang und gefährlich. Die Gemeinschaft wird von Orks unter dem Kommando des bleichen Azog gejagt. Zudem hat sich das große Böse erhoben, wie Zauberer Radagast feststellen muss. Er sucht nach Gandalf, während die Gemeinschaft in den Tiefen eines Bergs großer Gefahr trotzen muss.

Die Reise beginnt

War zu befürchten, dass speziell am Anfang die große Anzahl an Zwergen ein Problem darstellen könnte, so ist dies nicht gegeben. Jackson umschifft das Problem, indem er die meisten nicht groß vorstellt, sondern sie allesamt in Bilbos Hütte agieren lässt, so dass man einen Eindruck von ihnen bekommt, aber längst nicht jeden kennen muss. Vermutlich wird die für später angedachte Langfassung, die 25 Minuten weiteres Material enthalten soll, einige der Zwerge weiter austarieren.

Die Reise mag unerwartet sein, das filmische Erlebnis ist es nicht. Mittelerde ist so prächtig wie eh und je. Ein schöner Auftakt für die neue Trilogie.Fazit lesen

In der Kinofassung ist dies aber nicht weiter wichtig, denn „Eine unerwartete Reise“ ist vor allem die Geschichte von Bilbo. Es ist seine emotionale Reise, die den Kern des Films bildet – vom zaudernden Hobbit am Anfang, der keinen rechten Platz in der Gemeinschaft hat, hin zu einem mutigen Mann, der sich in die Schlacht stürzt, auch wenn die Chancen schlecht stehen.

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Gandalf und die Zwerge bei Bilbo: Das Abenteuer nimmt seinen Anfang.
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Thorin und Gandalf haben dabei weit weniger Entwicklungsspielraum. Ersterer muss mit seinen vorgefertigten Meinungen – auf Elben, auf Hobbits, auf Bilbo – zurechtkommen, letzterer hat einen „Vorgesetzten“, der sein Tun nicht billigt. So geht es ein Stück weit um Gandalfs Emanzipation von Saruman. Eine durchaus interessante, aber auch problematische Wahl, wie Jackson seine Geschichte erzählen will. Saruman wirkt hier nicht wesentlich freundlicher als er es am Anfang von „Die Gefährten“ war. Sein Verrat hätte retroaktiv dort aber schwerer gewogen, wäre er Gandalf in „Eine unerwartete Reise“ ein Freund.

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Märchenhaft unschuldig

In diesem ersten Film merkt man schon noch, dass die Vorlage ein Kinderbuch war. Die Bedrohung wird oftmals relativiert, was besonders bei den Trollen, aber auch dem Ork-König auffällt. Sie alle sind etwas zu lustig gestaltet, als dass ein Gefühl von Gefahr aufkäme. Bei den Trollen ist das durchaus noch amüsant, beim König wirkt es aber schon etwas deplatziert.

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Schlüsselszene: Bilbo findet den Ring.
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In beiden Fällen ist es aber nicht überzogen genug, als dass es den Gesamteindruck des Films schmälern würde. Man darf aber wohl davon ausgehen, dass die beiden weiteren Filme in Sachen Dramatik kräftig zulegen werden. Unterm Strich ist „Eine unerwartete Reise“ wie seinerzeit „Die Gefährten“: ein mitreißender Ausgangspunkt für eine große Geschichte.

Alte Bekannte

Die Rückkehr nach Mittelerde stellt alle Fans von „Der Herr der Ringe“ mehr als zufrieden. Die Welt und die Figuren wirken einfach stimmig. Schön ist natürlich auch das Wiedersehen mit alten Bekannten. Vor der Kamera sind das Ian Holm und Elijah Wood in der Eröffnungssequenz und Hugo Weaving, Cate Blanchett und Christopher Lee beim Rat von Elrond und Gollum in den Höhlen unter der Orkstadt, hinter der Kamera sind es zu viele, als dass man sie alle aufzählen könnte.

Die Musik stammt erneut von Howard Shore, der jedoch ein klein wenig enttäuscht. Zwar ist es notwendig, sich musikalisch an etablierte Themen zu halten, ein Gefühl von Eigenständigkeit kann seine Musik jedoch nicht heraufbeschwören. Vom neuen Material einzig auffällig ist „Misty Mountains“, das jedoch ein bisschen zu häufig angespielt wird.

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Gandalf trifft auf seinen späteren Feind Saruman.
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Mittelerde sieht prächtig aus

Mit doppelter Frame-Rate gedreht, erweist sich „Der Hobbit“ als eine wahre Augenweide. Mit dem 3-D zusammen wird eine Plastizität erzeugt, die beeindruckend ist. Ob der Flug der Adler über die Berge und das Tal, die Untiefen der Orkstadt oder der schwindelerregende Vertigo-Effekt beim ersten Auftritt des Nekromanten, was hier geboten wird, lässt alles andere ziemlich alt aussehen.