Alles hat einmal ein Ende, selbst Geschichten aus Mittelerde, und so können wir nun zum letzten Mal (?) der gewaltigen Fantasywelt von J.R.R. Tolkien und Peter Jackson einen dreidimensionalen Besuch abstatten. „Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere“ ist das Finale nach 12 Jahren und sechs Filmen, und eine tiefschürfende Kritik macht hier eigentlich kaum noch Sinn. Die Fans der ersten fünf Etappen werden erneut antreten, Neuzugänge sind nicht zu erwarten, weil völlig verloren im inhaltlichen Dickicht, und der erwartungsgemäße Endknall passiert natürlich. Mit der erwartungsgemäßen XXL-Epik, die etwaige Ermüdungserscheinungen mit größtmöglichem Spektakel ausgleichen möchte.

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Hin und zurück

Und warum auch nicht, denn anders kann ein dünnes Kinderbuch wohl kaum auf knapp neun Stunden Film aufgeblasen werden. Glücklicherweise ist aus dem Schlender-Tempo des ersten Teils, „Eine unerwartete Reise“, inzwischen ein hochdramatischer Schweinsgalopp geworden, der sich in der letzten Stunde von „Die Schlacht der fünf Heere“ in eine gewaltige CGI-Keilerei entlädt, die die in „Die Rückkehr des Königs“ sogar noch steigern kann – und sei es nur mit schierer Größe. Ein Endpunkt, der der „Hobbit“-Trilogie würdig ist und alle Fans versöhnlich nach Hause schickt. Selbst wenn die emotionale Dramatik hier unter „Herr der Ringe“-Niveau bleibt, atemlos unterhaltsam ist das Geschehen auf jeden Fall.

Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere - Tschüss, Bilbo: Der rauschende Abschluss der Mittelerde-Saga

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Bilbo (Martin Freeman) guckt ganz traurig. Ist aus jetzt, ja, leider.
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„Die Schlacht der fünf Heere“ schließt direkt an Teil 2, „Smaugs Einöde“, an und startet gleich mit einer ersten Schlachtsequenz, die den Drachen Smaug auf ein Dorf loslässt. Wie üblich, lässt Regisseur Peter Jackson auch hier eine kinetische Donnerwolke über den Zuschauern ab, die genug Energie für den folgenden Aufbau zur finalen Schlacht liefert – und als inhatlichen Antrieb eines von Tolkiens Lieblingsthemen einsetzt, die Gier nach Geld und Macht.

Ausgerechnet ein Zwerg, Thorin Eichenschild (Richard Armitage), wittert seine Chance auf die Herrschaft von Mittelerde und kennt deswegen keine Freunde mehr. Der Schatz von Smaug wird zur Zereissprobe für das ganze Königreich, was schließlich in den titelgebenden Kampf mündet – einer alles erschütternden Konfrontation zwischen Menschen, Elfen, Zwergen und Horden von übermächtig erscheinenden Orks.

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Der heimliche Hauptdarsteller, ein wütender Zwerg namens Thorin (Richard Armitage).
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Second Hand, ganz oben

Wo „Die Rückkehr des Königs“ als erschöpfendes Spektakel funktionierte, sowohl von der Action- als auch der Dramatik-Warte, sind die Höhepunkte bei „Die Schlacht der fünf Heere“ einfacher auszumachen. Es sind auf jeden Fall die beiden Schlachten, die den Film einrahmen, und den Rest der Geschichte zu einer zweifellos unterhaltsamen, aber nur selten wirklich bewegenden Zusammenführung diverser Fäden machen.

Inklusive einer Überleitung zu „Herr der Ringe“ bekommen alle wichtigen Figuren ihre Auftritte und machen dabei erneut klar, Thorin gerne ausgenommen, dass feine Charakternuancen oder gar widersprüchliche Eigenschaften nicht auf dem Speiseplan stehen. Bei „Der Hobbit“ geht es um das große Ganze, um universelle Themen wie Liebe, Ehre, Mut oder Aufopferung. Das breite Mainstream-Publikum mag damit bedient werden, wirkliche Spannung entsteht so aber nicht.

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Zunder gleich zum Einstieg: Smaug wird erneut losgelassen.
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Man kennt Mittelerde inzwischen einfach, man kennt den Look, die Erzählweise und die Charaktere. Es ist bemerkenswert, wie ähnlich sich alle sechs Filme sind, und irgendwie hat man sich selbst an das 48fps-Format gewöhnt. In gewisser Weise ist das eine Komfortzone für Peter Jackson, der bei allen drei „Hobbit“-Filmen im „Herr der Ringe“-Schatten bleibt und sich gefallen lassen muss, auf hohem Niveau stagniert zu haben.

Die bildgewaltige Fantasie, die breit aufgestellten Figuren, die epische Geschichtsführung – alles ist für sich ganz wunderbar und schafft triftige Gründe für einen Kinobesuch, doch über 12 Jahre verteilt bleibt die Lebenslinie in einer luftigen Waagrechten, die seit den „Hobbit“-Teilen einen dezenten Second-Hand-Charme ausstrahlt.

Nichts Neues aus Mittelerde, was gleichbedeutend ist mit größtmöglichem, enorm unterhaltsamem Fantasy-Kino. Die Fans werden es lieben, ganz sicher!Fazit lesen

Der Abschluss aller Abschlüsse

Peter Jackson hat diese Gleichförmigkeit, die natürlich auch notwendig ist für die Stringenz der kompletten Saga, sicherlich erkannt und antwortet mit schierer Größe und einer formalen Brillanz, die viele andere Argumente einfach pulverisiert. Über solch eine Zeit solch ein Mammutunterfangen zu stemmen und dabei nicht völlig abzuschmieren, beweist Jackson als versierte Regiegröße – die es nach wie vor nicht lassen kann, inmitten all des Multimillionen-Dollar-Bombasts auch seinen schrägen Splatterwurzeln zu frönen.

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Die klare Stärke des Films: epische, nein: EPISCHE Schlachtenszenen.
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Angefangen beim angenehm dunklen Ton von „Die Schlacht der fünf Heere“ bis hin zu den freakigen Orks, die nicht nur Katapulte auf dem Rücken tragen oder gigantische Steine plus Ketten schwingen, sondern auch ganz schön brutale Tode sterben, pocht hier nach wie vor eine Genre-Ader.

Die titelgebende Schlacht der fünf Heere ist ein würdiger Abschluss für die „Hobbit“-Trilogie und auch für Mittelerde. Die schiere Wucht dieser finalen Konfrontation wird erneut für volle Kinos sorgen, und einzelne Szenen, wie zum Beispiel ein Zwerg-vs.-Ork-Kampf auf einem gefrorenen Wasserfall, schwingen sich sogar zu virtuosen Höhepunkten auf, die mit zum Besten gehören, was Jackson jemals gemacht hat.

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise - Frühe "Der Herr der Ringe"-Verfilmungen

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Der dritte „Hobbit“-Film ist zugleich der kürzeste der ganzen Reihe und nützt das für eine deutlich angezogene Spektakel-Schlagzahl, die innerhalb der Möglichkeiten größtmögliche Kinounterhaltung bietet...und ganz nebenbei auch wehmütige Erinnerungen an den ursprünglichen Verfilmungsplan weckt. Mit zwei Filmen hätte der „Hobbit“ vielleicht aus dem „Herr der Ringe“-Schatten heraustreten und sich als sechsstündiges Effekte-Spektakel positionieren können. Am besten mal Peter Jackson Bescheid sagen, vielleicht plant er ja für 2035 ein Remake.