Wenn man 36 Jahre nach dem eigenen Tod noch immer Unsummen verdient – nicht für sich, aber für die Erben –, dann ist das durchaus eine Leistung. Das Magazin „Forbes“ setzte J.R.R. Tolkien im Jahr 2009 auf den fünften Platz seiner Liste der bestverdienenden Prominenten. Dass das in nächster Zeit abreißt, steht nicht zu erwarten. Nicht zuletzt der neuen „Hobbit“-Filme wegen ist Tolkien wieder in aller Munde und das Interesse an seinen Büchern größer denn je.

Tolkien hat nicht nur „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ geschrieben, er hat eine ganze Welt erschaffen. Nicht nur ausschweifend die Historie von Mittelerde in seinen Arbeiten definiert, nein, er hat sogar eigene Sprachen für seine Schöpfung erfunden. Tolkien war ein begabter Linguist, ein Mann, der durch seine Mutter in jungen Jahren Latein, Französisch und Deutsch lernte und später Finnisch, Griechisch, Italienisch und Walisisch an der Schule, wobei das längst nicht alle Sprachen waren, in denen er ausgiebige Kenntnisse besaß. Das erlaubte es ihm auch, mit Quenya und Sindarin zwei Sprachen zu ersinnen, die er als „Elbenlatein“ bezeichnete und die phonologisch auf Latein basierten.

3. Januar 1892

John Ronald Reuel Tolkien wurde in Bloemfontein in Südafrika geboren. Sein Vater Arthur war ein Bankmanager, seine Mutter Mabel kümmerte sich um seinen jüngeren Bruder Hilary und ihn.

Als Kind wurde er im Garten von einer Spinne gebissen. Ein traumatisches Erlebnis, von dem einige vermuten, dass es ihn zu Kankra inspiriert hat, auch wenn er selbst immer wieder erklärte, keine Erinnerung an die Begegnung mit der Spinne zu haben.

1895

Die Mutter zog mit den beiden Kindern nach England. Eigentlich sollte es nur ein Besuch sein, aber der Vater starb in Südafrika an rheumatischem Fieber. So blieb Mabel nichts anderes übrig, als mit ihren Kindern zu ihren Eltern nach Kings Heath in Birmingham zu ziehen. Als Tolkien vier Jahre alt wurde, konnte er bereits lesen und fließend schreiben.

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Ein Familienfoto der Tolkiens aus dem Jahr 1882. Der spätere Schriftsteller und Philologe war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal wenige Monate alt.
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1904

Mabel starb an den Folgen ihrer Diabetes, als Tolkien zwölf Jahre alt war. Die Vormundschaft ihrer Kinder übernahm ihr enger Freund Francis Xavier Morgan, der die Brüder nach katholischem Glauben erzog und ihnen ein Vater war, so gut er nur konnte.

Als Teenager kam Tolkien erstmals mit einer konstruierten Sprache in Kontakt: Animalic, das von seinen Cousinen Mary und Marjorie Incledon entwickelt worden war. Zusammen mit ihnen entwickelte er selbst die Sprache Nevbosh.

1911

Tolkien verbrachte einen Sommerurlaub in der Schweiz. Zu zwölft war die Reisegruppe, die durch die schönen Landschaften zog. Später erklärte Tolkien, dass es dieser Ausflug war, der ihn zu Bilbos Reise über die nebligen Berge inspirierte. Im Oktober des Jahres begann Tolkien sein Studium am Exeter College in Oxford. Er studierte englische Sprache und Literatur.

1913

Im Alter von 16 Jahren lernte Tolkien Edith Mary Bratt kennen und verliebte sich in die drei Jahre ältere Frau. Sein Pflegevater untersagte jedoch, sie weiterhin zu treffen, bis er 21 Jahre alt war. Tolkien hielt sich daran und schrieb ihr am Vorabend seines 21. Geburtstags, dass er sie liebte und heiraten wollte. Sie war bereits mit einem anderen verlobt, aber nach einem Treffen mit Tolkien löste sie diese Verlobung.

1914

Der Erste Weltkrieg brach aus. Tolkien meldete sich nicht sofort freiwillig zur Armee, sondern wurde Teil eines Programms, das es ihm erlaubte, 1915 seinen Abschluss zu machen. Danach trat er in die Armee ein und wurde ein Second Lieutenant bei den Lancashire Fusilier.

22. März 1916

J.R.R. Tolkien und Edith Mary Bratt heirateten.

1916 - 1936

1916

Im Oktober 1916 wurde Tolkien krank: ein Fieber, das durch die Läuse im Schützengraben ausgelöst wird. Von seinen alten Schulfreunden überlebte so gut wie keiner den Krieg, auch das Bataillon, dem er zugewiesen war, wurde fast vollständig aufgerieben. Dass er überlebte, hatte er ironischerweise seinem wenig robusten Zustand zu verdanken. Er war häufig krank und dienstuntauglich.

Während seines Krankenstands begann er mit der Arbeit an dem Buch „The Book of Lost Tales“, genauer gesagt: mit der Geschichte „The Fall of Gondolin“.

21. November 1917

Das erste gemeinsame Kind, Sohn John Francis Reuel Tolkien, kommt zur Welt.

1918

Nach Ende des Krieges arbeitete Tolkien beim „Oxford English Dictionary“, wo er die Historie und Etymologie von Worten germanischer Herkunft bestimmte – und zwar die, die mit einem W begannen. Zwei Jahre später war er an der University of Leads tätig und wurde dort der jüngste Professor, den es bis dahin gegeben hatte. In Leeds entwickelte er auch den „Middle English Vocabulary“ und editierte die definitive Version von „Sir Gawain and the Green Knight“.

22. Oktober 1920

Tolkiens Sohn Michael Hilary Reuel Tolkien wird geboren.

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Der Kriegseinsatz zeichnet Tolkien: 1916 erkrankt er schwer.
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21. November 1924

Tolkiens Sohn Christopher John Reuel Tolkien wird geboren.

1925

Tolkien kehrte nach Oxford zurück. Während seiner Zeit am Pembroke College begann er mit der Arbeit an „Der Hobbit“.

18. Juni 1929

Tolkiens Tochter Priscilla Mary Anne Reuel Tolkien wird geboren.

1932

Anfang 1930 hatte Tolkien mit dem Schreiben von „Der Hobbit“ begonnen. Es geschah, während er Aufsätze bewertete. Auf ein leeres Blatt Papier schrieb er plötzlich den ersten Satz des Romans. Kopien des Manuskript schickte er an verschiedene Freunde und Kollegen, aber auch Studenten, darunter Elaine Griffiths, bei der schließlich Susan Dagnall auf die Geschichte aufmerksam wurde.

1936

Ein besonderes Interesse hegte Tolkien für das Heldenepos „Beowulf“. Seine Vorlesung dazu veränderte nachhaltig, wie die Kritik mit dem Stoff umging. Bis dato wurde „Beowulf“ als niederes Werk angesehen, weil der Autor sich nicht mit realistischen Stammeskämpfen, sondern mit der Schlacht gegen Monster beschäftigte, aber Tolkien argumentierte, dass der Autor die menschliche Bestimmung im Allgemeinen ansprach und darum die Monster – im Gegensatz zu speziellen Stammesfehden – von essenzieller Bedeutung waren. Im Jahr 2003 wurde Tolkiens handgeschriebene Übersetzung von „Beowulf“ inklusive ausführlichen Kommentars gefunden. Das Werk umfasst 2.000 Seiten.

1937 - 1960

1937

In diesem Jahr erschien erstmals „Der Hobbit“. Tolkien hatte die Geschichte schon einige Jahre zuvor geschrieben, allerdings nur gedacht, dass seine Kinder sie lesen würden. Die beim Verlagshaus George Allen & Unwin tätige Susan Dagnall wurde jedoch darauf aufmerksam und überzeugte Tolkien, das Werk einzureichen. Es entwickelte sich sehr schnell zum Erfolg, und das nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen. Der Verlag ermutigte Tolkien darum, ein Sequel anzugehen.

1938

Der „Rütten & Loening“-Verlag möchte „Der Hobbit“ in Deutschland veröffentlichen. Vorab erbittet man von Tolkien eine Bestätigung, dass er Arier ist. Das erzürnt Tolkien, der seinem Verleger zwei Briefe gibt, die er an den deutschen Verlag weiterreichen kann. Welchen, das soll der Verleger entscheiden. Er wählte den etwas zahmeren Brief, der heutzutage nicht mehr erhalten ist.

Die zweite Version ist es aber. In ihr belehrt Tolkien die deutschen Verleger, dass er leider keine jüdischen Vorfahren hat, wohl aber deutsche, das Wort „arisch“ aber nichts mit der Abstammung zu tun hat, sondern eine Sprachengruppe definiert. Er schloss den Brief mit den Worten: „Ich muss betonen, wenn solche impertinenten und irrelevanten Anfragen bei der Literatur zur Regel werden sollten, es nicht mehr lange hin ist, dass ein deutscher Name nicht länger mit Stolz getragen werden kann.“

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Im Jahr 1937 erschein Der Hobbit, ein Werk, das Tolkien ursprünglich nur für seine Kinder schrieb.
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Januar 1939

Der Zweite Weltkrieg war eine Möglichkeit und Tolkien wurde darauf vorbereitet, im kryptographischen Department des Auswärtigen Amts als Codebrecher zu arbeiten, sollte es zum Krieg kommen. Tolkien war dazu bereit und nahm entsprechende Kurse an der Government Code and Cypher School war, wurde aber nie eingesetzt.

1944

In einer lokalen Zeitung las Tolkien einen Artikel, der propagierte, nach dem Sieg das deutsche Volk auszumerzen. Diesbezüglich schrieb er an seinen Sohn: „Wohl weil sie Klapperschlangen sind, die Gut und Böse nicht unterscheiden können (der Autor aber schon?). Die Deutschen haben ebenso viel Recht, Polen und Juden zu auslöschbarem Abschaum und Untermenschen zu erklären, wie wir es haben, dies mit den Deutschen zu tun: nämlich gar keines, egal, was sie auch getan haben.“

1945

Tolkien wurde am Merton College in Oxford Professor für Englische Sprache und Literatur. Diesen Posten hielt er bis zu seiner Pension im Jahr 1959 inne.

1948

In diesem Jahr vollendete Tolkien „Der Herr der Ringe“, etwa zehn Jahre, nachdem er begonnen hatte, den Roman zu schreiben.

1954-1955

Mehr als zehn Jahre hat Tolkien an „Der Herr der Ringe“ gearbeitet. Ursprünglich sollte es eine Geschichte für Kinder sein, aber sie wurde immer komplexer, düsterer und epischer. In der Zeit der Entstehung hat er nicht nur den Roman selbst, sondern auch die Anhänge verfasst. In den Jahren des Schreibens unterhielt sich Tolkien auch häufig mit seinem Freund C.S. Lewis, der die „Narnia“-Bücher verfasste. Für beide wurde es so etwas wie ein Wettstreit, mit einigermaßen gleichen Rahmenbedingungen, eine Fantasy-Geschichte zu schreiben.

Im Verlauf dieser Jahre hat Tolkien das Skript immer wieder umgeschrieben, Ideen gehabt und verworfen, Anhänge entwickelt und ausgebaut. Am Ende waren es 9.250 Manuskriptseiten mit vielen alternativen Versionen der bekannten Geschichte. Tolkiens Sohn Christopher veröffentlichte das noch vorhandene Material in den Volumes 6 bis 9 von „History of Middle-earth“.

1959

Tolkien tritt in den Ruhestand und zieht mit seiner Frau später nach Bournemouth, in eine Gemeinde der etwas feineren Gesellschaft.

1960

Tolkien überarbeitete „Der Hobbit“, um ihn näher an „Der Herr der Ringe“ heranzubringen. Er brach nach Kapitel drei ab, da ihm Freunde sagten, das Buch sei dann einfach nicht mehr „Der Hobbit“.

1960er

„Der Herr der Ringe“ wird immer populärer, besonders in der Gegenkultur der Sechzigerjahre. Tolken findet das etwas befremdlich. Er erhält jede Menge Fanpost, anfangs versucht er auch, sie zu beantworten, es wird aber schnell zu viel.

1969 - 2013

1969-1970

Die deutsche Übersetzung von „Der Herr der Ringe“ erscheint. Verantwortlich zeichnet Margaret Carroux. Tolkien entwickelte einen Guide für die Übersetzungen der Namen in andere Sprachen. Da er linguistisch sehr versiert war, konnte er hier auch gut Einfluss nehmen. Für „Shire“ empfahl er „Gau“, war aber unsicher, ob das Wort nicht angesichts der Zeit des Dritten Reichs verbrannt war.

Carroux glaubte dies auch und entschied sich für „Auenland“. Tolkien empfahl, „Elf“ nicht zu nehmen, da im Deutschen damit eher die kleinen Elfen aus den Märchen in Verbindung gebracht werden. Er schlug „Alb“ vor, Carroux entschied sich dann für „Elb“, das auf Jacob Grimm zurückgeht.

29. November 1971

Edith Tolkien stirbt im Alter von 82 Jahren. Tolkien selbst zieht danach zurück nach Oxford, wo man ihm am Merton College eine Wohnung bereitstellt.

1. Januar 1972

Tolkien wird von Queen Elizabeth II in den Rang eines Commander of the Order of the British Empire erhoben.

2. September 1973

Tolkien stirbt im Alter von 81 Jahren. Er wird neben seiner Frau begraben. Noch zu Lebzeiten ließ er unter Ediths Namen noch den Namen „Luthien“ anbringen. Unter seinem Namen steht nun Beren. In Tolkiens Erzählungen ist Luthien das schönste aller Kinder von Iluvatar und gab ihre Unsterblichkeit auf, um mit dem sterblichen Krieger Beren zusammen zu sein. Beren wird von den Truppen des Dunklen Lords Morgoth gefangen genommen. Als er schließlich im Kampf mit dem Wolf Carcharoth stirbt, wendet sich Luthien an die Valar, engelsgleiche Wesen, und überzeugt sie, ihren Liebsten wieder ins Leben zurückzubringen.

1977

Tolkien entwickelte eine komplette Historie voller Fabeln und Legenden zu Mittelerde. Das Meiste davon blieb unveröffentlicht. „Das Silmarillion“ sollte in den Fünfzigerjahren publiziert werden, der Verlag schreckte aber zurück, da es keine Geschichte erzählt und so nur schwer vermarktbar gewesen wäre. 1977 wurde das Buch erstmals veröffentlicht und im Jahr darauf mit einem renommierten Locus-Award ausgezeichnet.

1980

In diesem Jahr publizierte Christopher Tolkien das Buch „Unfinished Tales of Numenor and Middle-earth“, das eine Reihe fragmentarischen Materials sammelt. In den folgenden Jahren (1983-1996) veröffentlichte Christopher Tolkien zwölf Volumes der Reihe „The History of Middle-earth“, die weiteres, bisher unveröffentlichtes Material sammelte.

Der Hobbit: Smaugs Einöde - Main Trailer

Oftmals widersprechen sich die historischen Erzählungen, da sie für J.R.R. Tolkien „work in progress“ waren. Sie veränderten sich, je nachdem, was er für eine Erzählung benötigte. Selbst zwischen „Der Hobbit“ und „Der Herr der Ringe“ gibt es Unstimmigkeiten.

1982

Posthum erscheint das Kinderbuch “Mr. Bliss“, das einige der frühesten Arbeiten von J.R.R. Tolkien enthält.

2007

In diesem Jahr wird „Die Kinder Hurins“ publiziert. Der Roman erzählt die Geschichte von Turin Turambar und seiner Schweser Nienor, beide Kinder von Hurin Thalion. Das Material ist eine Kompilation aus verschiedenen Büchern und unveröffentlichten Manuskripten und wurde von Christopher Tolkien editiert.

Mai 2009

Tolkiens Buch „The Legend of Sigurd and Gudrun“ wird veröffentlicht. Es erzählt die Geschichte von Sigurd in alliterativen Versen nach und wurde so gestaltet, dass es dem poetischen Stil der Edda entspricht.

April 2013

Das Gedicht „The Fall of Arthur“ wird veröffentlicht. Es entstand in den frühen Dreißigerjahren und besteht aus etwa 1.000 Versen.