F. Scott Fitzgeralds Roman aus dem Jahr 1925 wurde schon mehrmals verfilmt, die Adaption von Baz Luhrman („Moulin Rouge“) hebt sich jedoch von früheren Verfilmungen ab und bleibt wohltuend nahe am Original. Modern wirkt sein Film dennoch, und das nicht nur wegen der ungewöhnlichen Musikwahl, die dem einen oder anderen Puristen aufstoßen könnte.

Der Börsenmakler Nick Carraway (Tobey Maguire) zieht in ein kleines Haus auf Long Island. Sein Nachbar ist Jay Gatsby (Leonardo DiCaprio), ein junger Millionär, um den sich einige Legenden ranken und der die größten Partys von ganz New York in seinem luxuriösen Anwesen schmeißt. Hier trifft sich alles, was Rang und Namen hat. Eine Einladung braucht niemand, Nick bekommt jedoch eine und trifft seinen Gastgeber.

Der große Gatsby - Deutscher Trailer #35 weitere Videos

Der zeigt ein besonders starkes Interesse an ihm und bittet ihn später schließlich um einen Gefallen. Er möchte seine Cousine Daisy zum Tee einladen. Auf diese Art will Gatsby die Frau, in die er sich vor Jahren verliebte und von der er durch die Unbill des Lebens getrennt wurde, wiedertreffen, um das alte Feuer der Liebe neu zu entfachen. Gatsby will die Vergangenheit wiederauferstehen lassen. Anders als Nick ist er sich sicher, dass das möglich ist, aber ob er damit auch Recht hat?

Wer ist Jay Gatsby?

Luhrman behält bei, was Fitzgeralds Roman so großartig macht. Er ist das Sittengemälde einer Gesellschaft, in der Ränge Bedeutung haben, in der man zwar aufsteigen, aber niemals ankommen kann, in der Geld alles ist, aber persönliche Beziehungen so kostbar wie ein Schatz sind. In dieser Welt lebt Gatsby, der inmitten seiner Partys einsam und verlassen ist. Die Nimm-Gesellschaft ist gerne um ihn herum, da er freigiebig ist. Aber wahre Freunde hat er nicht, so wie ihn auch niemand versteht – mit Ausnahme von Nick Carraway.

Über ihn bekommt man als Zuschauer ein Bild des ungreifbar scheinenden Gatsby, von dem die einen glauben, er sei ein deutscher Spion, die anderen denken, er sei ein Attentäter. Eines fragen sich aber alle gemeinsam: Wo hat Gatsby seine Millionen her?

Der große Gatsby - Der große Leonardo DiCaprio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 9/111/11
Grandiose Darbietung: Leonardo DiCaprio als Gatsby.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Der Roman geht auf diese Seite noch stärker als der Film ein, aber auch hier wird klar, dass Gatsby sein Geld in Zeiten der Prohibition mit dem lukrativen Verkauf von Alkohol verdient hat. Er ist ein Gauner, aber er ist zugleich weit mehr als das. Gatsby ist ein hoffnungsloser Romantiker, der an die eine wahre Liebe glaubt. Er ist ein Wahnsinniger, der seiner einen Obsession verfallen ist. Er ist, was immer man in ihn hineininterpretieren will. Die Figur ist so vielschichtig gestaltet, dass alles wahr und unwahr zugleich ist.

Packshot zu Der große GatsbyDer große Gatsby

Der amerikanische Traum

Fitzgeralds Roman und auch Luhrmans Film sezieren den amerikanischen Traum. Einst ging es in ihm um Freiheit und Rechte, mittlerweile ist er pervertiert und nur noch über Reichtum und Macht definiert. Wer ganz oben ist, hat den Traum umgesetzt – mit allen dazu gehörigen Leichen im Keller.

Aber das Ideal dessen, was diese romantische Vorstellung des amerikanischen Traums eigentlich auszeichnet, ist längst vergangen. Opfer einer Vergangenheit, in der die falschen Weichen gestellt wurden. Es ist unumkehrbar, die Vergangenheit nicht wiederholbar. Am Ende ist alles verloren für jene, die ein gewisses Maß an Aufrichtigkeit besitzen, die der Oberflächlichkeit nicht anheimgefallen sind. Ein Happy End kann es in dieser Welt nur für jene geben, denen man es nicht gönnt.

So vielschichtig wie der Roman. Baz Luhrmans Verfilmung wartet mit einem grandiosen Leonardo DiCaprio auf –und ist der großartige Beweis dafür, wie man 3-D sinnvoll einsetzen kann.Fazit lesen

3-D, wie es sein soll

„Der große Gatsby“ ist ein Ausstattungstraum. Die 1920er erstehen in dieser fiktiven Stadt wieder auf, das Auge mag sich am Gebotenen gar nicht sattsehen. Und das alles wird dargeboten in glorreichem 3-D. Baz Luhrman ist nach James Cameron und Martin Scorsese der dritte Regisseur, der verstanden hat, wie 3-D wirklich funktioniert. Er bedient alle Sicht- und Erfahrungsebenen, im Vordergrund, in der Mitte und im Hintergrund spielen sich immer wieder große und kleine Dramen ab. Die Partys in Gatsbys Haus werden zum wahren Bilderrausch.

Der große Gatsby - Der große Leonardo DiCaprio

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden2 Bilder
Typisch Baz Luhrman (Moulin Rouge): eine überbordende Ausstattungsorgie.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Luhrman schafft es, die andernorts oftmals völlig sinnfrei eingesetzte Technik in den Dienst eines Dramas zu stellen. Er komponiert Bilder, die extrem plastisch sind. Ob im Stillstand (Maguire vor dem Mietshaus mit dem sich nach vorne schiebenden Fenstern) oder in der Rasanz (das Autorennen zwischen Gatsby und seinem Kontrahenten), Luhrman meistert die Technik und bietet einen visuellen Reichtum, der auch wirklich mal den 3-D-Aufschlag der Kinokarte wert ist.