Es ist nicht so ungewöhnlich, dass erfolgreiche Romane auch in Comic-Form dargeboten werden. Meist sind es Stoffe, die multimedial für Aufmerksamkeit gesorgt haben wie z.B. Stieg Larssons „Verblendung“ (von dem es gleich zwei Adaptionen gibt, eine französische und eine amerikanische, die in Deutschland bei Splitter und Panini verlegt werden). Ungewöhnlich ist hingegen die von Marvel ins Leben gerufene Reihe DER DUNKLE TURM, der auf dem epochalen Zyklus von Stephen King basiert.

King schrieb über 30 Jahre hinweg daran – von 1982 bis 2012, wobei die Haupthandlung schon 2004 mit dem siebten Band beendet war, aber noch ein Roman nachgeschoben wurde, der zwischen dem vierten und fünften Teil angesiedelt ist.

Im Mittelpunkt steht Roland Deschain, der letzte Nachkomme eines Ritterordens, der von Arthur Eld, einer Art König Artus von Mitt-Welt, gegründet wurde. Er lebt in einer feudalen Gesellschaft, die dem amerikanischen Wilden Westen nicht unähnlich ist, aber auch Überreste von hochentwickelter Technik besitzt und von Magie durchdrungen ist.

Roland sucht nach dem Dunklen Turm, den er für einen Nexus aller Universen hält. Dort hofft er, seine Welt retten zu können, in der nichts mehr richtig ist: Die Sonne geht in falscher Himmelsrichtung auf und unter, Nationen sind gefallen, ganze Städte verschwunden – und hinter allem steckt der Schwarze Mann.

Für King ist dies sein großes, alles bestimmendes Werk, das er auch mit zahlreichen seiner anderen Arbeiten verwoben hat. Figuren und Elemente vieler anderer Geschichten tauchen auch in DER DUNKLE TURM auf und verweben so Kings Werk miteinander.

Der dunkle Turm - Stephen Kings Meisterwerk: Die Fortsetzung in Comic-Form

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Die Editionen im Splitter Verlag sind liebevoll und aufwändig gestaltet.
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Rolands Abenteuer

In den Comics erlebt man mit, wie aus Roland der knallharte Revolvermann wird, der den Schwarzen Mann bis ans Ende aller Welten verfolgt. Elemente einer Liebesgeschichte werden hier aber ebenso geboten, wobei sie tragisch endet, erlebt er doch mit, wie seine Geliebte auf dem Scheiterhaufen stirbt. Zudem wird auch einiges vertieft, was in den Romanen nur gestreift wird, so auch der charismatische Schurke John Farson, der mit seiner blutroten Maske im Comic besonders wirkungsvoll ist.

Packshot zu Der dunkle TurmDer dunkle Turm

Aber er ist nicht der einzige Gegner, mit dem es Roland zu tun bekommt. Da ist auch noch der böse Zauberer Marten Broadcloak, der ihn zum Scharlachkönig bringt, welcher den Dunklen Turm nutzen will, um alle Welten zu vernichten.

Der dunkle Turm - Stephen Kings Meisterwerk: Die Fortsetzung in Comic-Form

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Die Zeichnungen sind kleine künstlerische Meisterwerke.
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Deutsche Veröffentlichung

Anders als bei THE STAND, das auch in Comic-Form vorliegt, hat man hier jedoch nicht einfach nur das vorhandene Material adaptiert. Vielmehr ist der Comic für die Romane komplementär. Er baut die große Geschichte aus, nutzt Rückblicke, greift aber auch Ereignisse der Romane auf.

In Deutschland wird DER DUNKLE TURM in zwei Formaten verlegt. Die Erstveröffentlichung erfolgt über den Platzhirsch am deutschen Markt, Panini. Hier nutzt man das normale Comic-Format und bringt Sammelbände heraus, die jeweils eine Miniserie in ihrer Gänze beinhalten. Die weit schönere Edition erscheint jedoch beim Splitter Verlag. Dort schielt man auf den bibliophilen Leser, der eine prächtige Luxusausgabe sein eigen nennen will. Die großformatigen Hardcover-Bücher mit mehr als 200 Seiten sind echte Hingucker.

Die Zeichnungen von Jae Lee und Richard Isanove kommen im größeren Format deutlich besser zur Geltung. Ab dem sechsten Band löst Sean Phillips Kollege Jae Lee ab.

In düsterer Kolorierung gehalten, sind die Bilder unvergleichlich schön. Geschrieben wird die Reihe von Robin Furth und Peter David. Furth hat sich bereits ausführlich mit Kings DER DUNKLE TURM befasst und auch ein Begleitbuch geschrieben. Sie hat die Geschichte entwickelt, die in den Comics erzählt wird, während David die Skripte dafür verfasst.

Fortsetzung folgt

Seit 2007 wird DER DUNKLE TURM in den USA veröffentlicht. Der erste Zyklus besteht aus 30 Heften, die in Form von fünf Miniserien dargeboten wurden. Sie stellen die ersten fünf Bände der deutschen Ausgabe dar. Die folgenden Bände sind „Der lange Heimweg“, „Verrat“, „Der Untergang Gileads“ und „Die Schlacht am Jericho Hill“. Der zweite Zyklus begann mit dem sechsten Band „Die Reise“ beginnt. Mittlerweile ist in Deutschland auch schon der achte Band bei Panini erschienen, die Luxus-Edition von Splitter gibt es ab dem 1. Mai.

Im ersten Band, „Der Revolvermann“, verlässt man sich auf Kings Werk. Hier wird die Jugend des Revolvermanns Roland Deschain beschrieben, wobei man sich auf Material aus dem ersten und vierten Roman verlässt. Es beginnt mit Rolands Prüfung, die ihm von seinem Lehrer Cort abverlangt wird, und endet mit den letzten Ereignissen der Rückblicke des vierten Romans.

In den weiteren Bänden gibt es großteils neues Material. So spielt der zweite Zyklus zwölf Jahre nach der Schlacht am Jericho Hill, aber auch hier wird zum Quellmaterial zurückgekehrt. Der zehnte Band, der in Deutschland noch nicht erhältlich ist, adaptiert Teile der im ersten Buch enthaltenen Novellen.

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Die Comics erzählen die Romanvorlage nicht bloß nach, sie setzen sie fort.
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Hintergründe im hinteren Teil

DER DUNKLE TURM besteht nicht nur aus den Comics, die neue Geschichten erzählen, es gibt auch weiterführende Anhänge, die von Robin Furth verfasst wurden. Im ersten Band findet man einen offenen Brief von Stephen King, in dem er erklärt, wie es zu dieser Zusammenarbeit kommt, was Comics für ihn bedeuten und welchen Helden er gerne einmal schreiben würde: Spider-Man. Im Rückblick interessant ist, dass er kurz Geschichten anreißt, die als Comic gut funktionieren würden. Dabei nimmt er vorweg, was 2011 als „Der Anschlag“ als Roman erscheinen sollte.

In den Anhängen gibt es weit mehr als das zu entdecken. Eine Karte der Baronien Neu-Kanaan und Mejis zeigt, wie man sich diese Welt vorzustellen hat. Dazu gibt es neue Kurzgeschichten wie „Die Revolver der Deschains“, die auch eine historische Komponente abdecken und damit die Turm-Saga detailreich vertiefen.

Alleine in diese Anhänge kann man sich schon lange vertiefen, da sie auch prächtig illustriert sind. Sie stellen einen Mehrwert dar, den nur wenige Comics hatten, so z.B. „Watchmen“ oder „Rex Mundi“, die auch Artikel und Buchauszüge nutzten, um ihre Welt stärker aufzufächern.

Fazit

Wären die Turm-Comics nur Adaptionen der Romane, dann wären sie allenfalls für eine kleine Fangruppe interessant: reine Comic-Leser. Da hier jedoch Geschichten geboten werden, die vor und parallel mit der Handlung der Romane stattfinden, sind sie ein essenzieller Bestandteil von Stephen Kings Epos DER DUNKLE TURM. Zwar mag das eine problemlos ohne das andere existieren können, ist es jedoch die Kombination von beidem, die ein Gesamtbild ergibt.

Interessant ist dabei, dass durchaus Teile der Romane adaptiert werden, aber nur Stückwerk, das vonnöten ist, um die neuen Geschichten in der Haupthandlung zu verankern. Da die von vielen erwartete Verfilmung mittlerweile wieder in der Development Hell ist, sind diese Comics auch das Nächstbeste, um Roland und seine Welt visualisiert zu bekommen. Das macht auch den Reiz der Comics aus, die diesen wilden Mix aus Fantasy, Western und Horror in grandiosen Bildern Form annehmen lassen.

Weiterführende Links
  • Dunkle Turm Band 1 bei Amazon
  • Dunkle Turm Comic bei Amazon

Wer nur den Comic lesen will, der ist mit der Panini-Ausgabe auch gut bedient, aber die Zeichnungen kommen in der überformatigen Splitter-Ausgabe besser zur Geltung. Zudem sieht die Edition, die in jedem Band auch einen exklusiven Druck beinhaltet, einfach wunderschön aus. Aber das ist nur das Äußere, wichtig sind auch bei einem Buch oder Comic die inneren Werte – und davon gibt es in diesem vielschichtigen Fantasy-Werk jede Menge zu bewundern.

Der dunkle Turm - Comic-Auszüge

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