Dicke schwarze Mamas, die sich in Strip-Clubs an Stangen räkeln. Greise Schwiegeromas, die von zuonanierten Taschentüchern erregt werden. Ein US-Army-Soldat, der am liebsten mit seiner Schwester in Hotelzimmern pimpert. Das und noch viel mehr ist „Der Chaos-Dad“, Adam Sandlers neuer Vorstoß in den ultimativen Infantilismus. Eine Unfassbarkeit von einem Film, der mit herkömmlichen Maßstäben nicht mehr zu (be-)greifen ist.

Der Chaos-Dad - Filmclip: Adam Sandler hat Affäre mit seiner LehrerinEin weiteres Video

That’s My Boy

Schon in Sandlers letzter Komödie, dem Cross-Dressing-Ulk „Jack & Jill“, zeichnete sich die Tendenz ab, den Sandler-typischen Brachialhumor so weit wie möglich herunterzubrechen. Das war ein Film, der so ausschließlich vom kalkulierten Nonsens, von einer Überbietungsstrategie des totalen Quatsches lebte, dass er schlussendlich auch filmische Konventionen hinter sich ließ. Selbst beim Sandler-affinen Publikum fiel diese beinahe radikale Superklamotte gnadenlos durch.

„Der Chaos-Dad“ geht noch einmal einen ganzen Schritt weiter. Er ist eine zu Film gewordene Kuriosität ohne Leitfaden. Eine einzige große Unbegreiflichkeit, die mit dem Begriff der Komödie nur noch unzutreffend beschrieben ist. Eine szenische Ansammlung von Schwachsinnigkeiten, (offenbar) frei von jeder erkennbaren Form. Und darin auf eine Art beeindruckend konsequent, die alle bisherigen Happy-Madison-Produktionen wie Erprobungen, wie Teilstrecken auf dem Weg zur großen finalen Idiotie wirken lässt.

Es ist schwer, diesen Film angemessen zu beschreiben. Vordergründig betrachtet erzählt er eine problematische Vater-Sohn-Geschichte, in der Sandlers Figur eines abgehalfterten Papis darum bemüht ist, das Verhältnis zum verkorksten Sohnemann aufzubessern. Dieser ging aus einer Affäre zwischen einem Grundschüler und seiner Lehrerin hervor (!), trägt den Namen Han Solo (!) und versucht nun mit einer Hochzeit endlich Ordnung in sein medial ausgeschlachtetes Leben zu bekommen.

Der Chaos-Dad - Der neue Sandler: Eine Unfassbarkeit von einem Film

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Der Chaos-Dad ist eine Ansammlung von Blödsinn und Kuriositäten.
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Eine neue Schule

Als Sandler auf der Bildfläche bzw. im Haus der Schwiegereltern in spe erscheint, beginnen die früheren Peinlichkeiten den Sohn einzuholen. Was folgt, sind lose und willkürlich anmutende Situationen, in denen mit kruden Wort- und Bildwitzen Irritationsmomente geschaffen werden. Sie zielen vorrangig auf Geschmacklosigkeit ab, sind bekloppt und dusselig, immer rätselhaft und durchweg faszinierend neben der Spur. Zwei Hollywood-Altstars absolvieren zudem Gastauftritte, die sich gleichermaßen verwirrend wie richtig anfühlen.

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All die Derbheiten, in ihrem wahnwitzigen Vakuum-Infantilismus, sprechen bei Sandler mittlerweile eine eigene Sprache. Sie zielen nicht mehr auf eine bestimmte Zielgruppe ab (die er angesichts der Einspielergebnisse auch nicht mehr zu haben scheint) und bewegen sich in einem völlig eigenen Raum. Der andauernde, endlos wirkende Schwachsinn richtet sich nicht – wie so oft in vergleichbaren US-Komödien – gegen Minderheiten oder bestimmte Trends, sondern gegen alles, jeden und vor allem sich selbst.

Alles, was sich in „Jack & Jill“ schon andeutete, das Erheben des ultimativen Irrsinns zum Prinzip und die Auflösung bzw. Verneinung von Handlung, Stringenz, Tempo oder auch wirklichen Gags, findet in „Der Chaos-Dad“ einen vorläufigen Höhepunkt. Es ist der finanziell größte Flop in Sandlers Karriere und zweifellos sein konsequentester Film. Eine Art Sandler-Komödie to end all Sandler-Komödien. Von hier an ist alles möglich, von hier an ist es eine neue Schule.