Gruselige Ballerina-Püppchen, merkwürdige Symbole unterm Teppich und fiese Geisterfratzen: Wir sind mal wieder im Horrorvergnügungspark von James Wan. Das heißt, eigentlich wird als Regisseur Cody Horn („Brotherhood“) angegeben, aber Wans Geist schwebt durch diesen Film wie eine der Spukgestalten in der handlungsrelevanten Geistervilla. Er steuerte Grundidee und Geld bei und spätestens beim obligatorischen Schlusstwist fragt man sich wieso „Demonic“ nicht „Insidious 4“ heißt, oder „Annabelle 2“ oder „The Conjuring 2“, denn bei aller grundsätzlichen Liebe zum Genre: Man könnte die Filme in Streifen schneiden und willkürlich neu zusammensetzen, kaum jemand würde es merken.

Demonic - UK Trailer #1

Cop Mark Lewis (Frank Grillo) wird spätnachts zu einem Tatort gerufen. Ein leer stehendes Haus, das allerdings nun drei Leichen beherbergt, die offenbar in der Nacht davor ins Nirvana gewandert sind. John, ein Überlebender der ursprünglich sechsköpfigen Gruppe, berichtet: Die jungen Leute hatten sich in dem Haus, das Jahrzehnte zuvor Schauplatz eines Massenmords wurde, als Nachwuchsghostbusters betätigt. Allerdings ging etwas schief, drei wurden getötet, zwei weitere, darunter Johns schwangere Freundin Michelle, gelten als vermisst. Während nun Polizeipsychologin Elizabeth (Maria Bello) den verstörten jungen Mann verhört, der behauptet, dass das Haus (!) seinen Freund getötet hat, verhört, versucht Mark herauszufinden, was wirklich geschah und wo die beiden Verschwundenen abgeblieben sind.

Demonic - Routine-Menü von Chefkoch James Wan

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Schöner Wohnen mit James Wan.
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Eng gesteckte Grenzen

Mittlerweile zeichnet sich erneut das ab, was schon ewig klar ist: Es waren zwar in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder verwunschene Häuser, besessene Mädels oder gruselige Puppen zu sehen, aber das Publikumsinteresse flachte meist genauso schnell ab, wie es aufbrandete (aktuell 2007 mit dem Micro-Budget-Reißer „Paranormal Activity“), kleben bleiben nur die Hardcore-Fans. Die Grenzen dieses Genres sind einfach zu eng gesteckt, um auch auf lange Sicht frisch zu bleiben.

Das musste 2011 peinvoll auch die einstige Genre-Hoffnung Ti West mit seiner Bruchlandung „The Innkeepers“ einsehen. Irgendwann kennt man’s einfach, da hilft auch hilfloser Streber-Humor nicht. Was also machen, wenn’s nicht weitergeht? Man besinnt sich auf alte Werte und bereitet diese besonders schmackhaft zu. Hier kommt der technisch sehr versierte James Wan ins Spiel. Der „Saw“-Erfinder versuchte sich schon im „Paranormal Activity“-Jahr 2007 mit „Death Silence“ im Oldschool-Grusel-Terrain, soff aber total ab. 2010 wurde mit dem zitatenreichen Low-Budget-Schocker „Insidious“ um einiges erfolgreicher nachgelegt, der ganz große Hit kam aber erst 2013.

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Verdammt, Demonic ist doch nicht so gut.
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Zu diesem Zeitpunkt schien die Zeit so richtig reif zu sein, „Saw VII“ erfüllte die Erwartungen am Box Office nicht, das Publikum hatte offenbar die Schnauze voll von der Torture-Konkurrenz und wollte (noch) mehr Übersinnliches. Was also lag näher als das entfachte Interesse an althergebrachten Gruselmotiven zu nutzen, die Mottenkiste noch mal ganz weit zu öffnen und mal wieder einen so richtig klassischen, darüber hinaus noch dick budgetierten Spukhaus-Film aufs Parkett zu legen (der konsequenterweise auch in den 70ern spielt)? Die Rechnung ging auf, der souverän gemachte „The Conjuring“ wurde zum Superhit.

Ob’s allerdings beim Kassensturz so weitergeht, ist fraglich: Der letzte Teil der „Paranormal Activity“-Reihe sammelt lange nicht mehr soviel Taler ein wie seine Vorgänger, das gleiche gilt für das dritte Kapitel der „Insidious“-Franchise aus dem Hause Wan und „Demonic“, der bereits 2011 angekündigt und 2014 zweimal verschoben wurde, startete seine Kinoauswertung Anfang dieses Jahres in Brasilien (!).

Der Ball lag vor dem Tor – da hätte man mehr draus machen können!Fazit lesen

Zwei Filme zum Preis von einem
Was gibt’s Neues in „Demonic“? Eigentlich nur, dass endlich (?) jemand aus dem Wan-Camp, oder womöglich war’s der Meister auch selbst, auf die nahe liegende Idee gekommen ist, die (mittlerweile nicht mehr ganz so populäre) found-footage-Ästhetik der „Paranormal Activity“-Reihe und ihren Trittbrettfahrern in einen klassischen Spielfilm einzubetten. Was die Kids im Spukhaus so getrieben haben, bekommt man mit der Wackel-Cam zu sehen, der Rest ist ein konventioneller Spielfilm, zum Schluss werden beide Ebenen zusammengeführt, was aber auch nicht verhindern kann, dass man zuweilen ein bisschen den Eindruck hat, man guckt zwei Filme.

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Ich glaube, da will uns jemand etwas sagen...
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Die konventionellere Ebene ist dabei die deutlich interessantere, was aber ausschließlich daran liegt, dass hier mit Frank Grillo und der göttlichen Maria Bello zwei angenehm erfahrene, charismatische Schauspieler zu sehen sind, die es schaffen ihre knapp umrissene Figuren mit einem Hauch Leben zu füllen. Es macht durchaus Spaß, dem lässigen Cop und der selbstbewussten Psychologin (beide natürlich ein Paar) bei der Arbeit zuzuschauen. Eigentlich hätte man mit dem Duo gerne den ganzen Film verbracht, aber leider holpert „Demonic“ einen beträchtlichen Teil der Laufzeit durchs Gruselgebälk und hakt dabei pflichtbewusst so ziemlich alles ab, was man in den letzten Jahren auf die oder einer geringfügig anderen Art schon mal woanders gesehen hat.

Selbst das kann aber Spaß machen und kurioserweise hat Wan selbst mit „The Conjuring“ vorgemacht wie: Indem man sich etwas Zeit nimmt, die Figuren einzuführen. Denn nur, wenn man diese vorher kennenlernt, zittert man nachher auch beim X-ten Tür-fällt-plötzlich-zu-Schock noch ein bisschen mit. In „Demonic“ ist es aber völlig Wurst, wer da über die Dielen trampelt: Man erfährt von dem Sextett im Großen und Ganzen nur, dass der eine Visionen von Mama hat (Grund für den Geisterhaus-Besuch) und seine Freundin mit dem Chef-Geisterjäger mal verbandelt war, weswegen es leichte Eifersüchteleien gibt. Einfach nicht genug Info für ausgiebiges Herzrasen. Und so bleibt der handwerklich routiniert gefertigte „Demonic“ irgendwo in der Mitte stecken - der Angstschweiß bleibt in den Poren, der Daumen aber auch weg von der „Stop“-Taste.