Die meisten Filme braucht kein Schwein. Erst recht nicht, wenn man auf Anhieb und ohne Probleme das große Vorbild erkennt, das natürlich viel besser ist. Manchmal aber ist die kleine Hommage dennoch genießbar. Was also das Kasperletheater für echte Dramen ist, das ist Debug für den 1997er Sci-Fi-Horror-Klassiker Event Horizon.

Damals wie heute verschlägt es eine Crew auf ein vermeintlich stillgelegtes Raumschiff und jedem Zuschauer mit einem Funken Grips in der Melone ist klar, dass fast niemand diesen Space Hulk lebend verlassen wird. Der Unterschied ist nur, dass es in Event Horizon um eine höllische Paralleldimension ging, die auf unsere Welt abfärbte. Debug hingegen bemüht ein altes Sci-Fi-Klischee (oder, wenn man wohlwollend ist: einen bewährten Klassiker) und prügelt uns einmal mehr eine mörderische künstliche Intelligenz um die Ohren.

Debug - Feindliches System - Nur wenig Geist in der Maschine

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In verlassenen Raumschiffen in Schächte kriechen - brillante Idee.
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Diese wird von einer weitgehend holografischen Version von Jason Momoa gespielt, den man als Khal Drogo (Game of Thrones) oder Ronon Dex (Stargate: Atlantis) oder natürlich als Jason (Baywatch – Hochzeit auf Hawaii) kennt. Er und seine Augenbrauenpartie sind das hervorstechendste am ganzen Film. Der Rest des Streifens ist punktuell erfreulich, größtenteils aber einfach belanglos.

Wenn aber ein Film schon nicht spektakulär ist, so kann er doch aus seinen beschränkten Möglichkeiten mit etwas Pfiff und handwerklichem Know-How eine Menge rausholen. Die sich ähnelnden und sterilen Setpieces in weiß, die das infiltrierte Raumschiff darstellen, lassen eine beklemmende Kammerspiel-Atmosphäre aufkommen. In dieser versucht ein Team von computerbegabten Strafgefangenen, im Zuge ihrer Rehabilitation das Schiff IT-technisch zu säubern. Natürlich gibt es dabei den hartärschigen Gefängnisoffizier mit afro-amerikanischer Abstammung, das heimliche Liebespaar, dessen Hälften einander nicht ganz so ergeben sind, wie sie nach außen tun, eine opportunistische Halunkin, einen zu Unrecht Veruteilten und so fort. Die Todgeweihten grüßen uns.

Debug - Feindliches System - Nur wenig Geist in der Maschine

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Die Wege der KI sind unergründlich.
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Niemand sagt, dass Debug frei von Klischees sei – wie könnte er, mit einer solchen Handlung? Doch wenn sich peu à peu die wahnsinnige KI anschleicht und nach dem Abzählreim-Prinzip die Gruppe erst isoliert und dann ausdünnt, da ist man für kleine Segen schon durchaus dankbar. Zum Beispiel dafür, dass trotz des deutlichen Slasher-Einschlags die obligatorische Rödelszene ausbleibt, weder die Protagonistin und der liebenswerte Gutmenschen-Insasse noch das eigentliche Egoistenpaar müssen sinnfrei vögeln, wenn es auch manchmal verdammt danach aussieht. Nicht einmal richtig nackig muss jemand werden. Der Film sagt indirekt, dass er das nicht nötig habe.

Das Kuriose ist, dass das stimmt. Ein gutes Gefühl für Timing, dichte Atmosphäre und einige solide Darstellerleistungen trösten prima darüber hinweg, dass Debug weder etwas neu noch anders noch meisterhaft macht, sondern einfach auf der Kreuzung zwischen Alien und System Shock parkt und es sich da gemütlich macht. Es hätte dennoch nicht geschadet, wenn zum Beispiel Hauptdarstellerin Jeananna Goosen mehr als einen (zugegeben: zur Stimmung passenden) Gesichtsausdruck ausgepackt hätte oder wenn der Film an den geeigneten Stellen mal nicht so feige mit seiner insgesamt zahmen Gewaltdarstellung gewesen wäre.

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Wollen wir wetten, wer es schafft und wer nicht?
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All das, und man hätte dem Film eine solide 6 gegeben und es damit gut sein lassen. Leider kommt es im Anschluss an diese ganze Nummer Sicher dann doch zu einem Wagnis, und es lässt sich nicht leugnen, dass es eines ist, auf das man als Zuschauer gerne verzichtet hätte. Es ist nun leider nicht detailliert zu beschreiben ohne Spoiler, also lassen wir es bei: Das Finale ist in seiner Struktur actionreich und in seinem Hacker-Twist gleichermaßen archaisch und hanebüchen. Gewisse Peinlichkeiten sollte man sich seit der Ära von Der Rasenmäher-Mann langsam abgewöhnt haben, und während man den Mut von Debug an der Stelle repsektieren kann, muss man doch sagen, dass das Wagnis dem Film schadet. Dafür gibt es noch einen Abzug, der nicht hätte sein müssen.

Vielleicht ist es aber auch einfach Ausdruck der Tatsache, dass Regisseur David Hewlett in seinem Feld noch nicht viel Erfahrung hat – möglich, dass er in ein paar Jahren, wenn er nicht mehr so sehr an seinen Schauspielwurzeln hängt, selbst eine solche Albernheit gut genug in Szene setzen kann, als dass man sie ihm verzeiht.