Über zu wenig Danny Trejo kann man sich als Fan von Danny Trejo wirklich nicht beklagen. Sage und schreibe 25 Filme hat der 69-jährige (!) Schauspieler allein 2013 abgedreht, bislang verzeichnet seine Filmographie lässige 250 Acting-Credits. Eine gewisse Schmerzfreiheit müssen Freunde des Spätkarrieremachers in der Trejo-Werkschau allerdings schon mitbringen, um sich mühelos durch dessen Vielzahl an Schrottproduktionen arbeiten zu können. Next in Line: Der Fantasy-Western „Dead in Tombstone“.

Regungslos wie ein Schrank

Trejo spielt Guerrero Hernandez, den Anführer der goldräuberischen Blackwater Gang, die das kleine Städtchen Tombstone eingenommen hat. Obwohl er seinen Halbruder Red (Anthony Michael Hall) aus dem Gefängnis befreite, wird Hernandez von ihm übers Kreuz gelegt und erschossen. Nachdem er selbstverständlich in die Hölle wandert, um dort von Luzifer (Mickey Rourke) an einen Stuhl gefesselt und verbrannt/verköstigt/befummelt zu werden (sic), bietet er dem Teufel höchstpersönlich ein Geschäft an, um sich an Red rächen zu können.

Dead in Tombstone - Machete gegen den Teufel

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Danny Trejo: Vom bekanntesten unbekannten Nebendarsteller zur Franchise-Ikone.
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Für 24 Stunden darf Hernandez noch einmal auf die Erde und nach Tombstone zurückkehren. Sollte es dem untoten Revolverhelden nicht gelingen, seine ehemalige Bande auszumerzen, ist er auf ewig den Qualen des lüsternen Luzifers ausgesetzt. In der resoluten Calathea Massey (Dina Meyer) findet er eine Unterstützerin seiner Privatvendetta, für die es natürlich nie und nimmer 100 Minuten Spielzeit gebraucht hätte. Nach ein bisschen Geballer in Saloon und Goldmine sowie einer Verfolgungsjagd auf der Westernkutsche folgt dann endlich der Showdown um 12 Uhr nachts.

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Lange Jahre galt Trejo als bekanntester unbekannter Nebendarsteller Hollywoods, ehe Freund und Cousin Robert Rodriguez ihm mit „Machete“ eine erste Hauptrolle auf den Leib schrieb. Seither bedient der mexikanischstämmige US-Amerikaner offenbar mühelos sowohl Mittelklasse-Mainstream als auch ansehnliche Fernsehserien und weniger ansehnliche Produktionen für den Videomarkt. „Dead in Tombstone“ indes ist nicht unbedingt für Trejo-, sondern auch oder vor allem für Rourke-Anhänger eine Bewährungsprobe.

Vor 25 Jahren noch spielte dieser selbst den teuflischen Advokaten wider Willen in Alan Parkers „Angel Heart“, nun wiederum ist er als das personifizierte Böse zu sehen. Eine andere Rolle käme für Rourke aber wohl auch nicht mehr in Frage: Jenseitiger denn je sieht er aus, bis zur mimischen Unkenntlichkeit aufgedunsen, regungslos wie ein Schrank. Nach Comeback und Preisregen dümpelt Rourke mit dieser DTV-Räuberpistole jetzt leider wieder in jenen Gefilden herum, in denen er während der 90er-Jahre schon einmal tief versumpfte.

Billo-Western mit phantastischem Einschlag. Vielleicht nicht so übel wie Gallowwalkers, aber auch kaum bedeutend besser.Fazit lesen

Anthony Michael Hall hingegen hat sich schon lange in TV- und Videomarktproduktionen eingerichtet, bereits zuvor kreuzten sich da schon seine Wege mit denen von Rourke („Exit in Red“, 1996). Die Karriere des einstigen Kinderstars, der mit Dreikäsehochrollen in den jugendnostalgischen Klassikern von John Hughes das Coming-of-Age-Kino einer ganzen Generation prägte, wurde durch Schilddrüsenleiden und psychische Probleme erheblich erschwert. Im runtergewirtschafteten Ensemble des Films aber macht er als cartoonesker Bilderbuchbösewicht immerhin noch eine passable Figur.

Filmische Unzulänglichkeiten

Anders als in ebenso betont pulpigen Neo-Western wie etwa „Schneller als der Tod“ von Sami (bei dem das Genregewand auch nur Staffage war) hält sich das Vergnügen in „Dead in Tombstone“, ganz gleich ob nun fürs Videoregal produziert oder nicht, stark in Grenzen. Frei von Regieeinfällen und erkennbarem Gestaltungswillen beackert der Film seinen leicht übernatürlichen Racheplot, ohne dass dabei irgendeine Lust an der eigenen Actiongülle, ein Interesse an der kostengünstigen, aber möglicherweise ja spaßigen Ästhetik durchschimmern würde.

Dead in Tombstone - Machete gegen den Teufel

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25 Jahre nach Angel Heart darf Mickey Rourke die Seiten wechseln und den Teufel mimen.
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Stattdessen ist Roel Reiné, der sich auf dem DTV-Sektor vor allem mit Billo-Sequels mäßig einträglicher Kinofilme einen Namen machte („Death Race 2“, „Zwölf Runden 2 – Reloaded“, „Scorpion King 3“), augenscheinlich darum bemüht, seinen Film auf edel zu trimmen. So muss die handelsübliche Farbkorrektur das alles wieder einmal vollwertiger aussehen lassen, als es eigentlich ist, und manövriert sich in die gegenwärtige Colorgrading-Misere aus übertrieben entsättigten Bildern.

Wenn die einmal mehr vom holländischen Regisseur Reiné selbst geführte Kamera in Konfrontationssituationen nicht gerade sinnfrei umherwackelt, fährt sie selbst in Ruhemomenten demonstrativ Dynamik suggerierend an Gesichtern, Körpern oder Gegenständen vorbei, um einen Dialog nicht auch einfach mal Dialog sein zu lassen. Formale Verschleierungstaktiken, die Unzulässigkeiten eher noch aufzeigen, statt sie filmisch zu bedecken.

Die Actionszenen des natürlich in Rumänien produzierten Films sehen aus wie auf Video gedreht und sind wahlweise durch inflationäre Zeitlupen oder künstliches Sonnen- bzw. Gegenlicht entstellt. Aufgrund der relativ hässlichen visuellen Präsentation erinnern die überwiegend ohne digitalen Schnickschnack inszenierten Stunts und Shoot-outs, obgleich sie mitunter handwerklich über dem Durchschnitt liegen, erstaunlicherweise eher an einen Mitschnitt der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg als an ein halbwegs gekonntes Westernspektakel.