Indiana Jones, Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten, Tomb Raider – nicht wenige Kinogänger dürften allein bei der Erwähnung dieser Titel mit der Zunge schnalzen. Denn große Abenteuer-Streifen gelten bis heute als Kassenmagnet in Hollywood. Zuletzt trat Über-Produzent Jerry Bruckheimer den Beweis an: Mit 400 Mio. Dollar Einspiel rangiert „Vermächtnis der Tempelritter“ unter den Top-Hits der letzten Jahre.

Klar, dass auch Nicholas Cage, der sich bisher strikt geweigert hat, in einer Fortsetzung mitzuwirken, da nicht lange bitten lässt. Für „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ fand sich die gesamte Crew des Erstlings wieder am Set ein, um dem vierten Indy-Auftritt (Start: Juli 2008) gehörig die Suppe zu versalzen. Die gamona-Filmkritiker sagen, wer von beiden Abenteurern den größeren Salzstreuer hat.

Das Vermächtnis des geheimen Buches - Kinotrailer

Retorten-Kino

Da haben Benjamin Gates, Abigail und Riley gerade erst den legendären Schatz der Tempelritter ausgehoben, schon schlittern sie unversehens in das nächste Abenteuer. Denn ein verloren geglaubter Tagebucheintrag des Lincoln-Attentäters John Booth beschuldigt Bens Ur-Großvater als Mitverschwörer der Tat. Um die Familienehre wieder herzustellen, muss das geheime Buch der Präsidenten gefunden werden – leichter gesagt, als getan.

Das Vermächtnis des geheimen Buches - Indy auf Hochglanz

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Des Rätsels Lösung: Selbst im Buckingham-Palace gibt es neue Hinweise zu entdecken.
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Man kann über das amerikanische Blockbuster-Kino ja sagen, was man will – eines wird es niemals sein: innovativ. Schablonenhaft und frei von jeglichen Überraschungen werden meist bewährte Erfolgsrezepte wiederholt, kopiert oder bis zur totalen Ideen-Erschöpfung ausgemergelt. Der Vorreiter dieser Bewegung heißt Jerry Bruckheimer. Wo sein Name drauf steht, sind spektakuläre Schauwerte und Simpelstorys garantiert.

Schon “Das Vermächtnis der Tempelritter” war klar auf Spaß und Unterhaltung getrimmt – frei nach den bruckheimer’schen Kinoregeln: schnelle Schnitte, flotte Sprüche, viel Action und eine Hintergrundgeschichte, die im besten Fall gerade noch als solche wahrgenommen wird. Und wie es sich für eine Fortsetzung gehört, schließt „Das Vermächtnis des geheimen Buches“ genau da an, macht aber natürlich alles schicker, lauter und besser.

Packshot zu Das Vermächtnis des geheimen BuchesDas Vermächtnis des geheimen Buches

Mut zur (Logik-)Lücke

Heißt im Klartext: In knappen zehn Minuten wird die Rahmenhandlung heruntergerissen, keine drei Wimpernschläge später rätseln sich Nicholas Cage und Anhang schon zum atemberaubenden Finale. Stets wartet der nächste Hinweis darauf entdeckt zu werden, bevor der Zuschauer weiß, wie ihm geschieht oder gar selbst nachdenken kann, hat Ben Gates schon wieder ein Geheimnis gelüftet – Zeit für Verschnaufpausen gibt es keine, Regisseur Jon Turteltaub hält das Tempo stets am Limit.

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Um an das geheime Buch zu gelangen, muss Gates den Präsidenten entführen.
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Und das ist wahrscheinlich auch besser so: Denn dass die Logik in Filmen dieser Machart gerne auf der Strecke bleibt, versteht sich von selbst. Im Verlaufe des knapp zweistündigen Abenteuers werden die Thesen immer kruder, geschichtliche Fakten vermengen sich mit verquerer Fantasterei und die Lösungswege der forschen Schatzsucher sollte man besser auch nicht hinterfragen.

Wo „Das Vermächtnis der Tempelritter“ die Grenze zur Lächerlichkeit gerade noch mit Biegen und Brechen umschifft hat, braucht die Suche nach dem „geheimen Buch“ schon einen meterlangen Schnorchel, um sich an der Oberfläche des hauchdünnen Storygerüsts zu halten. Kenner des Erstlings dürften zudem mehr als einmal den berühmten Deja Vu-Effekt verspüren – bis auf die Grundidee ähneln sich beide Filme nämlich frappierend.

Zuschauer, die es generell etwas gemächlicher lieben, dürften sich nach dem bonbonbunten Actionritt fühlen, als wäre ein Schwerlasttransporter durchs Kino gerollt. Denn „Vermächtnis des geheimen Buches“ verlangt vor allem eines: Konzentration. Hier eine Explosion, da ein versteckter Hinweis, Namen, Daten und Orte im Schnelldurchlauf – wer nach dem Abspann noch weiß, wonach Mister Cage und Co. nun eigentlich gesucht haben, kann wahrscheinlich auch noch in einer voll besetzten Großraumdisko seine Steuererklärung ausfüllen.

Ein seltsames Paar

Doch auch wenn weite Teile des neuen Bruckheimers recht anstrengend sind, langweilig wird es dabei natürlich nie. Das liegt zum einen am deutlich angehobenen Actionanteil, zum anderen an der locker-luftigen Tonart. Selbst in brenzligen Situationen geben die Charaktere noch markige Oneliner zum Besten, vor allem aber John Voigt und Hellen Mirren sorgen als schrulliges Elternpaar für viele Lacher.

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Am Ende der Suche? Überall lauern Gefahren auf die Schatzjäger.
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Optisch lässt die Hochglanz-Schatzsuche natürlich keine Wünsche offen. Das spektakuläre Finale am Mount Rushmore weckt für wenige Minuten sogar Erinnerungen an vergangene Indiana Jones-Einsätze. Kurios: Das Titel gebende Präsidentenbuch dient nicht als zentrales Storyelement, sondern wird binnen weniger Minuten abgefrühstückt. Schade, hätten wir doch zu gerne mehr über die Area 51 gewusst…