Für sein englischsprachiges Regiedebüt hat sich Matteo Garrone („Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“) einen sehr italienischen Stoff ausgesucht. Oder besser gesagt: einen neapolitanischen. „Das Märchen der Märchen“ basiert auf der Geschichtensammlung von Giambattista Basile, der den neapolitanischen Sprachgebrauch nutzte, damit aber auch dafür sorgte, dass die Geschichten über hunderte von Jahren nur einem sehr ausgesuchten Kreis von Menschen bekannt waren.

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Das hat sich in den letzten Jahrhunderten zwar geändert, anders als etwa die Märchen der Gebrüder Grimm sind diese Geschichten aber dennoch in unseren Breitengraden nicht Allgemeingut. Drei davon hat Garrone in seinem Film miteinander vermengt. Der Vorteil dabei: Als Zuschauer weiß man nicht, was als nächstes kommt. Ein höchst seltenes Vergnügen, das das zeitgenössische Kino immer häufiger einfach nicht bieten kann. „Das Märchen der Märchen“ kann es – und nicht nur das, dieser Fantasy-Stoff sieht auch umwerfend schön aus.

Das Märchen der Märchen - Sexy, brutal, überraschend: Märchen für Erwachsene

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Der Film erscheint bei uns am27.08.2015 in den Kinos.
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Drei Geschichten

Garrone erzählt drei Geschichten parallel, die sich immer wieder miteinander abwechseln. Da ist die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die unbedingt ein Kind will, aber keines bekommen kann. Bis ein mysteriöser Mann ihr einen Weg aufzeigt, aber die freudige Geburt des Nachwuchses ist mit einem Haken versehen. Eine Magd bringt zur selben Zeit ebenfalls ein Baby auf die Welt: Elias und Jonah gleichen sich dabei wie ein Ei dem anderen.

Der König von Strongcliff (Vincent Cassel) ist bezaubert vom Gesang einer Frau. Er glaubt, eine junge Dame sei es, aber Dora (Hayley Carmichael) ist schon in die Jahre gekommen. Da der König sie nicht gesehen hat, wirbt er um sie, während die alte Dame nicht weiß, was sie tun soll. Doch dann wird sie in des Königs Bett beordert und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

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Ungewöhnliche Geschichten mit überraschenden Enden.
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Der König von Highhills (Toby Jones) möchte seine Tochter Violet (Bebe Cave) am liebsten für immer in seinem Schloss behalten, aber sie will heiraten, weswegen er einen Wettbewerb ausruft, von dem er sicher ist, dass niemand ihn gewinnen kann. Doch der König hat sich verrechnet. Ein Oger kennt die richtige Antwort und beansprucht die Hand der Prinzessin für sich.

Ein Fest für die Augen

„Das Märchen der Märchen“ funktioniert vor allem auf visueller Ebene. Die Kamera fängt Bilder von immenser Pracht ein. Man möchte sich in ihnen verlieren. Die Kostüme sind aufwendig und schön, die Musik zum Verlieben und die Drehorte, die allesamt in Italien liegen, kommen einem Traum gleich. Rein optisch kann man sich an diesem Film gar nicht satt sehen.

Ein Film zum Sehen und Staunen!Fazit lesen

Das ist ein Pluspunkt, wenn man bedenkt, dass die drei Geschichten mit einer Laufzeit von etwas mehr als zwei Stunden nicht ganz rund sind. Man hätte sie allesamt etwas straffen können, so findet sich immer wieder Leerlauf. Ein Gefühl der Langeweile kommt auf, was insofern paradox ist, weil man durchaus interessiert ist, wie die Geschichten enden. Nur hätte man sich gewünscht, dass Garrone hier schneller und weniger ausschweifend zum Punkt kommt.

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Etwas zu lang geraten, aber optisch äußerst beeindruckend.
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Denn interessant sind diese Märchen allemal. Schließlich sind sie nicht wirklich Geschichten, die für Kinder sind, geht es doch um reichlich erwachsene Themen. Das ist nicht der einzig interessante Aspekt, der starke Fantasy-Einschlag, der hier gegeben ist – mit Seeungeheuern, Ogern und Verjüngungen – ist stark ausgeprägt und sorgt dafür, dass die Geschichten sich in praktisch alle Richtungen entwickeln können.

Faszinierend ist dabei auch zu sehen, wie sie enden, denn eine Moral von der Geschicht‘, wie sie bei Märchen häufig vorkommt, ist hier nur in verklausulierter Form vorhanden. Stattdessen findet Garrone in seiner Adaption Schlussmomente, die viel offen lassen, aber von einem zeugen: Dass man sich vor dem Menschen in Acht nehmen muss.