Wer hat nicht schon mal davon geträumt, ein Superheld zu sein und Menschen das Leben zu retten? Oder davon, als großer Abenteurer spannende Geschichten auf der ganzen Welt zu erleben? Gefahrenreiche und packende Reisen zu unternehmen, an Orte zu gelangen, an denen noch keiner zuvor war? Und als solcher Männer und Frauen gleichsam zu beeindrucken? Walter Mitty hat all das bereits erlebt. Bislang allerdings nur in seiner überaus blühenden Phantasie…

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Ben Stiller ist den meisten wohl eher bekannt als der Hauptdarsteller aus Blödelkomödien wie „Verrückt nach Mary“, „Meine Braut, ihr Vater und ich“ (und deren Fortsetzungen), „Voll auf die Nüsse“ oder der erfolgreichen Familienkomödien „Nachts im Museum“ Teil 1 und 2. Meistens bewegt er dabei hauptsächlich die Lachmuskeln der Zuschauer und weniger das Herz.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty - Der schönste Film des Jahres 2014

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Walter Mitty lebt das große Leben ... Aber nur in seinen Träumen.
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Doch der Schauspieler, der das Gefühl des „Fremdschämens“ auch mit eigenen Regiearbeiten wie „Zoolander“ oder „Tropic Thunder“ wie kaum ein anderer in die Kinosäle brachte, kann auch anders, wie er nun mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beweist. Schon in anderen Filmen ließ er zwischen all den Lachern auch mal Platz für ernstere und ruhigere Klänge. Witze wurden auch gern mal um die Ecke gedacht oder manch eine Thematik warf auch nach dem Kinobesuch die ein oder andere ernste Frage auf. Aber der Sprung zu einem anderen Genre wollte ihm – bewusst oder unbewusst – nie so ganz gelingen.

Jetzt ist allerdings diese Zeit gekommen. Walter Mittys Zeit – in der Neuzeit. Denn die Figur des Walter Mitty ist keine neue. Ich würde den Film dennoch nicht als Remake bezeichnen, denn die Neuverfilmung orientiert sich nur sehr lose an dem Klassiker von 1947. Ben Stiller nahm sich lediglich die Figur aus der in Amerika berühmten Kurzgeschichte „The Secret Life of Walter Mitty“ von James Thurber aus dem Jahr 1939 zur Brust, die auch dem gleichnamigen Film 1947 als Vorlage diente. Die Geschichte und die Lebensverhältnisse des Mannes, der sich gerne etwas zu tief in seinen Tagträumen verliert, sind jedoch vollkommen neu.

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Der Film läuft bei uns am 01.01. in den Kinos an.
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I have a dream!

Ben Stillers Walter Mitty arbeitet beim LIFE Magazine. Wie in der Branche derzeit üblich, verliert die Print-Ausgabe an Abnehmern und soll deswegen nun komplett auf ein Online-Portal beschränkt werden. Dadurch droht vielen Mitarbeitern der Verlust ihres Arbeitsplatzes, wie eben auch Walter Mitty, dessen Position als Chefarchivar des Fotonegativ-Archives durch diese Umstellung überflüssig wird. Digital löst analog ab – ein Fluch und Segen zugleich und eines der Top-Themen unserer Zeit.

Das letzte gedruckte Heft ist deswegen umso wichtiger und entscheidet über die Zukunft vieler Menschen. Der berühmte Extrem-Fotograf Sean O’Connell (gespielt vom Verwandlungskünstler Sean Penn) schickt Walter, wie jeden Monat, eine Reihe von Bildern von seiner abenteuerlichen Reise um die Welt. Dabei begibt er sich stets in eine Vielzahl von Gefahren – alles nur für den perfekten Schnappschuss. Walter lebt seit 10 Jahren durch Seans Bilder, für den er der Ansprechpartner beim LIFE Magazine ist.

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Das Drehbuch zu "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" stammt von Steve Conrad.
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Doch im Gegensatz zum umtriebigen Sean, fristet Mitty sein Leben im dunklen Keller eines Bürogebäudes, in dem er die Wunder dieser Welt nur durch diese eindrucksvollen Fotografien sieht. Der neue Übergangsleiter Ted Hendricks (Adam Scott) ist ein absoluter Mistkerl und die bezaubernde Cheryl (Kristen Wiig), für die unser Held schwärmt, weiß nichts von seiner Existenz. Um aus seinem trostlosen Leben zu entkommen, flüchtet Walter regelmäßig in abgefahrene Tagträume – und blendet für diesen Moment sein Umfeld vollkommen aus.

Egal ob er wie ein Superheld einen kleinen Hund aus einem explodierenden Haus rettet oder sich eine wilde Verfolgungsjagd und epische Kämpfe mit Ted Hendricks quer durch New York liefert – Walter ist der Held in seiner eigenen, kleinen Welt, die sehr einem Actionfilm ähnelt. Ben Stiller inszeniert diese kleinen Ausflüchte sehr rasant und packend. Man findet schnell gefallen an Mittys Tagträumen und versteht auch, warum er immer wieder in diese abdriftet: sein Wunschleben ist einfach so viel cooler!

In 111 Minuten um die Welt

Doch dann kommt das Ereignis, das sein Leben komplett verändert: Ein Negativ in Sean O’Connells Paket fehlt. Und dann auch noch gerade das Bild, das der Fotograf als sein Meisterwerk bezeichnet, als die „Quintessenz des Lebens“: Negativ Nr. 25. Dies sei, laut Sean, das ideale Motiv für die letzte Titelseite des LIFE Magazines. Walter wird sofort klar: er muss dieses Bild finden. Und wenn es das letzte ist, was er tut. Dafür begibt er sich selbst auf eine abenteuerliche Reise, in die Fußstapfen seines großen Idols O’Connell, der das Leben lebt, das er selbst gerne führen würde. Denn Walter vermutet, dass sich das Negativ immer noch im Besitz von Sean befindet, doch dieser ist, ohne festen Wohnsitz und immer auf Abenteuerreise, nicht so leicht ausfindig zu machen…

Der perfekte Start ins neue Kinojahr: „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ ist schon jetzt der schönste Film des Jahres 2014! Was soll da noch kommen?Fazit lesen

Der Film entführt den Zuschauer zusammen mit dem Protagonisten auf eine spannende Reise voll wunderschöner Schauplätze, die einem Bilderbuch (oder eben dem bildgewaltigen LIFE Magazine) entsprungen sein könnten. Von Grönland geht es nach Island bis hin zum Himalaya. Egal ob auf dem Meer, Vulkan-Eruptionen entgegen oder im eisigen Schneegebirge – „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ beeindruckt durch spektakuläre und faszinierende Naturaufnahmen, die auf der großen Leinwand immense Wirkung zeigen.

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Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von James Thurber, welche 1939 veröffentlicht wurde.
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Ben Stiller legt dabei viel Gefühl in seine Rolle des Menschen, der endlich seine Träume leben kann. Anfangs noch vorsichtig und argwöhnisch, zu sehr dem gewohnten Alltagstrott und seiner sicheren Lebensweise nachhängend, befreit er sich zunehmend und fängt an, diese neugewonnene Freiheit zu genießen, bis er schließlich selbst dem Abenteuer entgegenjagt.

Diese Wandlung wird sehr gefühlvoll und nachvollziehbar gezeichnet. Der Film schafft es einfach in seiner Gänze zu überzeugen und zu berühren – und das nicht durch bombastische CGI-Effekte, überdramatischem Schauspiel oder spannungsgeladenem Thrill. Nein! „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ fühlt sich einfach leicht und zugleich so richtig an. Denn steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Walter Mitty? Ein Träumer?

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Ein erster Film zu der Geschichte kam 1947 auf die Leinwand und trug bei uns den Namen "Das Doppelleben des Herrn Mitty".
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Träumen kann so schön sein!

Drehbuchautor Steven Conrad erschuf zusammen mit Ben Stiller eine durch und durch sympathische Hauptfigur, die den Film trägt. Jeder kann sich mit ihr identifizieren. Jeder kennt den Moment, in dem man abschweift und sich im Kopf vorstellt, wie es jetzt auch anders sein könnte. Zum Beispiel Kontra gibt, wo man kein Kontra geben darf – oder einem einfach nicht schnell genug der richtige Spruch einfiel. Die Frage „Was wäre wenn?“ bestimmt diese wunderbare Geschichte. Und wie oft haben wir selbst uns diese simple Frage schon gestellt und in unseren Köpfen die größten und fantastischsten Hirngespinste entstehen lassen? Das fängt in der Kindheit an und hört im Erwachsenenalter nicht auf!

Dadurch trifft Walter Mitty den Zuschauer genau an der richtigen Stelle: ins Herz. Wenn dieser kleine Mann zu seinem Mut findet, den Sprung ins Abenteuer wagt und später mit einem Longboard eine ellenlange Landstraße im fernen Island vor einer traumhaften Kulisse herunterbrettert und dabei Freiheit atmend die Arme ausbreitet – dann fühlt man: Dieser Film macht alles richtig. Die Augen fangen an zu leuchten, das Herz geht auf und man genießt einfach diesen befreienden Moment, zusammen mit dem Protagonisten auf der Leinwand.

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Regie führte übrigens Ben Stiller selbst.
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Und dabei scheint all das ein einziges Gesamtkunstwerk zu sein: Neben sehr kreativen und raffinierten Szenenübergängen liefert Ben Stiller auch grandiose metaphorische und künstlerische Bilder. So läuft Walter Mitty beim Aufbruch seiner Reise an postergroßen Titelbildern des LIFE Magazines vorbei, in denen er sich selbst sieht. Hinzu kommt ein fabelhafter Soundtrack, der sich den atemberaubenden Bildern passgenau anschmiegt und somit Augen und Ohren verführt.

Aber bei Ben Stiller kommt natürlich auch der Humor nicht zu kurz. Dieser ist jedoch keineswegs überzogen oder neigt zum Fremdschämen, wie sonst bei ihm üblich. Es ist genau die richtige Prise Humor, die den Film heiter und erfrischend wirken, ihn aber nicht zu einer albernen Komödie verkommen lässt, sondern sein ganz eigenes Genre schafft. Absolut ein Werk, das den Stempel verdient: „Ein Film zum Immer-wieder-Ansehen!“.