Auf Jason Bourne muss man verzichten, behalten hat man aber Autor Tony Gilroy, der bei „Das Bourne Vermächtnis“ auch gleich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat. Das macht er wiederum ganz gut. Am Skript hätten sein Bruder Dan und er aber ruhig noch etwas feilen können. Es ist erstaunlich substanzlos und könnte auch problemlos als „Junkie sucht Pillen“ beschrieben werden – mit Action natürlich.

Aufgrund von Jason Bournes Taten ist Treadstone kompromittiert. Für Eric Byer (Edward Norton), der sämtlichen geheimen Programmen vorsteht, steht weit mehr auf dem Spiel. Er fürchtet, dass durch Treadstone aufgrund der persönlichen Bande der Wissenschaftler auch Outcome ins Licht der Öffentlichkeit gezehrt werden könnte. Das wiederum würde alle anderen Programme gefährden. Darum gibt er den Auftrag, Outcome mit Stumpf und Stiel zu vernichten.

Das Bourne Vermächtnis

- Weg da, Bourne, jetzt kommt Aaron Cross
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Hat keine Pillen mehr: Aaron Cross.
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Ein Outcome-Agent ist Aaron Cross (Jeremy Renner), der den Mordanschlägen auf die Programm-Teilnehmer entkommt. Aber er hat ein Problem. Um seine körperliche und geistige Überlegenheit zu gewährleisten, benötigt er grüne und blaue Pillen.

Sein Vorrat ist jedoch fast erschöpft. Will er überleben, muss er ihn auffrischen. Darum rettet er auch einer Virologin, die für Outcome tätig ist, das Leben. Sie soll ihm helfen, aber beide stehen nun auf Byers Abschussliste, der alle Hebel in Bewegung setzt, um diese losen Enden ein für allemal aufzuknüpfen.

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Mehr als einer

Nachdem Matt Damon Desinteresse am vierten Teil signalisiert hatte, brauchte es einen neuen Agenten, der gegen die zwielichtigen Geheimorganisationen kämpfen muss. Mit Jeremy Renner hat man einen guten Mann für die Hauptrolle engagiert. Er ist kein Schönling, was für die Rolle umso mehr passt. Ihm nimmt man den Soldaten, der zum tödlichen Agenten ausgebildet wurde, in jeder Sekunde ab.

Oberflächlich gefälliges, aber inhaltlich sehr mageres Anhängsel der Bourne-Trilogie, das von den Schauspielern halbwegs gerettet wird.Fazit lesen

Renner, aber auch Rachel Weisz und Edward Norton, ist es generell zu verdanken, dass „Das Bourne Vermächtnis“ nicht im Kino-Lokus endet, sondern einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Der Film ist an sich schon gefällig, allerdings gibt es einige Defizite zu vermelden.

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Die Ballerei lässt anfangs auf sich warten.
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Actionfans werden etwas verwundert sein, dass es lange bis zur ersten Schießerei dauert, denn am Anfang gibt es zwar auch ein bisschen Kabumm, aber eine Drohne, die ein Haus hochjagt, und dann selbst abgeschossen wird, ist sicherlich nicht das, was Bourne-Fans erwarten. Immerhin: Wenn Aaron Cross dann zur Rettung der Virologin schreitet, bekommen die Action-Jünger das, was sie gerne sehen.

Gilroy erweist sich generell aber als weniger versierter Regisseur als seine Vorgänger Doug Liman und Paul Greengrass. Das zeigt sich vor allem an der viel zu lange ausgewälzten Motorradverfolgungsjagd auf den Straßen von Manila, die den Klimax des Films darstellen soll, aber etwas zu repetitiv und im Grunde viel zu klein geraten ist, als dass man das Gefühl hätte, hier das Ende der Geschichte zu sehen.

Parallele Erzählstränge

Tatsächlich mutet „Das Bourne Vermächtnis“ ein wenig so an, als sei es nur die erste Hälfte eines weit größeren Films. Das mag auch daher kommen, dass die Handlung parallel zu „Das Bourne Ultimatum“ stattfindet und die Ereignisse dieses Films immer wieder referenziert werden.

Problematisch ist sicherlich auch, dass es ein ziemlich schwacher MacGuffin ist, der Renners Figur hier motiviert. Zudem ist die Erklärung, warum Byer das komplette Outcome-Projekt eliminieren will, recht schwammig geraten. Es mag Geheimdienstlogik sein, gesunder Menschenverstand ist es definitiv nicht.

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Immer gut, wenn man eine Virologin kennt.
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Etwas wirr gestaltet sich das Ganze auch, weil die Geheimprojekte wie Pilze aus dem Boden sprießen. Erst hatte man Treadstone, dann Blackbriar, nun Outcome und am Ende auch noch Larx. Und als wäre das nicht genug, deutet Byer an, dass es noch weit mehr Programme gibt. Das wirklich Schräge daran? Sie haben alle dieselbe Aufgabe: einen Supersoldaten zu erschaffen. Die Methoden sind unterschiedlich, aber man kann nicht umhin, als sich zu fragen, ob es der Sache nicht dienlicher wäre, wenn alle Ressourcen gebündelt würden.

Die Frage stellt der Film wiederum nicht. Generell wird viel behauptet, aber nur wenig belegt. So bleibt etwa ungeklärt, warum Cross am Anfang in Alaska über die Berge steigt und in einer einsamen Waldhütte einen anderen Agenten aufsucht.

Anfang und Ende

Der Anfang des Films zitiert „Die Bourne Identität“, das Ende erinnert dann auch an den Schlussmoment des ersten Films. Das ist ein netter Verweis auf die Vorgänger-Filme, macht aber nur umso deutlicher, dass für sich gesehen „Das Bourne Vermächtnis“ kaum bestehen könnte. Hätte man nicht das Vorwissen aus den bisherigen drei Filmen, würde dieser vierte Teil völlig sinnfrei erscheinen.

Zusammen mit dem Gefühl, dass dies lediglich die erste Hälfte eines größeren Films ist, kommt im Grunde auch die Erwartung, dass es bei einem fünften Teil nur in eine Richtung gehen kann: Matt Damon wird wieder gebraucht, um gemeinsam mit Jeremy Renner dem ollen Edward Norton einzuheizen. Das könnte dem Franchise dann auch neue Impulse verleihen verleihen. Ob es so kommen wird, muss die Zukunft zeigen.