Wenn ein Film „Dark House“ benannt wird, erwartet man erst einmal keine innovativen Meisterleistungen, sondern eine Wiederkäuung leidlich bekannter „Haunted House“-Motive...die dann zum Glück auch ein paar unerwartete Türmchen und Erker, und einen strammen Außenanstrich abbekommen. Kein wirklich großer Wurf, aber auf jeden Fall besser und unterhaltsamer als es der maximal generische Titel vermuten lassen würde.

Dark House - Trailer

Gottes Armee

Der größte Verdienst hierfür geht an Regisseur und Drehbuchautor Victor Salva, der spätestens seit seinem Knastaufenthalt auf ewig dem „Jeepers Creepers“-Erfolg hinterherrennen dürfte – aber immerhin ganz genau weiß, was einen Horrorfilm zum Ticken bringt. Der Mann hat Ahnung von seinem Genre und erkennt somit, dass einfach nur ein weiteres knarziges Teufelshaus kaum noch das Gruselblut in Wallung bringt. Mit einem biblischen Engel-vs.-Dämonen-Konflikt, Hausmeister Tobin Bell und synchron austretenden Death-Metal-Schergen sieht die Sache schon etwas anders aus.

Dark House - Im Zeichen von Jeepers Creepers: Satan, Zottel und Äxte

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Victor Silva, der Regisseur von „Dark House“.
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Solche Zutaten salzen eine eigentlich standardisierte B-Suppe, in der ein junger Bursche mit dunkler Vergangenheit (TM) eine unverhoffte Erbschaft macht (TM) und dann zusammen mit einigen Freunden (TM) ein verfallenes Gemäuer irgendwo im amerikanischen Nirgendwo (TM) aufsucht. Der daraus resultierende Kampf der biblischen Entitäten stammt aus „God's Army“, die seherische Fähigkeit des jungen Burschen (gespielt von Luke Kleintank) kennt man zum Beispiel aus „The Dead Zone“ oder der „Twilight Zone“-Folge „A penny for your thoughts“, und die starr auf Kommandos wartende Untoten-Armee erinnert frappierend an die hüpfenden Vampire der glorreichen „Mister Vampire“-Reihe.

Frisch im Sinne von „noch nie dagewesen“ ist hier überhaupt nichts, doch die eifrige Hangelei durch diverse Ecken des Horrorgenres erzeugt zum Glück schwungvolle Unterhaltung. Einfach mal nicht nur auf staubige Türen bauen, sondern so weit anbauen, bis die Grenze zwischen B und Trash *fast* durchbrochen wird. Tobin Bell zum Beispiel darf üppige Rastalocken tragen und wenig einladende Worte brüllen, doch hinter seiner kuriosen Erscheinung wartet eine weitere Ebene, die auch seinen Zottel-Killern zum richtigen Zeitpunkt eine neue Dimension eröffnet. Die Twists bei „Dark House“ machen Laune, auch wenn sie nur für sich genommen -erneut- keine Chance auf Innovationspreise haben.

Dark House - Im Zeichen von Jeepers Creepers: Satan, Zottel und Äxte

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Die Axt-Gang – zwischen Forstarbeiter und Wacken-Faktotum.
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B und Spaß dabei

Aber was ist schon neu im „Haunted House“-Genre? Hier kann es eigentlich nur um Anordnungen, um überraschend arrangierte Flickenteppiche gehen. Eine Gruppe Landvermesser erscheint vielleicht einen Tacken zu hilfsbereit, die warnende/zauselige Dorfbevölkerung (noch so ein TM) ist auf einmal verschwunden und der erste Angriff der Axt-Schergen offeriert auf einmal kompetent inszenierte Action. In der inhaltlichen Mitte von „Dark House“ liegt ein alter Hut, der aber mehrere Hasen beherbergt und seine B-Krempe so intensiv kultiviert, dass übertriebene Ironie, der rote Knopf für verlogene Genre-Kuschelei, keine Chance bekommt.

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Ja, das Geschehen ist natürlich abstrus und keineswegs subtil, doch immerhin steht es wenigstens dazu, dass Satan hier im Heizungskeller wohnt und eine der Vermesserinnen tatsächlich Eva heißt. „Dark House“ bewegt sich in der Komfortzone klassischen Fantasy-Filmfest-Futters, was dann sogar die eindimensionalen Pappnasen-Charaktere und so manchen knirschenden Dialog mit nett gemeintem Gelächter verziert. Im allerbesten Fall gehört solch Unfug sogar zum Standardprogramm, solange nur auch Äxte geworfen werden und vor allem gegen Ende satte Splattereffekte Einzug halten dürfen.

Dark House - Im Zeichen von Jeepers Creepers: Satan, Zottel und Äxte

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Leute, wäre es nicht SPÄTESTENS hier an der Zeit, einfach mal abzuhauen?
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Ein Film für rosarota Brillen mit Genrerand, der Rest muss sich mit den flinken Twists, der Axt-Action und dem Gekröse über der Stopp-Taste halten. Bei „Dark House“ kann man ohne Probleme den Finger auf matte Figuren, inhaltliche Ungereimtheiten, Tobin Bells Rastamähne oder die generelle Abstrusität der dämmrich hellen Geschichte zeigen. Alternativ ist es aber auch möglich, einfach mal die Füße hochzulegen und sich über unterhaltsamen B-Horror zu freuen, der nicht nur kompetent und stramm inszeniert ist, sondern auch sein „haunted house“-Thema angenehm vielseitig recycelt. Der Wackerstein namens Anspruch kommt vorübergehend in den Besenschrank, hier regieren jetzt erstmal tieffliegende Äxte.