Mit seinen letzten Filmen hat der italienische Altmeister Dario Argento schon kontinuierlich für eine Schändung seines eigenen Andenkens gesorgt. Irgendetwas muss passiert sein, das sein Talent beeinflusst, vielleicht ist es aber auch nur das Alter. Vielleicht kann er deshalb nicht mehr abrufen, was ihn einst zu einem der größten Künstler des Horror-Genres gemacht hat.

Dario Argentos Dracula - Official Trailer

Mittlerweile sind die Erwartungen niedrig, wenn ein neuer Film von Argento angekündigt wird. Mit „Dracula 3D“ beweist er allerdings, dass die Talsohle noch nicht erreicht ist. Es geht immer noch tiefer und tiefer und tiefer, bis zu dem Punkt, an dem man erkennen muss, dass selbst ein Ed Wood keine schlechteren Filme als das hier abgeliefert hat.

Dario Argentos Dracula - Horror-Altmeister Dario Argento geht unter Vampire

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Bei diesem Murks ist kaum zu glauben, dass Dario Argento einst als Horrormeister galt.
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Jonathan Harker reist nach Transsylvanien, um dort für Graf Dracula zu arbeiten. Er soll dessen Bibliothek katalogisieren. Seine Frau Mina reist nach. Sie ist es, die Dracula wirklich will, da sie seiner verstorbenen Frau wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Während Jonathan in Draculas Schloss zur Ader gelassen und Lucy zur Untoten wird, überlegt man im Dorf, wie man dem Fürst der Vampire beikommen könnte.

Lucys Vater ruft schließlich Professor Abraham van Helsing zu Hilfe, der schon einschlägige Erfahrungen mit Vampiren gemacht hat und nun zur Stelle ist, um Mina aus den Klauen des Vampirs zu befreien. Hilfe erhält er dabei vom Dorfpfarrer, der allerdings lange braucht, um genug Mut zu finden, der ihn in diese Schlacht ziehen lässt.

Alles neu macht Dario

Argento und seine drei Autoren halten sich nur lose an Bram Stokers Vorlage. Veränderungen gibt es viele. So findet die komplette Handlung in Transsylvanien statt, Lucy hat als Einheimische einen anderen Nachnamen erhalten und mehrere Figuren (Arthur Holmwood, Jack Seward und Quincey Morris) tauchen erst gar nicht auf. Auch deswegen wirkt der Film unterbesetzt.

Packshot zu Dario Argentos DraculaDario Argentos Dracula

Leere ist es, die zumeist vorherrscht, inmitten der Kulissen, aber auch in Natur und an Außenlocations; es sind nur ganz wenige Schauspieler, die hier agieren. Das zieht sich bis zum Finale, das zwischen drei Personen abläuft und so lahm gestaltet ist, dass man nur verwundert den Kopf schütteln kann. Keine der Änderungen wäre vonnöten gewesen, sie scheinen einzig und allein dem Bestreben geschuldet, günstiger drehen zu können, indem man Wälder und Dörfer in Italien nutzte.

Dilettieren auf hohem Niveau, versagen auf ganzer Linie – kaum etwas passt bei diesem in höchstem Maße abstrusen Dracula-Film.Fazit lesen

Effekte wie vor 20 Jahren

Man sollte meinen, bei einem (angeblichen) Budget von 5,6 Millionen Dollar wäre bei den Effekten mehr drin gewesen. Die computeranimierten Effekte sehen aber schlichtweg erschreckend aus, wie aus uralten Computerspielen. Oder anders ausgedrückt: Selbst bei den grottigen Filmen von Asylum bekommt man bessere Effekte!

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"Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet"... Fast schon so, wie zu Rutger Hauers guten Zeiten, nur ohne Harrison Ford.
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Es sind aber nicht nur die Effekte, die unangenehm aufstoßen, auch das, was sie umsetzen, ist grauenhaft. In einer Sequenz verwandelt sich Dracula in eine riesige Gottesanbeterin. Warum? Das wird wohl auf ewig ein Geheimnis von Argento bleiben. Eine stimmige Erklärung gibt es jedenfalls nicht. In der Szene ist es überflüssig, Dracula hätte auch in menschlicher Form agieren können.

Zugegeben, das wäre auch nicht viel besser gewesen, aber ein klein bisschen besser halt doch. Denn eines muss man auch sagen: Thomas Kretschmann als Dracula ist eine krasse Fehlbesetzung. Entweder hat er keinerlei Regieanweisungen erhalten oder er fand selbst keinen Zugang zur Rolle, aber er chargiert, dass sich die Balken biegen. So etwas derart Peinliches hat man wirklich selten gesehen. Speziell, wenn er mit blutverschmiertem Gesicht faucht und herumspringt, ist das eher lustig als gruselig.

Schräge Musik und billiges 3D

Sollte man meinen, dass die Musik von Claudio Simonetti, der einst mit Kollegen als Gruppe Goblin für grandiose Scores bei Argentos Filmen gesorgt hat, ein bisschen Qualität in die Angelegenheit einbringen, irrt man gewaltig. Simonetti scheint geglaubt zu haben, einen Science-Fiction-Film zu vertonen. Anders lässt sich die sphärenhafte, aber unpassende Musik wohl kaum erklären.

Bei Argento verkommt die dritte Dimension zum billigen Gimmick. Er versteht es nicht, visuell etwas aus der Technik herauszuholen. Das ist umso erstaunlicher und trauriger, wenn man bedenkt, was für einen wundervollen Bilderreigen er vor mehr als 30 Jahren mit „Suspiria“ und nur zwei Dimensionen erschaffen konnte.

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Damit nicht genug: Der Film sieht erschreckend billig aus. Die 3-D-Technik hat Argento auch zu einer statischen Inszenierung gezwungen. Mitunter hat man das Gefühl, abgefilmtes Laientheater zu sehen, was durch teilweise unterirdische Darstellungen noch verstärkt wird. Die realen Kulissen wie die Burg gehen noch in Ordnung, das Innenleben lässt jedoch Überzeugungskraft vermissen. Wenn das alles wirklich 5,6 Millionen Dollar gekostet hat, fragt man sich, wofür das Geld wirklich draufgegangen ist. Im Film sieht man es auf jeden Fall nicht.